{"id":5912,"date":"2026-05-01T15:42:29","date_gmt":"2026-05-01T14:42:29","guid":{"rendered":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/?p=5912"},"modified":"2026-05-26T20:56:36","modified_gmt":"2026-05-26T19:56:36","slug":"snail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/snail","title":{"rendered":"Schnecken"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Schnecken (<em>Gastropoda<\/em>) bilden eine ganze Klasse des Tierreichs und umfassen etwa 100.000 Arten, von denen mindestens siebzig Prozent im Meer leben. Obwohl die Vielfalt der marinen Fauna im Altertum noch weitgehend unentdeckt war, wurden bereits einige kostbare Produkte aus ihr gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon in der mittleren Bronzezeit, um 2.000 v. Chr., hinterlie\u00df die Gewinnung eines au\u00dferordentlich begehrten und wertvollen Farbstoffs \u00fcberall ihre Spuren: Purpur! Es wird aus einem winzigen Organ, der Hypobranchialdr\u00fcse, bestimmter Meeresschnecken gewonnen. Die genaue Prozedur seiner Herstellung wurde nicht schriftlich \u00fcberliefert, obwohl er weit verbreitet war \u2013 F\u00e4rberezepturen waren \u00fcberall streng geh\u00fctete Berufsgeheimnisse. Sein gro\u00dfer Wert als Handelsgut erkl\u00e4rt sich dadurch, dass die Gewinnung sehr arbeitsintensiv war. Um ein Gramm reinen Purpur zu erhalten, mussten etwa 12.000 Schnecken aus dem Meer geholt und fachm\u00e4nnisch ausgenommen werden. Der hohe Bedarf f\u00fchrte dazu, dass die Tiere an den gut zug\u00e4nglichen K\u00fcstenabschnitten ausgerottet wurden, so dass die Purpurfischer unter immer gr\u00f6\u00dferem Risiko immer weiter hinaus und immer tiefer hinunter mussten. Dadurch stieg der Wert ihrer kostbaren Beute immer weiter an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><strong>violette:farbpalette<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der exakte Farbton, den man am Ende der F\u00e4rbeprozedur erhielt, hing von vielen Faktoren ab. Durch unterschiedliche Verfahrensweisen konnte das Ergebnis an die W\u00fcnsche der Kundschaft angepasst werden. Allerdings bewegte man sich in einem Farbspektrum, das durch den verwendeten Ausgangsstoff begrenzt wurde. Im Mittelmeerraum wurde die Stumpfe Stachelschnecke (<em>Hexaplex trunculus<\/em>) am h\u00e4ufigsten verarbeitet. Ihr Pigment lieferte ein intensives Blauviolett, den <em>Blauen Purpur<\/em>, der hebr\u00e4isch <em>tekelet<\/em> und griechisch <em>porphyrus<\/em> genannt wurde. Die Herkuleskeule (<em>Bolinus brandaris<\/em>) lieferte ein Pigment, das eher ein Rotviolett ergab, den <em>Roten Purpur<\/em>, hebr\u00e4isch <em>argaman<\/em> und aram\u00e4isch <em>argvan<\/em> genannt. Beide Farbstoffe konnten allerdings so stark modifiziert werden, dass sich ihre Farbspektren \u00fcberschnitten. Einen eindeutig roten Farbton lieferte dagegen die Rotmund-Leistenschnecke (<em>Stramonita haemastoma<\/em>). Es ist nicht ganz leicht zu rekonstruieren, welche Namen zu welcher Zeit f\u00fcr welche F\u00e4rbung in Umlauf waren. Dass Purpur und Scharlach gemeinsam erw\u00e4hnt werden (Offb 17,4; 18,12.16) ist ein Hinweis darauf, dass zumindest im ersten Jahr hundert nach Christus mit \u00bbPurpur\u00ab eher das Blauviolett bezeichnet wurde, was sich auch bis heute gehalten hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mantel, der dem Herrn Jesus um die Schultern gelegt wurde, um Ihm sp\u00f6ttisch die K\u00f6nigsw\u00fcrde zu verleihen, war wahrscheinlich mit Karmesin gef\u00e4rbt: \u00bbUnd sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten [gr. <em>kokkinos<\/em>] Mantel um. Und sie flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm einen Rohrstab in die Rechte; und sie fielen vor ihm auf die Knie und verspotteten ihn und sagten: Sei gegr\u00fc\u00dft, K\u00f6nig der Juden!\u00ab (Mt 27,28.29). Dennoch wird an anderer Stelle f\u00fcr das gleiche St\u00fcck Stoff die Bezeichnung Purpurmantel (<em>porphyra<\/em>, Mk 15,17.20) oder Purpurgewand (<em>himation porphyrun<\/em>, Jh 19,2.5) gew\u00e4hlt. Offensichtlich wurde der Be griff etwas breiter verwendet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"791\" height=\"808\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5918\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple.jpg 791w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple-294x300.jpg 294w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple-768x785.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-deep-purple-600x613.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 791px) 100vw, 791px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">deep:purple \u2013 Es ist schon erstaunlich, was f\u00fcr unterschiedliche Farbt\u00f6ne als \u00bbPurpur\u00ab bezeichnet wurden. Physikalisch gesehen, also in Bezug auf ihre Wellenl\u00e4nge, liegen Blauviolett und Dunkelrot an den entgegengesetzten Enden des sichtbaren Lichtspektrums. F\u00fcr unseren Sinneseindruck schlie\u00dft sich der Farbkreis allerdings mit dem vermittelndem Rotviolett.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>schnecken:schatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor die Griechen zur f\u00fchrenden Macht im Mittelmeerraum auf stiegen, lag der Purpurhandel fest in ph\u00f6nizischer Hand. Mit <em>Phoinike<\/em> wurde ihr Stammsitz an der Levante bezeichnet, der gr\u00f6\u00dftenteils im Gebiet des heutigen Libanon lag und die gro\u00dfen Handelsst\u00e4dte Sidon, Tyros und Byblos einschloss. Der Name l\u00e4sst sich mit \u00bbPurpurland\u00ab \u00fcbersetzen. Sp\u00e4ter gab es im R\u00f6mischen Reich viele Handelsst\u00e4dte, in denen die Textilproduktion bl\u00fchte und Purpurf\u00e4rbereien als \u00bbZulieferbetriebe\u00ab arbeiteten. Die Stadt Thyatira in Kleinasien (heutige Ost-T\u00fcrkei) war so ein regionales Zentrum. Von dort stammte Lydia, eine wohlhabende, gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Frau, die durch Paulus und seine Begleiter das Evangelium h\u00f6rte und annahm (Apg 16,14). Da Purpur ein au\u00dferordentliches Luxusgut war, kann man davon ausgehen, dass sie als Purpurh\u00e4ndlerin (<em>porphyropolis<\/em>) sehr wohlhabend war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1174\" height=\"834\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5919\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen.jpg 1174w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen-300x213.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen-1024x727.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen-768x546.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-reich-hornchen-600x426.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1174px) 100vw, 1174px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">reich:h\u00f6rnchen \u2013 Die Herkuleskeulen oder Brandh\u00f6rner (<em>Bolinus brandaris<\/em>) sind in Portugal auf der Speisekarte gehobener Fischrestaurants mit einem Kilopreis von 60 bis 80 Euro unter der Bezeichnung <em>Canilhas<\/em> zu finden.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>gespr\u00e4chs:stoff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder versuchte man im Alten Rom, die kostbaren Purpurstoffe den W\u00fcrdentr\u00e4gern des Reiches per Gesetz vorzubehalten. Aber die Gier der reichen B\u00fcrger und Gesch\u00e4ftsleute nach Statussymbolen und Kleiderluxus lie\u00df sich durch keinen Erlass eind\u00e4mmen. Damit galt Purpur zwar offiziell als Symbol f\u00fcr Herrschaft und Autorit\u00e4t, war in der Realit\u00e4t aber eine Frage des Geldbeutels. Wer sich Purpur leisten konnte, erregte Aufsehen und war im doppelten Wortsinn \u00bbgut betucht\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Originalpigment aus den Meeresschnecken wird heute kaum noch verwendet und gilt noch immer als teuerster Farbstoff der Welt \u2013 ein Gramm davon kostet etwa 3.000 Euro. Es wird jedoch, genau wie das echte Karmesin ben\u00f6tigt, wenn es darum geht, Vorschriften des mosaischen Gesetzes genau zu befolgen. Deswegen wird es im j\u00fcdischen Tempelinstitut in Jerusalem erforscht, wo man sich bem\u00fcht, alle Anweisungen zur Herstellung von Vorh\u00e4ngen und Kleidungsst\u00fccken nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"826\" height=\"934\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5920\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit.jpg 826w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit-265x300.jpg 265w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit-768x868.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S173-Murex-breit-600x678.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 826px) 100vw, 826px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei st\u00f6\u00dft man in der Beschreibung von Stiftsh\u00fctte und Tempel immer wieder auf ein Quartett von vier Farben und Textilien. Aus ihnen wurde das Tor der \u00e4u\u00dferen Umz\u00e4unung, der Eingangsvorhang, der Vorhang des Allerheiligsten, die innere Zeltdecke, das Prachtgewand des Hohenpriesters, sein Brustschild und sein G\u00fcrtel gewebt. Diese H\u00e4ufung verweist auf eine tiefere Bedeutung, die sich tats\u00e4chlich erkennen l\u00e4sst. Die Tabelle auf der n\u00e4chsten Seite fasst vier verschiedene Perspektiven auf die Person und das Werk des Herrn Jesus zusammen. Die verschiedenen Produkte, die hier genannt wurden, sind darin her vorgehoben. <em>Blauer Purpur<\/em> symbolisiert Seine himmlische Herrlichkeit als Sohn Gottes, wie sie im Johannesevangelium entfaltet wird, <em>Roter Purpur<\/em> Seine \u00bbamtliche\u00ab Herrlichkeit als K\u00f6nig und Messias Israels, wie sie im Matth\u00e4usevangelium zu sehen ist, das <em>wei\u00df-gl\u00e4nzende Byssus<\/em> Seine vollkommene Reinheit als s\u00fcndloser Mensch, wie Er uns im Lukasevangelium beschrieben wird und bei <em>Karmesin<\/em> liegt die Assoziation mit Blut und dem geringgeachteten Krabbelzeug nahe, aus dem man diese Farbe gewann \u2013 ein Hinweis auf Seine Leiden und Erniedrigung als vollkommener Diener, wie das Markusevangelium Ihn beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1711\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5921\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-scaled.jpg 2560w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-300x201.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-768x513.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-1536x1027.jpg 1536w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-2048x1369.jpg 2048w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-Evangelientabelle-gros-600x401.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>duft:deckel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Gebrauch im israelitischen Gottesdienst wurde eine weitere exotische Zutat ben\u00f6tigt, die ebenfalls aus Meeresschnecken gewonnen wurde. Das hebr\u00e4ische Wort schechelet ist Bestandteil einer Gew\u00fcrzmischung, die als \u00bbR\u00e4ucherwerk\u00ab verbrannt wurde: \u00bbUnd der <em>HERR<\/em> sprach zu Mose: Nimm dir wohlriechende Gew\u00fcrze, Stakte und R\u00e4uchermuschel und Galban, wohlriechende Gew\u00fcrze, und reinen Weihrauch; zu gleichen Teilen sollen sie sein\u00ab (2Mo 30,34). Der Begriff wird hier als \u00bbR\u00e4uchermuschel\u00ab, in anderen \u00dcbersetzungen meist als \u00bbR\u00e4ucherklaue\u00ab wiedergegeben. Dabei handelt es sich um ein rundes Deckelchen (<em>Operculum<\/em>), mit dem manche Meeresschnecken ihre Geh\u00e4use\u00f6ffnung dicht verschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Im Roten Meer leben <em>Tricornis tricornis<\/em> und <em>Lambis truncata<\/em>, zwei Arten von Fl\u00fcgelschnecken, die als Lieferanten in Frage kommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"725\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5922\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen.jpg 992w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen-300x219.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen-768x561.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-raucher-plattchen-600x439.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 992px) 100vw, 992px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">r\u00e4ucher:pl\u00e4ttchen \u2013 Das Bild zeigt die \u00bbR\u00e4uchermuschel\u00ab <em>Lambis truncata<\/em>, die eigentlich keine Muschel ist, sondern zur Familie der Fl\u00fcgelschnecken (<em>Strombidae<\/em>) geh\u00f6rt. Das zu Pulver zerriebene Verschlussdeckelchen (<em>Operculum<\/em>), hinter dem sie sich verbarrikadiert, wenn Gefahr im Verzug ist, war Bestandteil des biblischen R\u00e4ucherwerks<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ausgeh:trocknet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Landschnecke dient in einem Fluch als Bild f\u00fcr Verg\u00e4nglichkeit: \u00bbLass sie sein wie die Schnecke, die zerschmelzend vergeht\u00ab (Ps 58,9) oder in anderen \u00dcbersetzungen: \u00bbLass sie wie Schnecken im Schleim zerflie\u00dfen\u00ab (Ne\u00dc, GN) beziehungsweise: \u00bbWie Schnecken in der Hitze sollen sie austrocknen\u00ab (NL\u00dc). Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Schnecke ist <em>schablul<\/em>. Es kommt nur in dem zitierten Vers vor und leitet sich von <em>schebel<\/em> ab, was eine lange, flie\u00dfende Schleppe bezeichnet. Das bezieht sich wahrscheinlich auf die nachgezogene Schleimspur, die ein Kennzeichen <em>aller <\/em>Landschnecken ist. Mit ziemlicher Sicherheit ist in diesem Fall von einer Nacktschnecke die Rede. Diese sind normalerweise nachtaktiv und bevorzugen feuchte Lebensr\u00e4ume. Sollten sie sich nach einem ausgiebigen Regenfall doch mal am Tag aus der Deckung trauen und dann von der Sonne \u00fcberrascht werden, ist es schnell um sie geschehen. Wenn sie verenden, l\u00f6st sich ihre Haut auf und sie zerflie\u00dfen buchst\u00e4blich. Das ist kein sch\u00f6ner Anblick, aber wer im Garten schonmal \u00bbSchneckenkorn\u00ab verwendet hat, ist damit vertraut. Nacktschnecken f\u00fchlen sich in k\u00fchleren Gegenden mit ganzj\u00e4hrigen Niederschl\u00e4gen wohler als in Israel. Viele Arten, die heute dort vorkommen, wurden wahrscheinlich erst in neuerer Zeit eingeschleppt. Der Bierschnegel (<em>Limacus flavus<\/em>) allerdings gilt als \u00bbUreinwohner\u00ab. Er ist einer dieser Sensibelchen, die in der Sonne vergehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-rotated.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"862\" height=\"1570\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5923\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-rotated.jpg 862w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-165x300.jpg 165w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-562x1024.jpg 562w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-768x1399.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-843x1536.jpg 843w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-hitze-frei-600x1093.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 862px) 100vw, 862px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">hitze:frei \u2013 <em>Sphincterochila zonata<\/em> sieht zwar nicht besonders spektakul\u00e4r aus, ist aber ein hochinteressantes Studienobjekt. Ihre wei\u00dfe Kalkschale reflektiert Sonnenlicht so gut, dass sie keinen Schatten aufsuchen muss und die hei\u00dfeste Zeit in der Negevw\u00fcste in \u00bbSommerruhe\u00ab \u00fcberstehen kann. Sie verkittet ihre \u00d6ffnung dann mit einem Kalkverschluss (Diaphragma), den man auch bei heimischen Schnecken in Trockenzeiten oft antrifft \u2013 wie bei diesem Exemplar, dass der Autor in Portugal aufgesammelt hat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geh\u00e4useschnecken dagegen, von denen es in Israel mindestens 30 Arten gibt, sind zum Teil perfekt an W\u00fcstenbedingungen angepasst. <em>Sphincterochila zonata<\/em>, f\u00fcr die es keinen etablierten Trivialnamen gibt, kommt sogar ausschlie\u00dflich in der israelischen Negevw\u00fcste vor, und auch die Nudelschnecke (<em>Eobania vermiculata<\/em>) ist im ganzen Nahen Osten verbreitet und kommt mit der Trockenheit gut zurecht. Manche Arten sind echte \u00dcberlebensk\u00fcnstler \u2013 sogar eine \u00bbAllerweltsart\u00ab, wie die Hain-B\u00e4nderschnecke oder Schnirkelschnecke (<em>Cepaea nemoralis<\/em>), der man in Deutschland \u00fcberall begegnet und die auch in Israel verbreitet ist. Bei extremen Witterungsbedingungen, die man in diesem Fall im Labor simuliert hat, verbarrikadiert sie sich hinter einem atmungsaktiven Kalkverschluss (<em>Epiphragma<\/em>) in ihrem H\u00e4uschen, verf\u00e4llt in eine Art Winterschlaf und \u00fcberlebt so v\u00f6llig regungslos bis zu drei Jahre (!).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-rotated.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"1323\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5924\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-rotated.jpg 713w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-162x300.jpg 162w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-552x1024.jpg 552w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-trans-regnum-600x1113.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">trans:regnum \u2013 Pflanzen ern\u00e4hren sich von anorganischen Stoffen (autotroph) und nutzen Licht als Energiequelle. Tiere ern\u00e4hren sich von organischen Stoffen (heterotroph), also von Pflanzen oder anderen Tieren. So lernt es jeder Sch\u00fcler und so steht es in jedem Biologiebuch. Diese beiden besonderen Tiere halten sich nicht daran. Die wasserlebenden Schnecken <em>Elysia chlorotica<\/em> (oben) und <em>Costasiella kuroshimae<\/em>, das \u00bbBlattschaf\u00ab (unten), verdauen die abgegrasten Algen nicht nur, sondern extrahieren zuvor ihre kleinen Kraftwerke (Chloroplasten), um sich damit eine eigene Solaranlage zu bauen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-small-font-size is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"line-height:1\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellennachweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arad, Z; Mizrahi, T; Goldenberg, S: <em>Natural annual cycle of heat shock protein expression in land snails: desert versus Mediterranean species of Sphincterochila<\/em>. Journal of Experimental Biology 2010; 213(20):3487-3495; doi: 10.1242\/jeb.047670<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cooksey, C: <em>Tyrian purple: The first four thousand years<\/em>. Science Progress 2013; 96(2):171-186; doi: 10.3184\/003685013X13680345111425<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heinemann, P: <em>Die Schnecke, die sich in eine Pflanze verwandelt<\/em>. WELT vom 27.11.2008; aufgerufen am 16.12.2025: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/tierwelt\/article2792756\/Biologie-Die-Schnecke-die-sich-in-eine-Pflanze-verwandelt.html\">https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/tierwelt\/article2792756\/Biologie-Die-Schnecke-die-sich-in-eine-Pflanze-verwandelt.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Purpurpreis<\/em>. (hier kostet 1 Gramm reiner Purpur 3.049,43 \u20ac); aufgerufen am 18.04.2025: <a href=\"https:\/\/www.kremer-pigmente.com\/de\/shop\/pigmente\/36010-purpur-echt.html\">https:\/\/www.kremer-pigmente.com\/de\/shop\/pigmente\/36010-purpur-echt.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rumpho, ME; Pelletreau, KN; Moustafa, A: <em>The making of a photosynthetic animal<\/em>. Journal of Experimental Biology 2011; 214(2):303-311; doi: 10.1242\/jeb.046540<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schifko, G: <em>Zur Kulturgeschichte von Schneckenschalendeckeln (Opercula) aus arch\u00e4ologischer und ethnologischer Sicht<\/em>. Ethnographisch-arch\u00e4ologische Zeitschrift 2004; 45(4):531-537<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shachak, M; Steinberger, Y: <em>An algae \u2014 Desert snail food chain: Energy flow and soil turnover<\/em>. Oecologia 1980; 46:402-411; doi: 10.1007\/BF00346271<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Whitson, M: <em>Cepaea nemoralis (Gastropoda, Helicidae): The Invited Invader<\/em>. Journal of the Kentucky Academy of Science 2005; 66(2):82-88; doi: 10.3101\/1098-7096(2006)66[82:cnghti]2.0.co;2<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-small-font-size is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"line-height:1\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bildnachweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia: Schnecken Titel (Hain-B\u00e4nderschnecke) \/ Mad Max \/\/ Farbpalette von Purpurt\u00f6nen \/ U.Name.Me \/\/ Vielfalt der Purpurschnecken \/ Thesus \/\/ R\u00e4uchermuschel, eine Fl\u00fcgelschnecke \/ w:Louis Charles Kiener \/\/ W\u00fcstenschnecke &#8211; <em>Sphincterochila zonata<\/em> (oben) \/ Wilson44691 \/\/ Blattschnecke &#8211; <em>Elysia chlorotica<\/em> (oben) \/ Patrick Krug \/\/ Blattschnecke &#8211; <em>Costasiella kuroshimae<\/em> (unten) \/ Christian Gloor<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Link zum Buch: <a href=\"https:\/\/www.daniel-verlag.de\/produkt\/wimmelwesen\/?srsltid=AfmBOoo-BnEr34yTfohEm0ArbTWBe9YWoMvMhMtin7a7guVaZAit6FLc\">https:\/\/www.daniel-verlag.de\/produkt\/ wimmelwesen<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5925\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-scaled.jpg 2560w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-300x150.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-768x384.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-1536x768.jpg 1536w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-2048x1024.jpg 2048w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/20-600x300.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schnecken (Gastropoda) bilden eine ganze Klasse des Tierreichs und umfassen etwa 100.<br \/>000 Arten, von denen mindestens siebzig Prozent im Meer leben.<br \/> Obwohl die Vielfalt der[\u2026]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5913,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"remove_blocks_before_content":false,"remove_blocks_after_content":false,"disable_reading_progress_bar":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[69],"tags":[],"class_list":["post-5912","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-swarming-animals"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5912"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5912\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5926,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5912\/revisions\/5926"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}