{"id":6057,"date":"2026-04-22T21:06:48","date_gmt":"2026-04-22T20:06:48","guid":{"rendered":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/?p=6057"},"modified":"2026-06-20T18:41:35","modified_gmt":"2026-06-20T17:41:35","slug":"physarum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/physarum","title":{"rendered":"Physarum polycephalum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Grellgelb, glibberig \u2013 und erstaunlich klug: Ein exotischer Organismus, der in keine Schublade passt, sprengt unser Bild vom \u00bbprimitiven\u00ab Einzeller. Ohne Gehirn, ohne Nerven und doch f\u00e4hig zu lernen, zu entscheiden und komplexe Probleme zu l\u00f6sen, mischt dieses Wechselwesen Biologie, Mathematik und Philosophie auf. Es teilt sich, verschmilzt, wandert, rechnet und verf\u00fcgt \u00fcber ein erstaunliches Repertoire an Krisenstrategien. Was zun\u00e4chst unscheinbar wie ein 08\/15-Einzeller daherkommt, entpuppt sich als Lebensform mit verbl\u00fcffender Intelligenz. Dieser Artikel f\u00fchrt durch seine biographischen Optionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jena, 1874. Am Eichenholzschreibtisch seines Arbeitszimmers in der \u00bbGro\u00dfherzoglich und Herzoglich S\u00e4chsischen Gesamtuniversit\u00e4t zu Jena\u00ab sitzt Professor Dr. Ernst Heinrich Philipp August Haeckel vor einem leeren, wei\u00dfen Zeichenbogen. Begeistert von der Abstammungstheorie Darwins, den er in England pers\u00f6nlich kennengelernt hatte, arbeitet er an einem eigenen Werk, in dem er die Abstammung des Menschen aus dem Tierreich erkl\u00e4ren m\u00f6chte. Als hochbegabter K\u00fcnstler ist er in der Lage, seine Monographie mit exzellenten Illustrationen zu versehen, doch wo soll er seinen Stammbaum beginnen lassen? Was sind die \u00bbGrenzg\u00e4nger\u00ab zwischen Pflanze und Tier \u2013 Lebewesen also, die mindestens ein Kennzeichen der Tiere tragen (wof\u00fcr man z. B. die selbstst\u00e4ndige Fortbewegung hielt), aber ansonsten so primitiv sind, dass sie keinerlei komplexe Strukturen erkennen lassen? Der Professor glaubt mit den <em>Am\u00f6ben<\/em> die richtigen Kandidaten gefunden zu haben. Schon mit einem einfachen Mikroskop kann er beobachten, wie diese kleinen Schleimtropfen langsam durchs Bild wabern, dabei auf verschiedene Reize reagieren und best\u00e4ndig ihre Form \u00e4ndern \u2013 weshalb man sie auch \u00bbWechseltierchen\u00ab nannte. Aus dieser einfachen Ausgangsform musste sich wohl \u00bbh\u00f6heres\u00ab Leben entwickelt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-ur-schleim.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"723\" height=\"823\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-ur-schleim.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6059\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-ur-schleim.jpg 723w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-ur-schleim-264x300.jpg 264w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-ur-schleim-600x683.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 723px) 100vw, 723px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">ur:schleim \u2013 Die Abbildung zeigt Stationen im gemeinsamen Stammbaum aller Lebewesen, wie Ernst Haeckel ihn sich vorstellte. Postuliert wird eine allgemeine H\u00f6herentwicklung \u00bbvon der Am\u00f6be (1) bis Goethe (nicht im Bild)\u00ab.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>wechsel:wesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am\u00f6ben werden bis heute im Reich <em>Protista<\/em> (= Erstlinge) zur Gruppe der <em>Protozoa<\/em> (= Urtierchen) gerechnet und als Vorl\u00e4ufer vielzelliger Lebewesen angesehen. Die Vorstellung, man habe es hier mit primitiven Organismen zu tun, geh\u00f6rt allerdings auf die M\u00fcllhalde der Wissenschaft. Man darf sogar mit Fug und Recht das Gegenteil behaupten: Es sind die leistungsf\u00e4higsten Zellen \u00fcberhaupt! W\u00e4hrend sich in unserem K\u00f6rper 210 verschiedene Zelltypen die Arbeit aufteilen m\u00fcssen, da jede einzelne nur ein paar wenige Funktionen erf\u00fcllt, leistet eine Protisten-Zelle alles allein. Keine unserer K\u00f6rperzellen kann ihre Funktion au\u00dferhalb des K\u00f6rpers aus\u00fcben oder dort auch nur l\u00e4ngere Zeit auf sich gestellt \u00fcberleben. Bei einem Vergleich auf zellul\u00e4rer Ebene, bei Einzellern recht naheliegend, entpuppt sich der Wandelzwerg als Wunderwerk.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von dem britischen Mathematiker Bertrand Russell stammt der Ausspruch: \u00bbEin Prozess, der von der Am\u00f6be zum Menschen gef\u00fchrt hat, schien den Philosophen augenscheinlichen Fortschritt zu bedeuten \u2013 aber ob die Am\u00f6be dieser Auffassung zustimmen w\u00fcrde, ist nicht bekannt.\u00ab Abgesehen von der Frage, ob dieser Prozess \u00fcberhaupt stattgefunden hat, bleibt bei genauerem Hinsehen die Frage, inwiefern eine Am\u00f6be \u00fcberhaupt \u00bbFortschritte machen\u00ab sollte, ebenso offen, da sie hervorragend an ihre Lebensumst\u00e4nde angepasst ist. Tauchen wir ein in den Mikrokosmos und begleiten wir <em>Physarum polycephalum<\/em>, ein \u00bbWechselwesen\u00ab par excellence, das man einfach liebgewinnen muss. Da der Name etwas kompliziert ist, k\u00f6nnen wir ihn hier einfach Pepe nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er begegnet uns als versprengter Einzelk\u00e4mpfer: eine 20-50 Mikrometer lange Am\u00f6be im Wassertropfen unter dem Mikroskop. Auf den ersten Blick sieht man einen flachen Klecks, der st\u00e4ndig in Bewegung ist, wobei gro\u00dfe und kleine, helle und dunkle Bl\u00e4schen und K\u00f6rnchen in seinem Inneren hin und her wimmeln. Eine genauere Beobachtung dieser Vorg\u00e4nge zeigt, dass er \u00fcber die Glasoberfl\u00e4che des Objekttr\u00e4gers <em>flie\u00dft<\/em>. Auf der Seite, wo es vorw\u00e4rts geht, tauchen kleine Beulen auf, die k\u00f6rnige Suppe str\u00f6mt hinein, sie schwellen an wie ein Luftballon, der aufgeblasen wird, und dehnen sich dabei immer weiter nach vorne aus. Gleichzeitig tauchen am anderen Ende Runzeln und Falten auf, w\u00e4hrend sich das \u00bbHinterteil\u00ab abl\u00f6st und nachgezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-rotated.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"775\" height=\"1067\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6060\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-rotated.jpg 775w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-218x300.jpg 218w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-744x1024.jpg 744w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-768x1057.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-flies-fuser-600x826.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 775px) 100vw, 775px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">flie\u00df:f\u00fc\u00dfer \u2013 Das Pulsieren der Vakuole, die flie\u00dfenden Bewegungen der Scheinf\u00fc\u00dfchen und ein durcheinanderwimmelndes Innenleben \u2013 das ist alles, was man an einer Am\u00f6be unter dem Lichtmikroskop beobachten kann. Die gr\u00fcnlichen Vesikel sind aufgenommene Algen, die verdaut werden.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Studium seiner Bewegungsmuster l\u00e4sst erkennen, dass er seine Umgebung systematisch erkundet, Futter sucht und Licht meidet. Die Membran, die ihn umh\u00fcllt, ist n\u00e4mlich nicht einfach nur ein \u00bbSchleimbeutel\u00ab, sondern ein richtiges Multifunktionswerkzeug, dicht besetzt mit verschiedensten Rezeptoren. Einige reagieren auf chemische Signale, dienen damit als Zunge und Nase, weisen den Weg zur Nahrung und warnen vor Gefahr. Andere sprechen auf mechanische Reize an und erm\u00f6glichen so die Wahrnehmung von Druck, Ber\u00fchrung, Str\u00f6mung und Temperatur, w\u00e4hrend wieder andere auf Licht reagieren. Jeder Rezeptor schickt seine Erkenntnisse in Form von Botenstoffen in die Zelle. Da deren Konzentration abnimmt, je weiter sie sich ausbreiten, wird klar, aus welcher Ecke sie kommen. So tragen sie zus\u00e4tzlich eine r\u00e4umliche Information. Zusammengenommen repr\u00e4sentiert das bunte Gemisch der Botenstoffe alle Aspekte der Au\u00dfenwelt, die f\u00fcr eine Am\u00f6be von Bedeutung sind. Auf dieser Grundlage entscheidet sie in einem permanenten \u00bbmolekular-demokratischen\u00ab Abstimmungsprozess \u00fcber die weitere Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>wabbel:wunder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Membran dient neben der Fortbewegung und Wahrnehmung auch als Verdauungssystem. Trifft der wandernde Glibber auf ein Objekt, das er f\u00fcr verwertbar h\u00e4lt, formt er an der Kontaktstelle blitzschnell einen \u00bbMund\u00ab und umflie\u00dft es ringsum mit seinen Pseudopodien (so nennt man die Beulen und Ausbuchtungen im Fachjargon). Sobald diese sich wieder ber\u00fchren, verschmelzen sie miteinander und \u2013 schwupps! \u2013 schwimmt die Beute, z.B. ein Bakterium oder eine kleine Alge, in einem Membranbl\u00e4schen verpackt im Innern der Am\u00f6be. Auf diese Weise hat sich ein kleiner \u00bbMagen\u00ab gebildet, in den nun verschiedene Enzyme eingeschleust werden, die den Inhalt aufl\u00f6sen und die N\u00e4hrstoffe abtransportieren. Bei unbekannter Nahrung wird schon mal etwas l\u00e4nger herumexperimentiert, bis klar ist, wie ihr am besten beizukommen ist. Der Enzym-Mix, der sich als Erfolgsrezept erwiesen hat, wird anschlie\u00dfend auf Vorrat produziert, denn ein H\u00e4ppchen kommt selten allein. Sollte irrt\u00fcmlicherweise einmal etwas ganz und gar Unverdauliches zu Gast gekommen sein, ist das nicht weiter schlimm \u2013 das Bl\u00e4schen wandert einfach wieder an die Innenwand, verschmilzt damit und entl\u00e4sst so den Inhalt wieder nach drau\u00dfen. Das Gleiche passiert auch mit den \u00dcberbleibseln der bek\u00f6mmlichen Nahrung, so dass die Membran als Ausscheidungsorgan fungiert. Mit diesem letzten Schritt im Ern\u00e4hrungsprozess, den man in der Biologie als \u00bbPhagozytose\u00ab bezeichnet, wird das Mund-Magen-Darm-After-Bl\u00e4schen einfach wieder zum Bestandteil der Au\u00dfenh\u00fclle. Nat\u00fcrlich leistet der faltige Hautsack noch viele weitere Dienste. Bestimmte Stoffe werden bedarfsweise in die Zelle hinein- oder aus ihr hinaustransportiert, nach manchen Biomolek\u00fclen wird gezielt geangelt, und auch der Gasaustausch, der f\u00fcr die Atmung notwendig ist, erfolgt durch die Membran.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1307\" height=\"820\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6061\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt.jpg 1307w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt-300x188.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt-1024x642.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt-768x482.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-einge-sackt-600x376.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1307px) 100vw, 1307px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">einge:sackt \u2013 Nahrungsteilchen, wie dieses Bakterium, werden einfach umflossen und eingeschlossen. Die Lysosomen enthalten Verdauungsenzyme und verschmelzen mit dem \u00bbProviantbeutel\u00ab. Die Beute wird zersetzt, die N\u00e4hrstoffe diffundieren ins Endoplasma und die unverdaulichen Reste werden nach au\u00dfen entsorgt, sobald das S\u00e4ckchen sich wieder in die Au\u00dfenwand eingliedert.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Einfang-Trick k\u00f6nnte unser kleiner Freund \u00fcbrigens auch trinken, indem er sich einfach einen Tropfen Fl\u00fcssigkeit ohne Beute einverleibt. Aber das ist selten n\u00f6tig. Im Gegenteil: Da er im S\u00fc\u00dfwasser lebt, aber im Innern sehr \u00bbsalzig\u00ab ist, sickert st\u00e4ndig Wasser von au\u00dfen durch alle Ritzen und Poren in ihn hinein. Er w\u00fcrde aufquellen und platzen, wenn nicht rund um die Uhr seine \u00bbLenzpumpe\u00ab liefe, die man als \u00bbKontraktile Vakuole\u00ab bezeichnet. Ihre rhythmischen Pumpbewegungen kosten ihn viel Energie und sind unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Ein unbedarfter Beobachter k\u00f6nnte diese Struktur daher f\u00fcr das \u00bbHerz\u00ab der Am\u00f6be halten, aber in ihrer Funktion entspricht sie der Niere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:a:m\u00f6benleben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle beschriebenen Abl\u00e4ufe und Systeme sind genial und hochkomplex, dennoch geh\u00f6ren sie, wie viele andere Zellorganellen, von denen noch gar nicht die Rede war, zur Grundausstattung jeder 08\/15-Am\u00f6be, wobei \u00bbAm\u00f6be\u00ab ein Sammelbegriff ist, der die Lebensweise einer sehr vielgestaltigen Gruppe von Einzellern bezeichnet. Manche von ihnen betreiben Photosynthese und suchen das Licht, w\u00e4hrend unser Freund die Dunkelheit bevorzugt. <em>Sie<\/em> k\u00f6nnen auf Phagozytose verzichten, wobei <em>er<\/em> verhungern w\u00fcrde. Einige Arten verstecken sich in Schalen, w\u00e4hrend er, wie die meisten Am\u00f6ben, nackt unterwegs ist. Andere leben im Meer und brauchen dort im Salzwasser keine Kontraktile Vakuole, w\u00e4hrend er platzen w\u00fcrde, wenn sie einmal kurz ausfiele. Wieder andere sind f\u00fcr Tiere und Menschen Parasiten und Krankheitserreger bis hin zur gehirnfressenden Killeram\u00f6be, w\u00e4hrend er niemandem etwas zuleide tut. Dass wir ausgerechnet ihn nun n\u00e4her unter die Lupe nehmen, liegt ganz einfach daran, dass er der Einzige ist, den man bisher im Detail untersucht hat. (Gott allein wei\u00df, was f\u00fcr \u00dcberraschungen die Welt der Mikroorganismen noch f\u00fcr uns bereith\u00e4lt.) Wird <em>Physarum polycephalum<\/em> auf einer feuchten Glas- oder Kunststoffplatte gehalten und mit ausreichend Nahrung versorgt, bietet ihm ein \u00bbWeiter so\u00ab nach \u00bbPlan A\u00ab \u2013 wie \u00bbam\u00f6boider Lebensstil\u00ab alles, was er braucht, um gl\u00fccklich zu sein. Er k\u00f6nnte theoretisch \u00bbewig\u00ab so leben, weil er \u00bbpotentiell unsterblich\u00ab ist. Hat er so viel Nahrung aufgenommen, dass er fast auf das Doppelte seiner Ausgangsgr\u00f6\u00dfe angewachsen ist, kopiert er einfach alle lebenswichtigen Strukturen und Informationen, teilt die Vorr\u00e4te br\u00fcderlich auf, schn\u00fcrt sich in der Mitte ein und teilt sich (wer von den beiden ist denn jetzt \u00bbunser Freund\u00ab?). Bei gutem Futterangebot dauert das Ganze nur wenige Stunden: 2, 4, 6, 8 \u2026 es werden immer mehr. Sie w\u00fcrden die Welt erobern, wenn es \u00fcberall feucht genug w\u00e4re und dort nicht schon so viele andere Wesen wimmelten, die sich zum Teil von Am\u00f6ben ern\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1666\" height=\"765\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6062\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung.jpg 1666w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung-300x138.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung-1024x470.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung-768x353.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung-1536x705.jpg 1536w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S260-Amobe-Teilung-600x276.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1666px) 100vw, 1666px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4sst man sein kleines Refugium austrocknen, kann man beobachten, wie er hektische Umbauarbeiten ausf\u00fchrt und dann zu einem kleinen grauen Knopf zusammenschnurrt. Aber keine Angst \u2013 ihm ist nichts passiert. Er hat nur das Notfallprogramm \u00bbPlan B\u00ab aktiviert, indem er sich in eine kleine Panzerkugel eingeschlossen und alle Aktivit\u00e4ten heruntergefahren hat. In dieser Form, \u00bbZyste\u00ab genannt, ertr\u00e4gt er Trockenheit, Hitze und K\u00e4lte \u00fcber lange Zeit. Gibt man nach einigen Jahren wieder Wasser darauf, dauert es keine halbe Stunde, bis der Panzer aufplatzt, unser kleiner Freund wieder herausflie\u00dft und sich zur vollen Gr\u00f6\u00dfe entfaltet, als w\u00e4re nichts gewesen. Diese \u00dcberlebensstrategie kann er \u00fcbrigens in verschiedenen Situationen anwenden. Auch wenn er das \u00bbGef\u00fchl\u00ab hat, dass man ihn vergiften will oder sich ganz sicher ist, dass es in seinem ganzen Umfeld nichts mehr zu fressen gibt, mauert er sich vorsichtshalber ein und wartet auf bessere Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:c:hancenoptimierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4lt man ihn auf dem Boden eines wassergef\u00fcllten Gef\u00e4\u00dfes, ohne ihm Futter anzubieten, wird er wahrscheinlich zu \u00bbPlan C\u00ab (wie \u00bbChancenoptimierung\u00ab) \u00fcbergehen, einem Aktionsprogramm f\u00fcr Auswanderer und Entdecker. F\u00fcr dieses Vorhaben ist die flie\u00dfende Fortbewegung, bei der es sehr gem\u00e4chlich zugeht und man nur auf Oberfl\u00e4chen vorw\u00e4rtskommt, nicht besonders gut geeignet, weshalb auch hier einige Umbauarbeiten erforderlich sind, um zu einer \u00bbSchwarmzelle\u00ab (Myxoflagellat) zu werden. Zun\u00e4chst wird festgelegt, wo vorn und wo hinten ist. Dann wird am frisch definierten Hinterende ein Au\u00dfenbordmotor aus zwei schnur\u00e4hnlichen Gei\u00dfeln gebaut. Gleichzeitig versammeln sich die wichtigsten Rezeptoren am Kopfende und installieren ein Steuerungssystem. Schlie\u00dflich l\u00f6st unser Freund sich vom Boden ab und startet den Motor. Die langen Gei\u00dfeln treiben ihn auf der Suche nach Nahrung mit synchronisierten Schl\u00e4gen kreuz und quer durch das Becken. Jetzt sollten wir ihn aber auch schnell f\u00fcttern \u2013 so viel Einsatz und Kreativit\u00e4t muss belohnt werden!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"950\" height=\"719\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6063\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat.jpg 950w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat-300x227.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat-768x581.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S261-Myxoflagellat-600x454.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:d:ancing-crowd<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Szenario ist nichts f\u00fcr Pepe, aber f\u00fcr viele andere Am\u00f6benarten. Es wird hier nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber erw\u00e4hnt: Ein Pionier ist als Auswanderer unterwegs und entdeckt ein kleines Paradies \u2013 eine gesch\u00fctzte und reichhaltige Nahrungsquelle. Es spielt keine Rolle, ob er ganz ruhig \u00bbzu Fu\u00df\u00ab angekrochen kommt, ob es ihn als fliegende Spore dorthin verweht oder ob er freischwimmend mit seinem Au\u00dfenborder heranbraust, er wird auf jeden Fall bleiben, rund um die Uhr futtern und sich pr\u00e4chtig vermehren. Auch seine Abk\u00f6mmlinge versp\u00fcren keinen Drang, diesen sch\u00f6nen Ort zu verlassen, und so herrscht schon nach wenigen Tagen \u00dcberbev\u00f6lkerung und die Nahrung geht zur Neige. Durch chemische Botenstoffe, die sie in die Umgebung abgeben, k\u00f6nnen sie sich gegenseitig \u00bbriechen\u00ab und haben eine ziemlich genaue \u00bbVorstellung\u00ab von der aktuellen Besiedlungsdichte im Revier. Wenn sie merken, dass sie \u00bbein starkes Volk\u00ab geworden sind, reagieren sie auf das Versiegen der Futterquelle, indem sie \u00bbPlan D\u00ab ausl\u00f6sen, der einiges an Organisation erfordert, aber daf\u00fcr die Vorteile von Plan B (widerstandsf\u00e4hige Dauerform ohne Bed\u00fcrfnisse) und Plan C (Eroberung neuer Lebensr\u00e4ume) verbindet. Was nun kommt, ist sensationell! Es wurde hundertfach verfilmt, und man sollte es sich unbedingt einmal angeschaut haben. Zun\u00e4chst spielt sich ein \u00bbbasisdemokratischer\u00ab Prozess ab. Da die Signalmolek\u00fcle, mit denen sie kommunizieren, inzwischen bekannt sind, k\u00f6nnen Forscher heute \u00bbzuh\u00f6ren\u00ab (und sogar \u00bbmitreden\u00ab). Die ganze Meute ber\u00e4t sich nun. Wo man sich am dichtesten auf die Pelle r\u00fcckt, ist der Leidensdruck am gr\u00f6\u00dften. Dementsprechend finden sich dort die meisten Bef\u00fcrworter f\u00fcr die Ausf\u00fchrung des gro\u00dfen Plans. Sobald das molekulare Votum zustande kommt, folgt das Signal: Es geht los!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von allen Seiten flie\u00dfen die Am\u00f6ben nun sternf\u00f6rmig in das Zentrum der Bewegung und bilden dort (ohne zu verschmelzen) einen gro\u00dfen, wackelnden Klumpen, der sich immer mehr verdichtet und dann koordiniert in Bewegung kommt. Obwohl es sich um eine Ansammlung gleichartiger und \u00bbgleichberechtigter\u00ab Zellen handelt, bringen sie es fertig, eine \u00bbwandernde Schnecke\u00ab zu formen, die auf der Suche nach einem geeigneten Ort umherkriecht, irgendwann stoppt und sich zu verschiedenen Mustern verformt. Man hat versucht, diese verschiedenen Formen zu systematisieren und zu deuten, was aber bis heute kaum gelungen ist. Jedenfalls hat man den Figuren sch\u00f6ne Namen gegeben: Mexikanerhut, Stahlhelm, Kegel, Finger, Zipfelm\u00fctze und Babuschka. So unterschiedlich das Am\u00f6benballett der \u00bbdancing crowd\u00ab verlaufen kann, das Finale ist immer gleich: Pl\u00f6tzlich ist der Tanz zu Ende und der Haufen streckt sich energisch in die H\u00f6he. Die Kollegen am Boden heften sich fest an und bauen ein stabiles Fundament, diejenigen in der Mitte flie\u00dfen auseinander und bilden einen langen d\u00fcnnen Stiel, w\u00e4hrend die Spitzenreiter alle \u00fcbersch\u00fcssige Fl\u00fcssigkeit abgeben und zu einem runden Ball aus wohlverpackten und winzigen Sporen zusammenschrumpfen. Sp\u00e4ter reicht dann ein leichter Wind aus, um die Sporenkugeln vom vertrockneten Stiel zu wehen und in eine bessere Zukunft zu tragen. Alle Mitarbeiter, die an der Konstruktion von Fundament und Stiel beteiligt waren, haben sich dabei allerdings v\u00f6llig verausgabt. Sie trocknen ein, ohne sich zuvor in Sporen oder Zysten zu verwandeln. Ihr \u00bbselbstloser\u00ab Opfertod erm\u00f6glicht der Mehrzahl des Kollektivs das Weiterleben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1022\" height=\"724\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6064\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett.jpg 1022w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett-300x213.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett-768x544.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-amoben-ballett-600x425.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1022px) 100vw, 1022px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">am\u00f6ben:ballett \u2013 Eine Am\u00f6be, der es sehr gut geht (1) vermehrt sich schnell (2). Doch bald sind die Ressourcen ersch\u00f6pft. Man tut sich zusammen (3), vereinigt sich (4) bildet eine \u00bbMigrationsschnecke\u00ab (5) um einen passenden Platz zu suchen f\u00fcr den Formationstanz (6-7), der in der Bildung einer Sporenkapsel auf einem langen Stiel endet. Wenn eine einzelne Spore (9) in einem passenden Umfeld landet, geht es von vorne los.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:e:heschlie\u00dfung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei guter Versorgung l\u00e4sst sich eine quirlige Am\u00f6benschar ohne weiteres jahrzehntelang in einem Marmeladenglas halten. K\u00f6nnten wir unseren kleinen Freund jetzt aber fragen, was ihm zu seinem Gl\u00fcck fehle, w\u00fcrde er wahrscheinlich antworten, dass die anderen ihn furchtbar langweilen. Sie sind ja praktisch ein Teil von ihm, machen die gleichen Erfahrungen und haben die gleichen \u00bbKenntnisse\u00ab und F\u00e4higkeiten. Man ist eben genetisch identisch und hat sich absolut nichts \u00bbzu erz\u00e4hlen\u00ab. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn man eine Am\u00f6be gleicher Art aus einer anderen Gegend dazusetzt. Sie wird von jedem Bewohner unseres Glases sofort als Exot erkannt. Der erste, der Kontakt zu dem Neuank\u00f6mmling aufnehmen kann, wird sofort \u00bbPlan E\u00ab (wie \u00bbEheschlie\u00dfung\u00ab) ausl\u00f6sen und mit ihm verschmelzen. Es geht also auch andersherum: Aus zwei mach eins. Das Besondere an dieser Variante ist aber, dass hierbei zwei verschiedene Genome miteinander kombiniert werden. Der Zellkern, von dem noch gar nicht die Rede war, der aber als gro\u00dfer, dunkler Fleck das Erste ist, was dem Betrachter ins Auge f\u00e4llt, enth\u00e4lt die DNA, die Erbinformation der Zelle. Bei unserem Freund lag sie bisher als einfacher (haploider) Chromosomensatz vor, aber nach der Verschmelzung r\u00fccken die beiden Zellkerne zusammen \u2013 und pl\u00f6tzlich ist er diploid. Das ist so etwas wie \u00bbErwachsenwerden\u00ab und er\u00f6ffnet ihm ganz neue Perspektiven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:f:ulminates:wachstum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es hat fast den Anschein, als ob er sich dessen bewusst w\u00e4re, dass er im Doppelpack etwas Besseres ist, denn nun tritt eine bemerkenswerte Ver\u00e4nderung ein. Sobald er zu seiner doppelten Gr\u00f6\u00dfe herangewachsen ist, kopiert er wie \u00fcblich den Zellkern. Aber nun wird \u00bbPlan F\u00ab (wie \u00bbfulminantes Wachstum\u00ab) aktiviert. Anstatt sich einzuschn\u00fcren und zu teilen, spaltet er sich nicht mehr auf, sondern bleibt zusammen und wird zu einem \u00bbPlasmodium\u00ab: Eine Riesenzelle entsteht. Sie taucht schon bald aus dem Mikrokosmos auf und erscheint zun\u00e4chst als flache Glibberscheibe, die immer noch sehr mobil ist und st\u00e4ndig weiterw\u00e4chst. Sollte eine Krise eintreten, gibt es auch hier einen Notfallplan (\u00bbF-standby\u00ab), der im ersten Schritt die Aufteilung in kleinere Einheiten und im zweiten Schritt, bei Versch\u00e4rfung der Krise, die Bildung kleiner, trockener Sporenkugeln vorsieht. Beide Schritte k\u00f6nnen kurzfristig wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden, sollte sich die Lage entspannen. Dann flie\u00dfen die Fragmente einfach wieder zusammen und setzen ihr Wachstum gemeinsam fort. W\u00e4hrend er als Am\u00f6be auf einen Wasserfilm angewiesen war und den Wasser\u00fcberschuss im Innern abpumpen musste, braucht er jetzt nur noch eine m\u00e4\u00dfig feuchte Umgebung und muss darauf achten, nicht auszutrocknen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1044\" height=\"785\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6065\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe.jpg 1044w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe-300x226.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe-1024x770.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe-768x577.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-freund-pepe-600x451.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1044px) 100vw, 1044px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">freund:pepe \u2013 <em>Physarum polycephalum<\/em> wird im Text oft als \u00bbunser Freund\u00ab bezeichnet \u2013 der Autor hofft, dass der Leser ihn nach dieser Lekt\u00fcre ebenfalls lieben und achten wird. Auf den ersten Blick scheint er nur gelber Glibber zu sein, doch dann entpuppt er sich als spektakul\u00e4res Multitalent: mehr <em>sein<\/em> als Schleim.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:g:itterschleimpilz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verwandlungskunst erreicht ihren H\u00f6hepunkt, wenn \u00bbPlan G\u00ab (wie \u00bbGitterschleimpilz\u00ab, das ist sein deutscher Name) zum Zug kommt. Wie wir gesehen haben, ist er weder Pilz noch Bakterium, Pflanze oder Tier, sondern eben einer jener zahlreichen Protozoen, die mit der historischen Nomenklatur der guten alten Zeit vorliebnehmen m\u00fcssen, in der man es noch nicht besser wusste. Heute ordnet man ihn innerhalb der \u00dcbergruppe <em>Amoebozoa<\/em> (Am\u00f6bentierchen) der Untergruppe der <em>Myxogastria<\/em> (o. <em>Myxomyceta<\/em>, echte Schleimpilze) zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner auff\u00e4lligen \u00bbSchleimform\u00ab ist er schon lange bekannt: eine grellgelbe, glibberige Masse, die der Volksmund als \u00bbDrachendreck\u00ab bezeichnet. Ein Schleimpilz, oder Myxomycet, ist ein Wesen wie von einem anderen Stern, eine Pendelexistenz zwischen den gro\u00dfen Reichen des Lebens und ein Au\u00dfenseiter der Systematik. Er f\u00e4llt aus der Reihe aller sonstigen Kreaturen heraus: W\u00e4hrend alle anderen gro\u00dfen Organismen aus vielen einzelnen Zellen bestehen, ist er nur eine Zelle. Verglichen mit seiner bisherigen Daseinsweise, nimmt er nun gigantische Ausma\u00dfe an und \u00fcberzieht h\u00e4ufig ganze Baumst\u00fcmpfe. Als eine Arbeitsgruppe f\u00fchrender Myxomyceten-Forscher an der Universit\u00e4t Bonn ihren Chef, den renommierten Zellbiologen Karl Ernst Wohlfahrt-Bottermann, im Jahr 1987 in den Ruhestand verabschiedeten, z\u00fcchteten sie ihm zu Ehren ein 5,54 Quadratmeter gro\u00dfes Physarum-Exemplar in Form eines W, wie \u00bbWohlfahrt\u00ab. Mit diesem Sp\u00e4\u00dfchen schufen sie, nach Ansicht der Redakteure des <em>Guinness Book of Records<\/em>, die (fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig) gr\u00f6\u00dfte Zelle der Welt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"943\" height=\"789\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6066\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck.jpg 943w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck-300x251.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck-768x643.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S264-Drachendreck-600x502.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 943px) 100vw, 943px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:h:artleibig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch erstaunlicher als sein enormes Wachstum ist seine unglaubliche Flexibilit\u00e4t. Man kann ihn komplett zerpfl\u00fccken \u2013 solange in den einzelnen Fetzen noch Zellkerne vorhanden sind, werden sie weiterwachsen und bei Kontakt zu den Nachbarn wieder verschmelzen. Auch zwei \u00bbfremde\u00ab Riesenzellen, die sich begegnen, vereinigen sich sofort, ohne sich vorher n\u00e4her kennengelernt zu haben. Auf diese Weise koexistieren h\u00e4ufig verschiedene Genomvariationen in der gleichen Zelle, erg\u00e4nzen sich und konkurrieren friedlich miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl unser Freund sehr vorsichtig agiert, Licht und W\u00e4rme meidet und sich bei Trockenheit in Spalten und Hohlr\u00e4ume oder sogar unter die Erde zur\u00fcckzieht, kommt es hin und wieder vor, dass sein Standort v\u00f6llig austrocknet. In diesem Fall tritt \u00bbPlan H\u00ab (wie \u00bbhart\u00ab, griechisch: <em>skleros<\/em>) in Kraft. Er presst die Fl\u00fcssigkeit aus sich heraus und wird zu einer blassgelben, schwammigen, knochentrockenen und steinharten Dauerform, Sklerotium genannt. Genau wie die Sporen und Zysten, die uns ja bereits begegnet sind, kann er in diesem Zustand widrigsten Umst\u00e4nden lange Zeit trotzen, um irgendwann wieder zum Leben zu erwachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>plan:i:deal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein h\u00f6chstes biologisches Ziel erreicht er bei guter Ern\u00e4hrungs- und Wachstumssituation, wenn er \u00bbPlan I\u00ab (wie \u00bbIdeal\u00ab) in die Tat umsetzen kann. Dann bildet er an seiner Oberfl\u00e4che lauter kugelige Fruchtk\u00f6rper aus, die sich auf langen Stielen in die H\u00f6he recken. Im Inneren dieser Kugeln vollziehen die Zellkerne nun eine \u00bbReifeteilung\u00ab (Meiose), bei der sich ihr Chromosomensatz wieder halbiert. Beide H\u00e4lften werden jeweils mit dem n\u00f6tigsten Proviant zusammen in kleine K\u00fcgelchen verpackt und abgeschn\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1585\" height=\"821\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6067\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium.jpg 1585w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium-300x155.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium-1024x530.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium-768x398.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium-1536x796.jpg 1536w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S265-Sporangium-600x311.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1585px) 100vw, 1585px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach kurzer Zeit ist so ein Sporangium entstanden, ein dunkelbrauner Sporenbeh\u00e4lter, der tausende von kleinen, trockenen, haploiden Sporen enth\u00e4lt, die vom Wind davongetragen werden. Landen sie sp\u00e4ter in einer feuchten Umgebung, f\u00fchren sie \u00bbPlan J\u00ab \u2013 \u00bbjanz von vorn\u00ab aus, indem sie eine kleine, nackte Am\u00f6be entlassen \u2013 und der Kreis schlie\u00dft sich mit der R\u00fcckkehr zu \u00bbPlan A\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"789\" height=\"772\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-lebens-kunstler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6068\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-lebens-kunstler.jpg 789w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-lebens-kunstler-300x294.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-lebens-kunstler-768x751.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-lebens-kunstler-600x587.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">lebens:k\u00fcnstler \u2013 Die \u00dcbersicht zeigt den Lebenszyklus von Pepe mit seinen vielf\u00e4ltigen Optionen \u2013 entsprechend gekennzeichnet mit den Buchstaben A-J, die im Text verwendet werden. Im inneren Kreis befinden sich die Notfalloptionen (Eintrocknen zur Spore oder zum Sklerotium). Die farbliche Zweiteilung unterscheidet zwischen den Lebensphasen mit einfachem Chromosomensatz (haploid) und doppeltem Chromosomensatz (diploid).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>porridge:fan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber zur\u00fcck zu seiner greifbaren und optisch pr\u00e4senten Form: Ein reifer und voll ausgewachsener Gitterschleimpilz wirkt in Zeitrafferaufnahmen wie ein raffinierter J\u00e4ger, der sich zum Beispiel auf ausgewachsene St\u00e4nderpilze st\u00fcrzt, sie zu Fall bringt, von allen Seiten \u00fcberzieht und komplett in seinem vibrierenden Corpus verschwinden l\u00e4sst. Wenn er sich \u00fcber vermoderndes Holz hermacht, arbeitet er sich tastend vor und entwickelt eine effiziente Strategie zur Erschlie\u00dfung dieser Nahrungsquelle. So wie im Untertagebau eine Sohle ausgebeutet wird, indem man ein Gitternetz aus Strecken ins Kohlefl\u00f6z treibt und die Zwischenr\u00e4ume dann \u00bbStreb f\u00fcr Streb\u00ab systematisch abbaut, breitet sich unser Freund in einer gitterf\u00f6rmigen R\u00f6hrenstruktur aus, um dann die lohnendsten Zwischenr\u00e4ume zuerst zu \u00fcberdecken und \u00bbabzuweiden\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er verh\u00e4lt sich au\u00dferdem erstaunlich gesundheitsbewusst und achtet auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung. In seinem Fall enth\u00e4lt das ideale Futter 2\/3 Kohlenhydrate und 1\/3 Proteine. Die Franz\u00f6sin Audrey Dussutour, die sich schon vor vielen Jahren in <em>P. polycephalum<\/em> verliebt hat, platzierte ihn immer wieder in der Mitte eines Kreises aus 11 verschiedenen Futterst\u00fcckchen, quer durch die franz\u00f6sische Fauna, Flora und K\u00fcche. Sobald er die Diffusionsspuren des Buffets in dem Agargel seines Untergrunds \u00bbgeschmeckt\u00ab hatte, machte er sich zielsicher als erstes \u00fcber die Portion her, die seinem Ern\u00e4hrungsideal am ehesten entsprach. Man fand heraus, dass Haferflocken die perfekte Nahrung f\u00fcr Pepe sind und er im Prinzip nichts anderes braucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"814\" height=\"820\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6069\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker.jpg 814w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker-298x300.jpg 298w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker-150x150.jpg 150w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker-768x774.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker-600x604.jpg 600w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-fein-schmecker-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">fein:schmecker \u2013 Zielsicher st\u00fcrzt sich Pepe, den man in die Mitte dieser Petrischale gesetzt hatte, auf die Nahrungsportion mit dem 2:1 Verh\u00e4ltnis von Kohlenhydrat \/ Protein. Die anderen zehn Angebote interessieren ihn erstmal nicht (nach Dussutour).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>iq:test<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach moderner Auffassung entsteht das kognitive Potential, das wir als \u00bbIntelligenz\u00ab bezeichnen, durch das Zusammenspiel hochspezialisierter Zellen, die in \u00bbneuronalen Netzen\u00ab miteinander verschaltet sind. Im gleichf\u00f6rmigen Plasmodium-Brei von Physarum gibt es weder Nerven noch Schaltnetz. Trotzdem ist er in der Lage, sich als Ganzes koordiniert fortzubewegen und mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Zentimeter pro Stunde auf ein Ziel zuzuflie\u00dfen. Er hinterl\u00e4sst hierbei eine zarte Spur spezieller Glykoproteine. Wenn er auf seine eigene Spur st\u00f6\u00dft, wei\u00df er, dass er dort bereits gewesen ist. Auf diese Weise kann er eine neue Umgebung in einem optimalen Laufmuster erkunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber l\u00e4sst sich wirklich sagen, dass Physarum intelligent ist? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, weil Intelligenz keine allgemeing\u00fcltig definierte Gr\u00f6\u00dfe ist. \u00dcblicherweise wird sie durch verschiedene Tests bestimmt, die meistens mit Probleml\u00f6sungen zu tun haben \u2013 und gerade das ist seine Spezialit\u00e4t, bei der er mehr Punkte holt als die \u00bbh\u00f6chstentwickelten Tiere\u00ab!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Labyrinth-Versuche sind ein klassisches Instrument der Verhaltensforschung. Japanische Forscher fanden im Jahr 2000 heraus, dass unser Freund mit absoluter Sicherheit den k\u00fcrzesten Weg findet, wenn man ihn mit Haferflocken anlockt, die er f\u00fcr sein Leben gerne futtert. F\u00fcr eine 14 cm lange Strecke im 25 Quadratzentimeter gro\u00dfen Irrgarten braucht er vier Stunden, um die richtige L\u00f6sung zu finden. Das erscheint zun\u00e4chst ziemlich langwierig. Bezieht man allerdings seine maximale Fortbewegungsgeschwindigkeit im Verh\u00e4ltnis zur Gr\u00f6\u00dfe des Labyrinths mit ein, so l\u00f6st er die Aufgabe deutlich schneller als beispielsweise eine Ratte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"723\" height=\"1545\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6070\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-rotated.jpg 723w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-140x300.jpg 140w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-479x1024.jpg 479w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-719x1536.jpg 719w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-S267-Labyrinth-600x1282.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 723px) 100vw, 723px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Versuchstyp, den man als \u00bbUmwegs-Experiment\u00ab bezeichnet, scheint viel einfacher l\u00f6sbar zu sein als ein verworrenes Labyrinth. Eine typische Versuchsanordnung f\u00fcr Physarum sieht so aus, dass er in der Rundung einer U-f\u00f6rmigen Barriere sitzt, w\u00e4hrend seine Lieblingsspeise sich auf der anderen Seite, direkt \u00bbvor seiner Nase\u00ab befindet. Er kann sie wahrnehmen, aber nicht direkt erreichen. Die L\u00f6sung hei\u00dft nat\u00fcrlich: zuerst raus aus der \u00d6ffnung des \u00bbU\u00ab, dann einmal au\u00dfenherum und \u00bbran an den Speck\u00ab. Der Clou ist, dass er sich dabei zun\u00e4chst von dem verf\u00fchrerischen Reiz wegbewegen muss, um auf einem Umweg dorthin zu gelangen. Es ist eigentlich unfassbar, dass ein Organismus diese Strategie ohne \u00bbEinsicht\u00ab und \u00bbr\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen\u00ab w\u00e4hlt. Doch w\u00e4hrend zum Beispiel unsere vierbeinigen Familienangeh\u00f6rigen mit derartigen Aufgabenstellungen schnell \u00fcberfordert sind, meistens nur frustriert knurren und am Maschendraht hochspringen, hat unser schleimiger Freund hier nicht das geringste Problem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>pfad:finder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wahres \u00abRechen-Genie\u00ab erweist er sich bei der L\u00f6sung eines Aufgabentyps, der in der Mathematik als \u00bbProblem des Handlungsreisenden \/ Travelling Salesman Problem \/ TSP\u00ab behandelt wird. Dabei m\u00fcssen verschiedene Punkte mit der kleinstm\u00f6glichen Strecke verbunden werden, eben wie ein Handelsvertreter, der verschiedene St\u00e4dte bereisen muss und daf\u00fcr die optimale Route herausfinden m\u00f6chte. Obwohl es sich um eine mathematisch h\u00f6chst anspruchsvolle Kalkulation handelt, die massiven Rechenaufwand erfordert, gibt es Materialien, die es in seiner einfachsten Form l\u00f6sen k\u00f6nnen, ohne dass man sie deswegen f\u00fcr intelligent halten w\u00fcrde. Man kann beispielsweise die Karte einfach auf ein Holzbrett heften, in jede Zielstadt einen Nagel einschlagen und das Ganze umgedreht in eine Wanne mit Seifenlauge eintauchen. Hat man sich geschickt genug angestellt, sind die N\u00e4gel nach dem Herausheben mit einem Seifenblasen-Band verbunden, das die perfekte L\u00f6sung darstellt. Hier haben wir es mit einem chemisch-physikalisch erkl\u00e4rbaren Vorgang zu tun, der sich aus den Eigenschaften einer Seifenblase ergibt. Das hat allerdings wenig mit der Art und Weise gemein, wie unser Freund derartige Aufgaben l\u00f6st. Der japanische Physarum-Spezialist Toshiyuki Nakagaki lie\u00df ihn im Jahr 2010 die Stationen des Schienennetzes im Gro\u00dfraum Tokio, einem Ballungsgebiet, in dem 38 Millionen Menschen leben, verbinden. Die Stationen sind durch Stapel von Haferflocken dargestellt (je h\u00f6her das Passagieraufkommen, desto mehr gibt es zu holen). Au\u00dferdem ist der Kunststoffplatte, auf der er sich ausbreiten sollte, eine \u00bbLichtkarte\u00ab unterlegt. Gut passierbare Areale sind darin abgedunkelt, Berge, Schluchten, Fl\u00fcsse, offene Wasserfl\u00e4chen und andere Hindernisse dagegen strahlen umso heller, je schwerer sie verkehrstechnisch zu erschlie\u00dfen sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1160\" height=\"832\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6071\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker.jpg 1160w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker-300x215.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker-1024x734.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker-768x551.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-netz-werker-600x430.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1160px) 100vw, 1160px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">netz:werker \u2013 Der L\u00f6sungsvorschlag f\u00fcr die schienenverkehrstechnische Vernetzung von Tokio, den Pepe in 26 Stunden optimierte, ist dem aktuell bestehenden Netzwerk in mehrfacher Hinsicht \u00fcberlegen. Die unterlegte \u00bbLichtkarte\u00ab bewirkt, dass die strahlend wei\u00dfen Bereiche (Meer, Berge) gemieden werden (nach Tero et. al.).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis \u00fcbertraf alle Erwartungen. Obwohl es sich nicht mit dem tats\u00e4chlich existierenden und ingenieursm\u00e4\u00dfig optimierten Schienennetz deckte, war es in allen Bewertungskategorien genauso gut oder besser als dieses. Besonders pfiffig sind seine \u00bbBypass-L\u00f6sungen\u00ab f\u00fcr die h\u00f6chstfrequentierten Streckenabschnitte. Heute ist es leider zu sp\u00e4t, sie in die Praxis umzusetzen, das Gebiet ist inzwischen dicht bebaut, aber h\u00e4tte man unseren Freund vor f\u00fcnfzig Jahren schon nach seiner Meinung gefragt, w\u00e4re tats\u00e4chlich eine bessere Verkehrsplanung m\u00f6glich gewesen. Bleibt zu erw\u00e4hnen, dass die Verkehrsbetriebe in Tokio eine eigene L\u00f6sung gefunden haben, die etwas weniger elegant anmutet: Bahnmitarbeiter, die als \u00bbOshiya\u00ab (= Dr\u00fccker) bezeichnet werden, schieben und pressen die Passagiere von au\u00dfen in die \u00fcberf\u00fcllten Wagen hinein, damit sich die T\u00fcren schlie\u00dfen und die Fahrgastwechselzeiten m\u00f6glichst kurz gehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-nach-macher.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"747\" height=\"721\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-nach-macher.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6072\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-nach-macher.jpg 747w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-nach-macher-300x290.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-nach-macher-600x579.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">nach:macher \u2013 In der Praxis l\u00e4sst sich ein Computer viel einfacher handhaben als eine Physarum-Kultur. Indem man Pepes L\u00f6sungsstrategie analysieren und die zugrundeliegenden Algorithmen extrahieren konnte, gelang die \u00dcbertragung von \u00bbin vivo\u00ab auf \u00bbin silicio\u00ab. Weil die Parameter im Programm genauer angepasst werden konnten, lie\u00df sich das Endergebnis sogar noch weiter verbessern. Hier hat ein Gro\u00dfrechner in fast 30.000 aufwendigen Neuberechnungen das U-Bahn-Netz von Tokio perfektioniert.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem ermutigenden Experiment sind tausende \u00e4hnlicher Probleme durch das gelbe Schleimgitter perfekt gel\u00f6st worden. Ob es um Stra\u00dfen- oder Schienennetze, Kabelf\u00fchrungen, Leiterplatten oder Rohrsysteme geht, die Ingenieure beginnen gerade erst das Potential der \u00bbSchleimoptimierung\u00ab zu entdecken. Kernkompetenz von Physarum ist die \u00bbMultidimensionale Optimierung\u00ab. Seinen \u00bbInput\u00ab bekommt er \u00fcber Licht, K\u00e4lte, Hitze, Trockenheit, Salz, Vibration, die er scheut, und Haferflocken, Dunkelheit, Raumtemperatur, Feuchtigkeit und Ruhe, die er liebt. Dar\u00fcber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Verlockungen (Attraktoren) und Abschreckungen (Repelloren), die gerade erst untersucht werden. Sobald der Einfluss dieser Faktoren im Experiment festgestellt ist, k\u00f6nnen sie eingesetzt werden, um das Resultat zu beeinflussen. Die Riesenzelle wird zum \u00bbMolekular-Computer\u00ab. Statt Elektronenst\u00f6\u00dfe, die in Halbleitern interagieren, liefert hier ein fein abgestimmter Mix aus Milliarden von Signalmolek\u00fclen, die in r\u00e4umlich strukturierten Gradienten durch das Zellinnere diffundieren, ein hochaufgel\u00f6stes Rechenergebnis. Dabei ist die Koordination des Prozesses immer noch ein gro\u00dfes R\u00e4tsel, denn wie sein Artname <em>polycephalum<\/em> \u2013 \u00bbder Vielk\u00f6pfige\u00ab \u2013 schon andeutet, gibt es darin kein Zentrum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ent:schlossen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders spannend sind Situationen, in denen sich zeigt, dass seine Reaktionen nicht \u00bbfest verdrahtet\u00ab sind, sondern eine gewisse Flexibilit\u00e4t erkennbar ist. Wird der erkundungsfreudige Pionier in die Mitte einer Petrischale gesetzt und mit einem Ring aus Salz umgeben, passiert Folgendes: Ausl\u00e4ufer breiten sich in jede Richtung aus und sto\u00dfen \u00fcberall auf das Salz, wor\u00fcber er nur sehr ungerne l\u00e4uft, weil er dabei viel Fl\u00fcssigkeit verliert. Er \u00bberkennt\u00ab, dass er eingeschlossen ist und zieht sich f\u00fcr einen Moment wieder in die Mitte zur\u00fcck, als m\u00fcsste er seine Lage \u00fcberdenken. Wenn die Abneigung gegen das Salz als absolute Regel \u00bbeinprogrammiert\u00ab w\u00e4re, m\u00fcsste er nun verhungern oder zumindest \u00bbPlan H\u00ab aktivieren. Tats\u00e4chlich sieht es aber so aus, dass er sich irgendwann \u00bbein Herz fasst\u00ab und todesmutig mit h\u00f6chstem Tempo und so schmal wie m\u00f6glich \u00fcber die Barriere hinwegflie\u00dft. Was geschieht hier? Wie und wo f\u00e4llt diese Entscheidung? Diese Fragen sind bis heute offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>takt:voll<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was \u00bbdem Fass den Boden ausschl\u00e4gt\u00ab ist der Befund, dass unser Freund ganz offensichtlich ein Zeitgef\u00fchl hat. In einem bemerkenswerten Experiment wurde ihm eine Stunde lang kontinuierlich Futter zugef\u00fchrt. Dann wurde die Futterzufuhr f\u00fcr 5 Minuten ausgesetzt, nach einer weiteren Stunde noch einmal f\u00fcr 5 Minuten. Nach Ablauf der dritten Stunde hatte er bereits gelernt, dass in den entsprechenden 5 Minuten kein Futter zu holen ist und streckte sich erst gar nicht mehr danach aus. Auch als nach der vierten Stunde wieder durchgehend Futter angeboten wurde, hielt er sich in diesen 5 Minuten (beleidigt?) zur\u00fcck. Erst nach zwei weiteren Stunden war die \u00bbErinnerung\u00ab verblasst, und er griff wieder kontinuierlich zu. Man hat das Experiment auch mit negativen Reizen ausprobiert, in dem man in einem bestimmten Zeitschema ein Gebl\u00e4se dazugeschaltet hat. Luftzug mag Pepe gar nicht. Er merkt sich, wann der F\u00f6n l\u00e4uft, und verzichtet dann schon vorher, sich nach den Haferflocken auszustrecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wirft nat\u00fcrlich eine Unzahl von Fragen auf: Woher wei\u00df er, wann 60 Minuten vergangen sind? Wo tickt die Uhr? Wie \u00bberinnert\u00ab sich eine einzelne Zelle? Bei allen Experimenten, in denen Physarum etwas lernt, konnte au\u00dferdem gezeigt werden, dass die neu gewonnene Information bei der Vereinigung zweier Zellen auf den Gesamtkomplex \u00fcbertragen wird. Der Organismus kann daher bedarfsweise kleine mobile Satelliten abschn\u00fcren und auf Erkundungsreise schicken. Bei ihrer R\u00fcckkehr verschmelzen diese Scouts wieder mit der Basis und reichen die neugewonnenen Erkenntnisse bis in die letzten Ecken der Riesenzelle durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>captain:future<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als letztes Highlight w\u00e4re noch zu erw\u00e4hnen, dass unser Freund das erste Lebewesen ist, das dadurch geadelt wird, dass seine \u00bbRechenleistung\u00ab unmittelbar in technischen Konstruktionen integriert wird. In den Forschungslaboren der Universit\u00e4t von K\u014dbe (Japan) und Southampton (GB) lenkt er fahrende und krabbelnde Roboter. Man l\u00e4sst ihn hierzu auf einer Platine wachsen, die seine Reaktionen auf Umweltreize als \u00c4nderung des elektrischen Widerstands misst und daraus die Steuerbefehle errechnet. Obwohl er als Makro-Organismus ja einen eher schwerf\u00e4lligen Eindruck macht, arbeitet er als molekulare Rechenmaschine blitzschnell und liefert Echtzeit-Signale verz\u00f6gerungs\u00e4rmer, als ein Mikroprozessor es ohne seine Hilfe k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derartige bio-elektronische Steuerungen gelten bereits als hoffnungsvolle Kandidaten f\u00fcr die Weltraumtechnik. Neben ihrer enormen Datenverarbeitungskapazit\u00e4t qualifizieren sie sich durch einige weitere Eigenschaften: Sie sind nicht nur in der Lage, sich selbst zu kontrollieren, sondern k\u00f6nnen sich auch selbst <em>reparieren<\/em> und bedarfs weise <em>neu konfigurieren<\/em>. Au\u00dferdem scheint es m\u00f6glich, auf kleinstem Raum geschlossene Stoffkreisl\u00e4ufe mit hocheffektiver Nutzung von Solarenergie und nahezu hundertprozentigem Materialrecycling zu installieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-rotated.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"857\" height=\"1300\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-rotated.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6073\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-rotated.jpg 857w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-198x300.jpg 198w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-675x1024.jpg 675w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-768x1165.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/HP-pe-pilot-600x910.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 857px) 100vw, 857px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">pep:ilot \u2013 So sieht der \u00bbBiochip\u00ab aus, in dem Pepe die Steuerung \u00fcbernimmt. Er sitzt auf einer d\u00fcnnen Gelschicht (Agar, hellblau), mit der die Platine (gr\u00fcn) \u00fcberzogen ist, aus der ihn ein Kreis goldbeschichteter Elektroden umgibt. Das Ganze ist in eine Kammer aus Polymethylsiloxan (PDMS, blau) eingeschlossen und zur optischen Kontrolle mit einer durchsichtigen Scheibe aus Polymethacrylat (PMMA, grau) \u00fcberdeckt. So k\u00f6nnen seine Bewegungen analysiert werden (nach Sun et al.). Die Konstruktion darunter ist kein \u00bbRoboter\u00ab im eigentlichen Sinn, sondern ein Gef\u00e4hrt, das von Pepe gesteuert wird (nach Gough et al.).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede biologische Fachrichtung forscht an typischen Modellorganismen: Bakteriologen kultivieren E. coli, Zellbiologen B\u00e4ckerhefe, Genetiker manipulieren Fruchtfliegen und M\u00e4use, Entwicklungsbiologen forschen am Fadenwurm, Embryologen studieren die Entwicklung von Krallenfr\u00f6schen, H\u00fchnern und Zebrab\u00e4rblingen, Pharmakologen testen Substanzen an Ratten und Meerschweinchen und so weiter \u2026 \u2013 Physarum mausert sich zum Lieblingsspielzeug von Zellbiologen, Bioinformatikern, Netzwerkingenieuren, Verhaltens- und Kognitionsforschern, die h\u00e4ufig ein bedauerndes Kopfsch\u00fctteln ernten, wenn sie sich zu ihrem Forschungsobjekt \u00bbSchleimpilz\u00ab bekennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die \u00d6ffentlichkeit betrifft, f\u00fchrt er bisher noch ein Schattendasein. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood ihn f\u00fcr sich entdeckt und als liebenswertes Haustier, vielk\u00f6pfigen Super-Agenten oder mutierten Monster-Schleim \u00fcber die Leinwand flie\u00dfen l\u00e4sst. In den Biowissenschaften wird heute mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass exzellente Kompetenzen, deren Entstehung in einer langen evolution\u00e4ren Entwicklung vermutet werden, schon ganz zu Beginn dieses Szenarios zu finden sind. Wer allerdings einen Eindruck der unendlichen Weisheit von Jesus Christus, dem \u00bbUrheber des Lebens\u00ab (Apg 3,15) bekommen hat, ist keinesfalls \u00fcberrascht. \u00bbWunderbar sind deine Werke, und meine Seele wei\u00df es sehr wohl!\u00ab (Ps 139,14).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-small-font-size is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"line-height:1\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellennachweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Baumann, K; Nowotny, W, Neubert, H: <em>Die Myxomyceten<\/em> (Bd. 2), Gomaringen (Karlheinz Baumann) 1995<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bierens de Haan, JA: <em>Labyrinth und Umweg<\/em>. <em>Ein Kapitel aus der Tierpsychologie<\/em>. Leiden (E. J. Brill) 1937<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dussutour, A; Latty, T; Beekman, M: <em>Amoeboid organism solves complex nutritional challenges<\/em>. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 2010; 107(10):4607-4611; doi: 10.1073\/pnas.0912198107<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gough, J; Jones, G; Lovell, C: <em>Integration of Cellular Biological Structures into Robotic Systems<\/em>. Acta Futura 2009; 3:43-49; doi: 10.2420\/AF03.2008.36<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hejnowicz, Z; Wohlfarth-Bottermann, KE: <em>Propagated waves induced by gradients of physiological factors within plasmodia of Physarum polycephalum<\/em>. Planta 1980; 150:144-152.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00fclsmann, N; Radek, R: <em>Einzeller des Jahres 2021: Physarum polycephalum &#8211; der Schleimpilz<\/em>. Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Protozoologie (DGP); Flyer: <a href=\"https:\/\/www.protozoologie.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/PhysarumFlyerfinaldeutsch.pdf\">https:\/\/www.protozoologie.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/PhysarumFlyerfinaldeutsch.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jabr, F: <em>How Brainless Slime Molds Redefine Intelligence<\/em>. Scientific American 2012. <a href=\"https:\/\/www.scientificamerican.com\/article\/brainless-slime-molds\">https:\/\/www.scientificamerican.com\/article\/brainless-slime-molds<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nakagaki, T; Yamada, T; T\u00f3th, \u00c1: <em>Intelligence: Maze-solving by an amoeboid organism<\/em>. Nature 2000; 407:470; <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v407\/n6803\/abs\/407470a0.html\">http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v407\/n6803\/abs\/407470a0.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reid, CR; Beekman, M; Latty, T: <em>Amoeboid organism uses extracellular secretions to make smart foraging decisions<\/em>. Behavioral Ecology 2013; 24(4):812-818; doi: 10.1093\/beheco\/art032<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reid, CR: <em>Thoughts from the forest floor: a review of cognition in the slime mould Physarum polycephalum<\/em>. Animal Cognition 2023; 26:1783-1797; doi: 10.1007\/s10071-023-01782-1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Revilla, FD; Zauner, KP; Morgan, H: <em>Physarum polycephalum on a chip<\/em>. Proceedings of \u03bcTAS 2007; 2:1089-1091.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richter, W: <em>Alter Schleimer<\/em>. ZEIT Wissen 01\/2007; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2007\/01\/Schleimpilze\">http:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2007\/01\/Schleimpilze<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russell, B: <em>Our Knowledge of the External World<\/em> (S. 12). London, GB (George Allen &#038; Unwin Ltd.) 2014; Zitat \u201eA process which led from the amoeba to man appeared to the philosophers to be obviously a progress \u2013 though whether the amoeba would agree with this opinion is not known.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sun, T; Tsuda, S; Zauner, KP: <em>On-chip impedance tomography for imaging biological cells<\/em>. Biosensors and Bioelectronics 2010; 25:1109-1115; doi: 10.1016\/j.bios.2009.09.036<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tero, A; Takagi, S; Nakagaki, T: <em>Rules for Biologically Inspired Adaptive Network Design<\/em>. Science 2010; 327(5964):439-442; doi: 10.1126\/science.1177894<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tsuda, S; Zauner, KP; Gunji, YP: <em>Robot Control with Biological Cells<\/em>. Proceedings of Sixth International Workshop on Information Processing in Cells and Tissues 2005; 202-216; <a href=\"https:\/\/eprints.soton.ac.uk\/263582\/\">https:\/\/eprints.soton.ac.uk\/263582\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vogel, D; Dussutour, A: <em>Direct transfer of learned behaviour via cell fusion in non-neural organisms<\/em>. Proceedings of Royal Society B 2016; 283:20162382; doi: 10.1098\/rspb.2016.2382<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-small-font-size is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"line-height:1\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bildnachweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia: Schema zur Phagozytose der Am\u00f6be \/ Miklos<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">andere Lizenzen: KI-Bild: Titelgrafik f\u00fcr Extras mit vier Themenbildern \/\/ Physarum Titel (Gitterschleimpilz auf Baumstumpf) \/shutterstock_ID_2705798935 \/ Dan Gabriel Atanasie \/\/ Am\u00f6be im Lichtmikroskop \/shutterstock_ID_101601943 \/ Lebendkulturen.de \/\/ Physarum Jugendstadium \/shutterstock_ID_2447570757 \/ PRIYA S.NAIR NATURE \/\/ Gitterschleimpilz auf Moospolster \/ Daniel vom Stein \/\/ Sporangium vom Gitterschleimpilz \/shutterstock_ID_2667719865 \/ Lukas Jonaitis<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Link zum Buch: <a href=\"https:\/\/www.daniel-verlag.de\/produkt\/wimmelwesen\/?srsltid=AfmBOoo-BnEr34yTfohEm0ArbTWBe9YWoMvMhMtin7a7guVaZAit6FLc\">https:\/\/www.daniel-verlag.de\/produkt\/ wimmelwesen<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><a href=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6074\" srcset=\"https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-scaled.jpg 2560w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-300x150.jpg 300w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-768x384.jpg 768w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-1536x768.jpg 1536w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-2048x1024.jpg 2048w, https:\/\/parquediscovery.pt\/wp-content\/uploads\/29-600x300.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grellgelb, glibberig \u2013 und erstaunlich klug: Ein exotischer Organismus, der in keine Schublade passt, sprengt unser Bild vom \u00bbprimitiven\u00ab Einzeller.<br \/> Ohne Gehirn, ohne Nerven und[\u2026]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6058,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"remove_blocks_before_content":false,"remove_blocks_after_content":false,"disable_reading_progress_bar":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[69],"tags":[],"class_list":["post-6057","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-swarming-animals"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6057"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6057\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6136,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6057\/revisions\/6136"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/parquediscovery.pt\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}