Allein die Erwähnung von Flöhen löst bei vielen Menschen Juckreiz und unwillkürliche Kratzbewegungen aus. Diese kleinen Quälgeister waren als Kulturfolger des Menschen bis in die Neuzeit hinein seine anhänglichen und fast allgegenwärtigen Begleiter.
Die Familie der Flöhe (Siphonaptera) umfasst zwar etwa 2.400 Arten und wird in sechs Familien unterteilt, aber sie variieren nur geringfügig. Allesamt sind sie Parasiten, die andere Tiere oder Menschen schädigen, indem sie mit ihren beißend-stechenden Mundwerkzeugen in deren Haut eindringen und Blut saugen. Ihre Anpassung besteht hauptsächlich darin, dass sie sich auf die Lebensweise und Körper ihrer Opfer einstellen. Oberflächenstruktur, Behaarung, geeignete Körperregionen und deren Temperatur und Feuchtigkeit, Hautbeschaffenheit, Aktivitätsmuster und Abwehrverhalten – auf diese »Umweltbedingungen« optimieren sich Flöhe.
Sie passen sich ihren Ernährern so gut an, dass die meisten in hohem Maß »wirtsspezifisch« sind und danach benannt und unterschieden werden können: Zeig mir, wen du stichst, und ich sag dir, wer du bist. In vielen Fällen ist deswegen nicht nur der deutsche, sondern auch der taxonomische Name eine Kombination aus »Wirt + Floh«. So gibt es dann zum Beispiel den Igelfloh, Hundefloh, Katzenfloh, Kaninchenfloh, Taubenfloh, Hühnerfloh, Dachsfloh, Maulwurfsfloh – und so weiter.

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Da es den Flöhen nur gut geht, wenn ihr Wirt gesund ist, schädigen sie ihn mit ihrer Beißerei nicht übermäßig, sodass sie als Parasiten der Nutz- und Haustiere nur von untergeordneter Bedeutung sind. Für die meisten Floharten hat sich deswegen bis vor zweihundert Jahren niemand interessiert. Nur den Menschenfloh (Pulex irritans) konnte man nicht ignorieren. Flöhe nerven, wie ihr Beiname irritans (= reizend, lästig, ärgerlich) auch ausdrückt. Eine ganz ähnliche Bedeutung trägt sein hebräischer Name par’osch (1Sam 24,15; 26,20), der sich von para (verachtet, verworfen) und asch (kleiner Schädling) ableiten lässt. Das Wort kommt auch als Männername »Parhosch« (Esr 2,3; 8,3; 10,25; Neh 3,25; 7,8; 10,15) vor. Man wüsste sicher gerne mehr darüber, wie es dazu kam, und ob die »Söhne Parhoschs« mit der Bedeutung »Flohsamen« glücklich waren …

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In den zwei Versen, wo der Floh uns in der Bibel begegnet, steht er genau für das, was sein Name aussagt – etwas sehr Kleines, Verachtetes. Zweimal hatte David, der bereits zum zukünftigen König Israels bestimmt und gesalbt worden war (1Sam 16), die Gelegenheit, König Saul, der ihn hartnäckig verfolgte, mit Leichtigkeit zu töten. David sieht davon ab, verschont Sauls Leben und tritt ihm danach sehr demütig gegenüber. Beide Male bezeichnet er sich in dieser Szene selbst als Floh: »Hinter wem jagst du denn her? Der König von Israel jagt einen toten Hund, ja einen einzigen Floh!« (1Sam 24,15 GN) und »Der König Israels zieht aus, um einen Floh zu fangen!« (1Sam 26,20 GN).

Auch wenn der Hauptaspekt dieses Vergleichs die Geringachtung und Bedeutungslosigkeit des Flohs ist, gibt es noch einen zweiten Aspekt, der etwas leiser anklingt: Es ist fast unmöglich, einen einzelnen Floh zu fangen. Es gibt sehr wohl Wege, den Flohbefall durch Hygienemaßnahmen und gezielten Einsatz von Schreckstoffen zu unterbinden. Heute stehen sogar wirksame Insektizide und (für Haustiere) auch Mittel in Tablettenform zur Verfügung, um Flöhe direkt zu bekämpfen. Aber das ist nicht dasselbe, wie eine »Floh-Jagd«. Zum einen ist der Menschenfloh ausschließlich nachtaktiv und verschwindet bei Lichteinfall sofort in den kleinsten Ritzen, zum anderen ist er sehr wachsam und reaktionsschnell. Das ruckartige Ausstrecken seiner spezialisierten Sprungbeine zählt zu den schnellsten Bewegungen im gesamten Tierreich. In 0,8 Millisekunden katapultiert er sich aus dem Stand bis zu 35 Zentimeter weit davon. Weil diese Sprünge ungerichtet erfolgen und das Tierchen so winzig ist, hat man kaum eine Chance ihm schnell genug zu folgen – wenn man ihn zu haben meint, stellt man fest, dass er rechtzeitig floh.

Er erreicht beim Absprung die wahnwitzige Beschleunigung von 245 g (der Mensch verliert schon bei 5 g das Bewusstsein und ab 10 g sein Leben). Möglich ist das durch hocheffiziente Energiespeicher aus Resilin-Proteinen, von denen auch im Beitrag über die Heuschrecke die Rede ist.

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Eine bemerkenswerte und einzigartige Besonderheit der Flöhe ist die Kokonruhe. Die Tiere schlüpfen zwar aus ihrer Larvenhülle und sind voll entwickelt, bleiben aber manchmal noch in ihrem Kokon, bis die Bedingungen optimal sind, um ins aktive Leben zu starten. Damit lassen sie sich oft richtig viel Zeit, mitunter ein ganzes Jahr. Das wird den Schreibern der Bibel wohl kaum bekannt gewesen sein (ihrem Autor aber sehr wohl).

Es kann als schöne Illustration für den Status des jungen David dienen, der zwar zum König gesalbt wurde, aber zunächst noch der Verfolgte und Zurückgewiesene war. Er wartete ab, bis Gott ihm den Weg zur Herrschaft ebnete (1Sam 26,10). Erst als seine Zeit gekommen war, wurde er zum »großen König«.
Auch der Herr Jesus, der »wahre David« und »König der Könige« ist jetzt noch der Verworfene. Er stellte sich selbst unter das Diktum »Ich aber bin ein Wurm und kein Mann« (Ps 22,7) und wird auch heute noch von Vielen verspottet und geringgeachtet – doch »die Herrschaft ruht auf seiner Schulter« (Jes 9,5). Noch ruht die Herrschaft, aber bald ist diese »Kokonruhe« vorbei und der Ruf erschallt: »Jetzt gehört die Herrschaft über die Welt endgültig unserem Herrn und dem, den er als König eingesetzt hat – Christus. Ja, unser Herr wird für immer und ewig regieren« (Offb 11,15 NGÜ).

Quellennachweis:
Bennet-Clark, HC., Lucey, ECA: The jump of the flea: a study of the energetics and a model of the mechanism. Journal of Experimental Biology 1967; 47(1): 59-76; doi: 10.1242/jeb.47.1.59
Panagiotakopulu, E: Pharaonic Egypt and the origins of plague. Journal of Biogeography 2004; 31: 269-275; doi: 10.1046/j.0305-0270.2003.01009.x Sutton, GP; Burrows, M: Biomechanics of jumping in the flea. Journal of Experimental Biology 2011; 214(5):836-847; doi: 10.1242/jeb.052399
Bildnachweis:
Wikipedia: Floh in Bernstein / Oregon State University // EM Aufnahme vom Floh / CDC/Janice Haney Carr
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Link zum Buch: https://www.daniel-verlag.de/produkt/ wimmelwesen
