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Flöhe

Allein die Erwähnung von Flöhen löst bei vielen Menschen Juckreiz und unwillkürliche Kratzbewegungen aus. Diese kleinen Quälgeister waren als Kulturfolger des Menschen bis in die Neuzeit hinein seine anhänglichen und fast allgegenwärtigen Begleiter.

Die Familie der Flöhe (Siphonaptera) umfasst zwar etwa 2.400 Arten und wird in sechs Familien unterteilt, aber sie variieren nur geringfügig. Allesamt sind sie Parasiten, die andere Tiere oder Menschen schädigen, indem sie mit ihren beißend-stechenden Mundwerkzeugen in deren Haut eindringen und Blut saugen. Ihre Anpassung besteht hauptsächlich darin, dass sie sich auf die Lebensweise und Körper ihrer Opfer einstellen. Oberflächenstruktur, Behaarung, geeignete Körperregionen und deren Temperatur und Feuchtigkeit, Hautbeschaffenheit, Aktivitätsmuster und Abwehrverhalten – auf diese »Umweltbedingungen« optimieren sich Flöhe.

Sie passen sich ihren Ernährern so gut an, dass die meisten in hohem Maß »wirtsspezifisch« sind und danach benannt und unterschieden werden können: Zeig mir, wen du stichst, und ich sag dir, wer du bist. In vielen Fällen ist deswegen nicht nur der deutsche, sondern auch der taxonomische Name eine Kombination aus »Wirt + Floh«. So gibt es dann zum Beispiel den Igelfloh, Hundefloh, Katzenfloh, Kaninchenfloh, Taubenfloh, Hühnerfloh, Dachsfloh, Maulwurfsfloh – und so weiter.

floh:walzer – Dieser Floh wurde von einem Harztropfen eingeschlossen, wurde dadurch konserviert und als Bernsteinfossil gefunden. Sein Alter wird auf 20 Millionen Jahre geschätzt. Wäre er wirklich so alt, wäre es sehr erstaunlich, dass sich die Art seither überhaupt nicht verändert hat (eine Beobachtung, die für Bernsteininsekten fast ausnahmslos gilt!). Seine Entdeckung löste einige Spekulationen aus – sog er sich beim letzten Stich vielleicht schon den Pesterreger oder Malaria-Plasmodien ein? Warum auch nicht?

bluts:freunde

Da es den Flöhen nur gut geht, wenn ihr Wirt gesund ist, schädigen sie ihn mit ihrer Beißerei nicht übermäßig, sodass sie als Parasiten der Nutz- und Haustiere nur von untergeordneter Bedeutung sind. Für die meisten Floharten hat sich deswegen bis vor zweihundert Jahren niemand interessiert. Nur den Menschenfloh (Pulex irritans) konnte man nicht ignorieren. Flöhe nerven, wie ihr Beiname irritans (= reizend, lästig, ärgerlich) auch ausdrückt. Eine ganz ähnliche Bedeutung trägt sein hebräischer Name par’osch (1Sam 24,15; 26,20), der sich von para (verachtet, verworfen) und asch (kleiner Schädling) ableiten lässt. Das Wort kommt auch als Männername »Parhosch« (Esr 2,3; 8,3; 10,25; Neh 3,25; 7,8; 10,15) vor. Man wüsste sicher gerne mehr darüber, wie es dazu kam, und ob die »Söhne Parhoschs« mit der Bedeutung »Flohsamen« glücklich waren …

bettvor:laurer – Der Menschenfloh (Pulex irritans) in seiner »natürlichen« Umgebung – einem Teppich. Im Gegensatz zu Läusen oder Pelzflöhen, die sich fest auf ihren Wirten ansiedeln und mit ihnen herumspazieren, kommt er nur vorbei, um sich seine Blutmahlzeit zu holen – am liebsten, wenn es ganz dunkel und sehr ruhig ist.

ent:floh

In den zwei Versen, wo der Floh uns in der Bibel begegnet, steht er genau für das, was sein Name aussagt – etwas sehr Kleines, Verachtetes. Zweimal hatte David, der bereits zum zukünftigen König Israels bestimmt und gesalbt worden war (1Sam 16), die Gelegenheit, König Saul, der ihn hartnäckig verfolgte, mit Leichtigkeit zu töten. David sieht davon ab, verschont Sauls Leben und tritt ihm danach sehr demütig gegenüber. Beide Male bezeichnet er sich in dieser Szene selbst als Floh: »Hinter wem jagst du denn her? Der König von Israel jagt einen toten Hund, ja einen einzigen Floh!« (1Sam 24,15 GN) und »Der König Israels zieht aus, um einen Floh zu fangen!« (1Sam 26,20 GN).

water:floo – In diesem Gemälde des französischen Malers Paul Gustave Doré (1832-1883) wird die dramatische Szene dargestellt, in der David aus der Höhle tritt und König Saul zur Rede stellt (1Sam 24).

Auch wenn der Hauptaspekt dieses Vergleichs die Geringachtung und Bedeutungslosigkeit des Flohs ist, gibt es noch einen zweiten Aspekt, der etwas leiser anklingt: Es ist fast unmöglich, einen einzelnen Floh zu fangen. Es gibt sehr wohl Wege, den Flohbefall durch Hygienemaßnahmen und gezielten Einsatz von Schreckstoffen zu unterbinden. Heute stehen sogar wirksame Insektizide und (für Haustiere) auch Mittel in Tablettenform zur Verfügung, um Flöhe direkt zu bekämpfen. Aber das ist nicht dasselbe, wie eine »Floh-Jagd«. Zum einen ist der Menschenfloh ausschließlich nachtaktiv und verschwindet bei Lichteinfall sofort in den kleinsten Ritzen, zum anderen ist er sehr wachsam und reaktionsschnell. Das ruckartige Ausstrecken seiner spezialisierten Sprungbeine zählt zu den schnellsten Bewegungen im gesamten Tierreich. In 0,8 Millisekunden katapultiert er sich aus dem Stand bis zu 35 Zentimeter weit davon. Weil diese Sprünge ungerichtet erfolgen und das Tierchen so winzig ist, hat man kaum eine Chance ihm schnell genug zu folgen – wenn man ihn zu haben meint, stellt man fest, dass er rechtzeitig floh.

Er erreicht beim Absprung die wahnwitzige Beschleunigung von 245 g (der Mensch verliert schon bei 5 g das Bewusstsein und ab 10 g sein Leben). Möglich ist das durch hocheffiziente Energiespeicher aus Resilin-Proteinen, von denen auch im Beitrag über die Heuschrecke die Rede ist.

floh:ochsprung – Ein Floh kann aus dem Stand das Hundertfache seiner Körperlänge überspringen. Das wird manchmal unüberlegt auf den Menschen übertragen – mit der Schlussfolgerung, dass ein Mensch mit so viel Energie über einen Wolkenkratzer (200 Meter hoch) oder drei Fußballfelder (300 Meter weit) hinwegspringen könnte. Allerdings verhält es sich hier genauso wie mit den »superstarken Ameisen« – ein sinnvoller Vergleich muss alle drei Dimensionen berücksichtigen – und da spielen wir mit den Flöhen tatsächlich in der gleichen Liga. Wir springen in diesem fairen Vergleich zwar nicht so hoch, aber, wenn wir Anlauf nehmen dürfen, sogar deutlich weiter.

lauer:stellung

Eine bemerkenswerte und einzigartige Besonderheit der Flöhe ist die Kokonruhe. Die Tiere schlüpfen zwar aus ihrer Larvenhülle und sind voll entwickelt, bleiben aber manchmal noch in ihrem Kokon, bis die Bedingungen optimal sind, um ins aktive Leben zu starten. Damit lassen sie sich oft richtig viel Zeit, mitunter ein ganzes Jahr. Das wird den Schreibern der Bibel wohl kaum bekannt gewesen sein (ihrem Autor aber sehr wohl).

in:spe – Der Floh passt sein Timing den Bedingungen an. Nach 2-7 Tagen im Ei durchläuft er in 1-3 Wochen seine drei Larvenstadien, verpuppt sich und ist nach 1-2 Wochen fertig. Klugerweise wartet er aber in seiner robusten Hülle, bis ihm seine feine Sensorik durch Wahrnehmung von Vibration, Wärme oder CO2 in der Umgebung mitteilt, dass der Tisch gedeckt ist. Erst dann kommt er heraus, um bis zu einem Jahr als stattlicher Floh zu leben.

Es kann als schöne Illustration für den Status des jungen David dienen, der zwar zum König gesalbt wurde, aber zunächst noch der Verfolgte und Zurückgewiesene war. Er wartete ab, bis Gott ihm den Weg zur Herrschaft ebnete (1Sam 26,10). Erst als seine Zeit gekommen war, wurde er zum »großen König«.

Auch der Herr Jesus, der »wahre David« und »König der Könige« ist jetzt noch der Verworfene. Er stellte sich selbst unter das Diktum »Ich aber bin ein Wurm und kein Mann« (Ps 22,7) und wird auch heute noch von Vielen verspottet und geringgeachtet – doch »die Herrschaft ruht auf seiner Schulter« (Jes 9,5). Noch ruht die Herrschaft, aber bald ist diese »Kokonruhe« vorbei und der Ruf erschallt: »Jetzt gehört die Herrschaft über die Welt endgültig unserem Herrn und dem, den er als König eingesetzt hat – Christus. Ja, unser Herr wird für immer und ewig regieren« (Offb 11,15 NGÜ).

Quellennachweis:

Bennet-Clark, HC., Lucey, ECA: The jump of the flea: a study of the energetics and a model of the mechanism. Journal of Experimental Biology 1967; 47(1): 59-76; doi: 10.1242/jeb.47.1.59

Panagiotakopulu, E: Pharaonic Egypt and the origins of plague. Journal of Biogeography 2004; 31: 269-275; doi: 10.1046/j.0305-0270.2003.01009.x Sutton, GP; Burrows, M: Biomechanics of jumping in the flea. Journal of Experimental Biology 2011; 214(5):836-847; doi: 10.1242/jeb.052399

Bildnachweis:

Wikipedia: Floh in Bernstein / Oregon State University // EM Aufnahme vom Floh / CDC/Janice Haney Carr

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Link zum Buch: https://www.daniel-verlag.de/produkt/ wimmelwesen

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