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Fische

In über 250 Versen der Bibel geht es in irgendeiner Weise um Fische oder die Fischerei. Während die Israeliten keine Seefahrer waren und dieses Gewerbe zur Zeit des Alten Testaments nur eine untergeordnete Rolle spielte, häufen sich die Erwähnungen zur Zeit des Herrn Jesus und Seinen Jüngern.

In der Bibel werden keine konkreten Fischarten benannt. Selbst der Apostel Johannes, der selbst Fischer war (Mk 1,19) und sicher nicht nur den genauen aramäischen, sondern auch den griechischen Namen für jeden Fang kannte, verzichtet in seinem Evangelium auf Fachbegriffe und belässt es bei »große Fische« (Jh 21,11). Für biologische Zuordnungen können aber archäologische Funde und die Überlieferungen der umliegenden Völker herangezogen werden. Da keine spezifischen Namen genannt werden, erübrigt es sich, hier näher auf die Taxonomie der Knochen- und Knorpelfische einzugehen. Es wäre lediglich interessant zu wissen, ob in der Bibel auch Lebewesen wie Tintenfische, Seeschlangen und Ähnliches eingeschlossen sind. Wir können davon ausgehen, dass die Menschen des Altertums bereits eine Vorstellung von der bunten Vielfalt der Fische hatten. Direkt am Ufer des Roten Meeres zum Beispiel, wo das Titelbild dieses Artikels aufgenommen wurde, ragt über weite Bereiche ein breites Saumriff bis knapp unter die Wasseroberfläche. Seine Bewohner sind neugierig und kein bisschen scheu. Man braucht nicht unbedingt zu ihnen hinunterzutauchen – schon vom Boot aus reicht ein Blick durch das glasklare Wasser in die lichtdurchfluteten Korallenlandschaften, um einen guten Eindruck von der faszinierenden Wunderwelt mariner Ökosysteme zu bekommen.

see:kundig – Auf diesem römischen Fußbodenmosaik, das in der tunesischen Stadt Sousse freigelegt wurde, sind viele verschiedene Arten von Meeresfischen so detailliert abgebildet, dass sie sich mühelos zuordnen lassen.

flossen:schaft

Das hebräische Wort für Fisch ist dag oder daga. Der Ausdruck dage ha-jam – »Fische des Meeres« taucht in 11 Versen auf, ebenso scha’ar ha-daggim – das Fischtor (2Chr 33,14; Neh 3,3; 12,39; Zeph 1,10), tzirot-duga – Fischerangeln (Am 4,2) und tzlazal-dagim – Fischharpunen (Hi 40,31). Unschwer wiederzuerkennen ist es auch in »Dagon« (Ri 16,23; 1Sam 5,2-5.7; 1Chr 10,10), dem Namen eines philistäischen Götzen, der übersetzt »Fischkörper« bedeutet. Dass zwei verschiedene Städte den Namen Beth-Dagon trugen, von denen eine im Stammesgebiet von Juda (Jos 15,41) und die andere in Aser (Jos 19,27) lag, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Dagon hier in kanaanitischer Zeit verehrt wurde. Tatsächlich werden die Tempel dieses Fischgötzen in drei Versen als »Beth-Dagon« – »Haus Dagons« bezeichnet (1Sam 5,2.5; 1Chr 10,10). Auch das Verb »fischen« – dig (Jer 16,16) und der »Fischer« – dajag (Jes 19,8; Jer 16,16) oder daffag (Hes 47,10) beinhalten die Sprachwurzel »d-g«.

Ein anderes altes Wort für Fisch ist nun. Es hat sich allerdings nur in den Sprachen einiger Nachbarvölker durchgesetzt. Der hebräische Buchstabe Nun taucht in einigen alten »proto-sinaitischen« Inschriften als deutlich erkennbares Fischsymbol auf (in anderen eher als Schlange). In der Bibel kommt das Wort nur in Namen vor. In dreißig Versen lesen wir von »Josua, dem Sohn Nuns« (z. B. 4Mo 13,16), der als Nachfolger Moses das Volk anführte. Der Ortsname Dalmanutha (Mk 8,10) ist die griechische Form des hebräischen Magdal-Nuna, was Fisch-Turm bedeutet. Auch der Ortsname Magada (Mt 15,39) oder Magdala (Lk 24,10) weist auf einen Turm als Erkennungszeichen hin. Historiker und Archäologen fanden hier Konstruktionen zum Trocknen oder Räuchern der ausgenommenen Fische. Dies war die bevorzugte Methode zur Konservierung; denn frischer Fisch verdarb schnell, Salz zum Einpökeln war teuer und Eis zur Kühlung stand nicht zur Verfügung.

felszeich:nun – Die Proto-Sinaitischen Inschriften von Serabit el-Khadim (Sinai-Halbinsel) werden in die frühe bis mittlere Bronzezeit (1900-1600 v. Chr.) datiert. Da die Gesteinsoberfläche schon stark verwittert ist, wurden die Gravuren eingefärbt. Der Pfeil zeigt auf den Buchstaben Nun, der hier deutlich als Fischsymbol zu erkennen ist (nach Butin).

Im Neuen Testament gibt es mindestens sechs verschiedene Frauen namens »Maria«, weshalb sie durch Beinamen unterschieden werden. »Maria Magdalene« (z. B. Lk 8,2) kam aus dem besagten Dorf Magdala. Aus der Wurzel von nun und dem Wort zud für »fangen« wurde der Orts- und Personenname Sidon (=Fischfang) gebildet, der im Alten und Neuen Testament vorkommt. »Haus des (Fisch)fangs« ist die Bedeutung des Namens Bethsaida – eines weiteren Fischerdorfes am See Genezareth.

Im Neuen Testament werden Fische in 18 Versen mit dem griechischen Wort ichthys und zweimal mit der Verniedlichungsform ichthydion (Fischlein, Mt 15,34; Mk 8,7) bezeichnet. Verzehrfertiger Bratfisch wird opsarion (Jh 6,9.11; 21,9.10.13) genannt, was sich von optos – braten (vgl. Lk 24,42) ableitet, während prosphagion (Jh 21,5) im Textzusammenhang zwar dasselbe bedeutet, aber ein allgemeiner Ausdruck für den Aufschnitt oder die Beilage (zum Brot) ist. Der »große Fisch«, der Jona verschlingt, wird als ketos (Mt 12,40) bezeichnet, aber um den geht es in einem anderem Beitrag.

Die griechischen Bezeichnungen für Fischer – halieus und fischen – halieuo leiten sich von hals oder halas, dem Wort für »Salz«, ab. Beide Ausdrücke wurden auch auf das Gewerbe am See Genezareth übertragen, obwohl hier nicht mit Salz-, sondern mit Süßwasser gearbeitet wurde. Von den verschiedenen Fanggeräten und -techniken wird später noch die Rede sein.

frei:schwimmer

Bei ihrer ersten Erwähnung in der Bibel werden Fische der Herrschaft des Menschen unterstellt: »Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres …« (1Mo 1,26) – so wie auch über alle anderen Lebewesen. Nach dem Sündenfall war der Mensch nicht mehr in der Lage, den Auftrag des »Bebauens und Bewahrens« (1Mo 2,15) in guter Weise auszuführen, auch wenn er die Tiere später essen durfte und von ihnen gefürchtet wurde (1Mo 9,2.3). Von den aufgezählten Gruppen »beherrscht« der Mensch (bis heute) die Fische am wenigsten. Umso bemerkenswerter ist, dass es von dem Herrn Jesus prophetisch heißt: »Du [Gott] hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt: … die Fische des Meeres, was die Pfade der Meere durchzieht« (Ps 8,7.9), denn in verschiedenen Begebenheiten übt der Herr diese Herrschaft deutlich sichtbar aus: Er lässt einen Fisch an Petrus´ Angel zappeln, der genau den soeben benötigten Geldbetrag im Maul hat (Mt 17,27). Er lässt Petrus und seinen Genossen nach einer ertraglosen Nacht einen so riesigen Schwarm Fische ins Netz schwimmen, dass es zu zerreißen droht und zwei große Fischerboote den Fang gerade noch an Bord nehmen können (Lk 5,4-7), und nach seiner Auferstehung führt Er erneut einen großen Fang ins Netz seiner Jünger, so dass sie ihn nicht mehr an Bord, sondern nur noch ans Ufer ziehen können (Jh 21,6-8).

schrauben:sicherung – Ein Schwarm Großer Barrakudas (Sphyraena barracuda) schwimmt in den Weiten des offenen Ozeans. In enger Formation fühlen sie sich am sichersten. Die meisten Fische tummeln sich in den Weltmeeren, ohne in ihrem Leben jemals etwas anderes als die oberen Bereiche (0 – 200 m) ihrer ausgedehnten Wasser wüsten zu Gesicht zu bekommen.

life:guard

»Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen« (Mt 4,19; Mk 1,17). Der Herr Jesus knüpft mit diesem Ausdruck bei einigen Seiner Jünger an ihre bisherige Arbeit an, denn mindestens vier von ihnen verdienten ihr Brot als Fischer am See Genezareth. So sagt der Herr zu Petrus: »Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen« (Lk 5,10).

Vielleicht verwundert der Vergleich auf den ersten Blick. Ein Fischer fängt seine Beute schließlich gegen ihren Willen, um sie zu verspeisen … Aber Menschen sind doch keine Fische! Während der Fisch im Wasser in seinem Element ist, drohen Menschen darin irgendwann zu ertrinken. Die neue Aufgabe der Jünger und jedes »Christen«, wie sie schon sehr früh genannt wurden (Apg 11,26), ist es, Menschen vor dem Untergang zu retten und sie zu ihrer Rettung dem Meer zu entreißen. Was die Herangehensweise betrifft, lehrt die Bibel deutlich, dass das gegen ihren Willen gar nicht möglich ist, sondern dass der entscheidende »Sprung ins Boot« ein Glaubensakt des Ertrinkenden ist.

heute:noch! So muss man sich das »Menschenfischen« vorstellen: Ertrinkende ergreifen rettende Hände und werden dem sicheren Tod entrissen.

Menschenfischer können nur einladen, indem sie das Evangelium weitersagen – die »gute Nachricht«, dass es durch Jesus Rettung gibt. Dazu ist es sehr hilfreich, wenn sie an Bord als frohe Gemeinde leben, in der man so liebevoll miteinander umgeht, dass jeder gern dazugehören möchte.

schlepp:netz

Zu den Fanggeräten, die am See Genezareth verwendet wurden, zählte auch das Schleppnetz, das mit dem griechischen Wort sagene (Mt 13,47) bezeichnet wird. Der Herr Jesus erwähnt diese Methode in folgendem Gleichnis: »Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische von jeder Art zusammenbrachte, das sie, als es voll war, ans Ufer heraufzogen; und sie setzten sich nieder und lasen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten warfen sie hinaus« (Mt 13,47.48).

Ganz offensichtlich nimmt das Gleichnis Bezug auf das »Menschenfischen« – das der Herr, wie gerade beschrieben, als Bild dafür benutzt, dass Menschen für ihn gewonnen und so gerettet werden. Während allerdings die »Freundschaftsevangelisation« eher dem Angeln gleicht, bei dem persönliche Kontakte und Begegnungen im Vordergrund stehen und ein Format wie die »Vortrags- und Zeltevangelisation« eher dem Fischen mit dem Wurfnetz, bei dem gezielt »angelockt« bzw. eingeladen wird, nimmt das Schleppnetz einfach alles mit, was vor seine riesige Öffnung gerät. Dieser letzte Aspekt tritt in unserer weitgehend christianisierten Zeit in den Vordergrund.

Schon ab dem vierten Jahrhundert bekannte sich über die Hälfte der Bevölkerung des Römischen Reichs zum Christentum. Im fünften Jahrhundert wurde es zur größten »Weltreligion« und ist es seither, mit großem Abstand, geblieben. Das Reich der Himmel wächst zwar immer weiter, aber nicht nur durch die Bemühungen echter Menschenfischer. Millionen Neugeborener werden jedes Jahr ohne ihr Zutun »hineingetauft« – viele von ihnen treffen später keine bewusste Entscheidung für den Glauben an den Herrn Jesus und bleiben verloren. Vielen Menschen und Organisationen erscheinen das christliche »Netzwerk« und die christliche Kultur attraktiv – sie bekennen sich zu »christlichen Werten«, nennen sich »christlich« und führen ein »C« im Akronym. So bekennt sich heute etwa ein Drittel der Menschheit »auf dem Papier« zum Christentum.

Das Gleichnis ist präzise formuliert. Es landen nicht alle Fische im Schleppnetz, aber die vielen, die dadurch zusammengebracht werden, sind »von jeder Art« und zum größten Teil unbrauchbar. Die Fischer können daran nichts ändern. Ihre Verantwortung ist es, die wahren Gläubigen zu erkennen und »in Gefäße« zu sammeln. Sie gehen dabei sehr sorgfältig vor – sie »setzen sich nieder«. Vielleicht wird damit schon angedeutet, dass die Gläubigen sich wenig später bereits an allen Orten als Gemeinden trafen. Und auch die »Auslese« begann schon früh: In der Stadt Korinth zeigte sich nach drei Monaten Bibelunterricht, dass viele der Interessenten »schlechte Fische« waren. Paulus sonderte die Jünger von ihnen ab, traf sich mit ihnen an einem gesonderten Ort und setzte ihre Ausbildung noch zwei weitere Jahre fort (Apg 19,8-10).

auslese:verfahren – Ein Schleppnetz wird an Land gezogen. Dort werden die guten Fische ausgelesen und für den Verkauf sortiert, während der Beifang verbrannt wird.

Für das Verständnis ist eine Ergänzung hilfreich: In den beiden folgenden Versen nach dem Gleichnis spricht der Herr davon, was hinterher geschieht, indem er einen Gegensatz vorstellt: »So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein« (Mt 13,49.50).

Im Gleichnis sind es Menschen, die andere Menschen zusammenbringen und die Erlösten sammeln – im Nachsatz ist von Engeln die Rede, die die Bösen zum Gericht aussondern. Das wird geschehen, bevor das Friedensreich beginnt, wie es auch an anderer Stelle beschrieben wird: »Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen« (Mt 24,40). Hier wird der Böse zum Gericht weggenommen und der Gerechte dagelassen, um lebend in das Friedensreich einzugehen. Wenn man den Nachsatz allerdings für eine Erklärung des Gleichnisses vom Schleppnetz hält (und dem Bibeltext ein »auch« hinzufügt, wie in einigen Übersetzungen), sorgt das für Verwirrung.

tief:see

Der See Genezareth ist 21 Kilometer lang und bis zu 13 Kilometer breit, mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von 25 Metern. Er wird hauptsächlich durch die Flüsse Dan, Hasbani und Banyas gespeist, die sich zum Oberen Jordan vereinen und am nördlichen Ufer in den See fließen. Am Südende tritt dann der Jordan wieder aus und fließt weiter ins Tote Meer. Das Tote Meer ist ein Endsee, ein abflussloses Becken, aus dem das Wasser im heißen Wüstenklima verdunstet. Die zurückbleibenden Mineralien haben sich darin schon vor langer Zeit so stark angereichert, dass es in seiner ersten biblischen Erwähnung bereits jam ha-melach (Salzmeer, 1Mo 14,3) genannt wird. Der ganze Verbund liegt tiefer als irgendein anderes Oberflächengewässer der Erde. Der Wasserspiegel des See Genezareth liegt aktuell (2026) bei -209 Metern und der des Toten Meeres bei -440 Metern – und ist damit der tiefste Punkt der Erdoberfläche überhaupt.

Der See ist ein außerordentlich fischreiches Gewässer, was sich zum Teil dadurch erklärt, dass am Grund mehrere warme Quellen austreten, die mineralreiches Wasser aus tiefen Gesteinsschichten des Grabenbruchs eintragen. Deswegen gibt es hier auch Arten, die eigentlich in den Tropen zu Hause sind, wie der Petrusfisch (Sarotherodon galilaeus). Die Kinneret-Sardine (Mirogrex terraesanctae), die Jordan-Barbe (Luciobarbus longiceps) und weitere Arten sind sogar im Jordangraben endemisch, das heißt, sie kommen nirgendwo sonst vor. Daneben gibt es verschiedene Karpfenfische, Barsche und weitere Barben.

kundenspezi:fisch – Der Petrusfisch (Sarotherodon galilaeus), ein Buntbarsch, ist der bekannteste Speisefisch aus dem See Genezareth. Mit ziemlicher Sicherheit hat er schon in biblischer Zeit einen Großteil des Fangs ausgemacht. Eine Legende ist allerdings, dass der dunkle Fleck schräg unterhalb des Auges der Fingerabdruck des Petrus sei, der dem Fisch sein Maul öffnete, um genau die Steuermünze daraus zu entnehmen, die gerade gebraucht wurde (Mt 17,27).

Der Historiker Josephus Flavius berichtet von einer Kriegslist, bei der man alle Fischerboote des Sees zusammenbrachte, um eine große Flotte vorzutäuschen und den Feind in der Stadt Tiberias, die einen ungeschützten Hafen hatte, zur Kapitulation zu bringen. Die List gelang, obwohl sich auf jedem der 230 Schiffe nur jeweils die Stammbesatzung von vier unbewaffneten Fischern befand. Interessant sind solche Zahlen, weil sich mit ihnen das Geschäftsvolumen der Fischerei zur Zeit der Apostel (hier konkret im Jahr 67 n. Chr.) abschätzen lässt. Was den Wert der Fische betrifft, ist die Spanne enorm groß. Die kleinen Arten (Sardinen, Buntbarsche) galten als »Arme-Leute-Essen«, während die großen Barben, Karpfen und Petrusfische hoch gehandelt wurden. Aber auch im Fall der billigeren Sorten gilt: »die Masse macht’s«. Der riesige Fang, der in Lukas 5,4-7 beschrieben wird, hatte einen hohen Geldwert. In einer aktuellen NT-Verfilmung bezahlt Petrus damit alle Steuerschulden. Das ist zwar pure Fantasie, aber da wir wissen, dass er Frau und Schwiegermutter zu versorgen hatte, als der Herr Jesus ihn berief, kann es gut sein, dass der wunderbare Fischzug auch eine ganz nützliche, wirtschaftliche Seite hatte.

mare:mortuum

Im Toten Meer ist im offenen Wasser kein Fisch anzutreffen. Lediglich dort, wo der Jordan einmündet, und im Austrittsbereich einiger Quellen am Ufer entstehen kleine Brackwasserzonen, in denen Spezialisten überleben können. Der Tote-Meer-Kärpfling (Aphaniops richardsoni) hat sich an die stark schwankende und oft extrem hohe Salzkonzentration angepasst. Er ist ebenfalls ein Endemit, der nirgendwo sonst vorkommt. Der kleine Jordanische Karpfen (Garra ghorensis) schwimmt eigentlich in den Seen und Wadis Jordaniens. Er wird aber, besonders bei Hochwasser, durch die östlichen Zuflüsse eingespült und überlebt erstaunlich lange in deren Mündungsbereichen. Trotz dieser Ausnahmen, die auf zwei Arten und einige kleine Uferflecken begrenzt sind, trägt das Tote Meer, das auch die Römer Mare Mortuum nannten, seinen Namen zurecht. In der nahezu gesättigten Salzlösung gedeihen lediglich einige halophile Mikroben – nicht jedoch Fische.

Dieser Gegensatz zwischen dem See Genezareth, der Wasser aufnimmt und weitergibt und von Fischen nur so wimmelt, und dem Toten Meer, das Wasser aufnimmt, aber es ganz »für sich behält«, ist eine schöne Illustration für den Unterschied zwischen lebendigen und einladenden Christen und Gemeinden und deren Gegenstück. Gottes Gaben, Gottes Wort und das Evangelium dürfen und sollen empfangen und in Besitz genommen werden – aber sie sollen auch geteilt, weitergegeben und zum Segen für andere eingesetzt werden. Ansonsten erstarrt irgendwann alles unter einer ungenießbaren Salzkruste.

entwässerungs:graben – Der Jordan erhält sein Wasser hauptsächlich durch die Niederschläge aus dem Hermongebirge, die seine Quellflüsse speisen. Er durchfließt den See Genezareth, tritt am Südende aus, windet sich durch den Jordangraben und mündet genau 105 Kilometer weiter südlich ins tote Meer. Dort verdunstet das Wasser und hinterlässt die Mineralien.

re:vival

Die natürliche Gegebenheit, also die geographische, geologische, hydrologische, biologische und historische Beschaffenheit des Jordangrabens mit seinen Gewässern und Fischen, hat, wie fast alles in der Bibel, auch eine bildhafte Komponente.

Im Moment regt sich noch nichts im Toten Meer – genauso wenig wie auf dem Totenfeld, wo nur Leichname herumliegen (Hes 37,1-14). Beides ist ein Bild für das Volk Israel, das seinen Messias verworfen und sich von Gott abgewandt hat. Es ist geistlich tot, die Lage scheint hoffnungslos. Aber Gott wirkt und erneuert sein Volk schrittweise. Zur Rückführung in das Land Israel bedient er sich erst der Fischer und dann der Jäger: »Siehe, ich will zu vielen Fischern senden, spricht der Herr, dass sie sie fischen; und danach will ich zu vielen Jägern senden, dass sie sie jagen von jedem Berg und von jedem Hügel und aus den Felsenklüften« (Jer 16,16). Da diese Prophezeiung sich bereits erfüllt hat, fällt die Deutung nicht schwer. Die Fischer stehen für Zionisten, die überall für das Ziel einer »nationalen Heimstätte für das jüdische Volk« warben und das Land Israel neu besiedelten. Die Jäger waren (und sind!) die Verfolger der Juden – Faschisten im Westen, Kommunisten im Osten und Islamisten im Süden. Ihre mörderische Jagd trieb Hunderttausende, die sich von den Fischern zuvor nicht locken ließen, zurück in die biblische Heimat. Äußerlich hat dieses Gebilde in Form des modernen Staats Israel bereits Gestalt angenommen – so wie die verstreuten Knochen in Hesekiels Vision zu einem vollständigen Leichnam wurden – aber noch ist alles geistlich tot (abgesehen natürlich von vielen einzelnen Menschen, die auch in Israel an den Herrn Jesus glauben!).

Der Segen, der das Tote Meer heilen und lebendig machen wird, geht von der Gegenwart Gottes, von Seinem Tempel in Jerusalem aus: »eine Quelle wird aus dem Haus des HERRN hervorbrechen« (Joel 4,18). Was dort genau geschehen wird, wird an anderer Stelle beschrieben: »Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floss ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten […] Und er sprach zu mir: Dies Wasser fließt hinaus in das östliche Gebiet und weiter hinab zum Jordantal und mündet ins Tote Meer. Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden, und alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben. Und es soll sehr viele Fische dort geben, wenn dieses Wasser dorthin kommt; und alles soll gesund werden und leben, wohin dieser Strom kommt. Und es werden an ihm die Fischer stehen. Von En-Gedi bis nach En-Eglajim wird man die Netze zum Trocknen aufspannen; denn es wird dort sehr viele Fische von aller Art geben wie im großen Meer. Aber die Teiche, Lachen und Sümpfe daneben werden nicht gesund werden, sondern man soll daraus Salz gewinnen« (Hes 47,1.8-11 Lu).

doppel:fluss – Auf dieser Skizze ist der zukünftige Segensstrom eingetragen. Er entspringt im Tempel in Jerusalem, teilt sich und fließt sowohl durch ein neu entstandenes Tal ins Tote Meer nach Osten als auch durch die Küstenebene nach Westen bis ins Mittelmeer (von Manfred E. Kober).

Leider führt es zu weit vom Thema weg – schließlich geht es hier immer noch um Fische – aber es ist interessant, diesen Fluss aus dem Tempel und seine Auswirkungen näher zu betrachten. Nur ein paar Anregungen dazu: Genaugenommen handelt es sich bei dem Strom aus dem Tempel um einen »Doppelfluss« (Hes 47,9 – hebr. nahalajim, das Wort steht nur hier im Dual, der Zweizahl oder Paarform). Er fließt in ein neu entstandenes Tal, das den Ölberg spaltet (dort verläuft die Wasserscheide) und teilt sich dort in einen östlichen und westlichen Arm. Im Gegensatz zu den meisten anderen Flüssen dieser Gegend handelt es sich nicht um ein Wadi, sondern um einen Fluss, der »im Sommer und im Winter« fließt und dessen Westarm sich ins Mittelmeer ergießt (Sach 14,8). Der Segen, der im 1000-jährigen Reich von Jerusalem ausgeht, gilt nicht nur dem Volk Israel, sondern durch den Verbund der Weltmeere der ganzen Erde. Der Ostarm lässt die Salzbrühe gesunden und bringt die Fische zurück. Ihre Artenvielfalt im Nicht-mehr-toten-Meer entspricht dann derjenigen der umliegenden marinen Fauna (675 Arten), was die der Binnengewässer (53 Arten) weit übertrifft. Es ist ein interessantes Detail, dass die wirtschaftlich bedeutende Mineraliengewinnung im flachen Südteil weiter betrieben werden kann, die geistliche Bedeutung ist jedoch traurig: Nicht alle Menschen nehmen den Segen an. Wer nicht mit dem Herzen dabei ist, bleibt oberflächlich wie eine Lache, isoliert wie ein Teich oder schlammgefüllt wie ein Sumpf. Diese Menschen verschließen sich und ziehen weit weg von Jerusalem an die »vier Ecken der Erde« (Offb 20,8), von wo aus sie am Ende zur Rebellion verführt werden.

galiläisches:meer

Wie bereits erwähnt, ist der See Genezareth ein Binnengewässer, das aber sowohl im Hebräischen als auch im Griechischen gewöhnlich als »Meer« bezeichnet wurde. Obwohl sein normaler Wellengang weit hinter der Brandung der Ozeane zurücksteht, treten auch hier heftige Stürme mit hohen Wellen auf, wie sie im Neuen Testament mehrfach beschrieben werden. Das aufgewühlte Meer ist ein Bild der Völkerwelt. Der See hatte ein »heidnisches« Ostufer, die ganze Gegend wurde als »das Land am See und jenseits des Jordan, das Galiläa der heidnischen Völker« (Mt 4,15 Hfa) bezeichnet. Es ist kein Zufall, dass der Herr Jesus gerade hier Seinen öffentlichen Dienst beginnt. Er nimmt nicht nur Bezug auf die Symbolik des »Menschenfischens«, sondern lebt in einem Fischerdorf (und besucht einige weitere). Er ist dabei, als gefischt wird und vermehrt Brote und Fische.

harfen:see – Der hebräische Name des See Genezareth ist Kinneret und bedeutet »Harfen«. In vielen Reiseführern ist nachzulesen, dass der Name auf die Form des Sees zurückgehe, aber das erscheint wenig plausibel. Um die Form ohne Luftbilder zu erkennen, hätte man ihn sehr exakt vermessen müssen, was zu Zeit der Namensgebung noch nicht möglich war. Der See wird auf alten Karten und Mosaiken fast immer kreisförmig oder elliptisch dargestellt. Außerdem gab es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Modelle von Harfen, Leiern und Lauten. Immerhin lässt sich mit ein bisschen Fantasie tatsächlich eine altisraelische Leier (kinnor) in der Form erkennen.

Matthäus markiert in seinem Evangelium einen Wendepunkt, nachdem die Ablehnung des Herrn Jesus durch das Volk Israel mit der »Lästerung des Geistes« (Mt 12,31) ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat: »An jenem Tag ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See« (Mt 13,1). Von dem Haus (Israel) an den See (der Nationen) – ein neuer Abschnitt beginnt und auch die Form der Verkündigung ändert sich. Die »Geheimnisse des Reiches der Himmel« (Mt 13,11) haben ein neues Thema und sind zunächst nur für »Insider« verständlich.

todes:fluss

Auch der Jordan hat eine Symbolik: Er ist der »Todesfluss«. Das hat zunächst damit zu tun, dass er der tiefste Fluss der Erde ist und sein Wasser daher (bevor es Motorpumpen gab) nicht für die Landwirtschaft genutzt werden konnte. Während die Nachbarländer von lebensspendenden Strömen wie Nil, Euphrat und Tigris durchflossen wurden, dank denen riesige fruchtbare Ebenen ganzjährig verlässlich bewässert werden konnten, war Israel ganz auf den Regen angewiesen (5Mo 11,10-17). Die Bezeichnung hat aber sicher auch damit zu tun, dass er in der Regenzeit Hochwasser führte und über »alle seine Ufer« trat (Jos 3,15; 4,18; 1Chr 12,16). Dadurch wurde er nicht nur unpassierbar, sondern riss auch viele Fische mit ins Tote Meer, die darin durch die hohe Salzkonzentration umkamen.

über:fluss – Der Jordan erscheint über viele Flusskilometer hinweg fast in der Üppigkeit und Lebensfülle eines Tropenflusses. Sie zeigt sich besonders, wenn man ihn per River-Rafting erkundet, was den Autor mehrfach beeindruckt hat. Die negative symbolische Bedeutung sieht man ihm nicht unbedingt an.

Sehr anschaulich ist das Bild bei der Heilung des syrischen Generals Naaman (2Kön 5,1-19). Nachdem er siebenmal im Jordan untergetaucht war, war nicht nur der tödliche Aussatz verschwunden, sondern seine krankheits-, alters-, kampf- und wettergegerbte Haut wieder glatt und rein »wie die eines Kindes« (2Kön 5,14). Das ist eine schöne Illustration für die geistliche Realität: »der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben« (Röm 6,23). Weil Naaman glaubte und gehorchte, indem er diesen symbolischen Akt vollzog und seinen totgeweihten Körper ganz und gar im Tod versenkte, wurde er gerettet. Bei der Taufe wird heute die gleiche Symbolik ausgedrückt: der »alte Mensch« (Röm 6,6) wird durch das Untertauchen in den Tod geschickt und eine »neue Schöpfung« (2Kor 5,17) taucht daraus auf.

Der tödliche Aspekt des Jordan klingt auch an, als die Bundeslade hineingetragen wird und am tiefsten Punkt »in der Mitte des Jordan« (7x – Jos 3,17; 4,3.5.8-10.18) stehenbleibt. Das hat zur Folge, dass das Wasser »sehr fern, bei Adam« (Jos 3,16) abgeschnitten wird und das ganze Volk trockenen Fußes durch das Flussbett gehen kann. Nachdem alle hinübergegangen sind, genau in dem Moment, als die letzten Fußsohlen »das Trockene betraten« (Jos 4,18), kehrt das Hochwasser zurück. Das ist eine prophetische Skizze von dem, was der Herr Jesus Jahrhunderte später tat, als Er in den Tod ging und damit das Gericht direkt an seinem Ursprung (bei Adam) aufhielt. Alle, die Ihm folgen, können seither »aus der Wüste kommend ins verheißene Land eingehen«. Jeder, der diese Einladung liest und versteht, sollte sich am besten sofort auf den Weg machen: »Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden« (Apg 16,31). Ein Grund für die Eile ist, dass das Wasser nicht ewig stehen bleibt – wenn »die von Gott bestimmte Anzahl von Menschen […] zu Christus gefunden hat« (Röm 11,25 NLÜ) ist es zu spät. (Ein anderer Grund, damit nicht zu warten, ist natürlich, dass niemand weiß, wie lange er noch in der Lage ist, irgendetwas zu entscheiden).

schuppen:check

Im Kaschrut, dem Speisegesetz des Volkes Israel, wird eindeutig festgelegt, wie die Wasserlebewesen in rein und unrein zu unterscheiden sind: »Dies dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist: Alles, was Flossen und Schuppen hat im Wasser, in den Meeren und in den Flüssen, das dürft ihr essen; aber alles, was keine Flossen und Schuppen hat in den Meeren und in den Flüssen, von allem Gewimmel des Wassers und von jedem lebendigen Wesen, das im Wasser ist, sie sollen euch ein Gräuel sein; ja, ein Gräuel sollen sie euch sein: Von ihrem Fleisch sollt ihr nicht essen, und ihr Aas sollt ihr verabscheuen. Alles, was keine Flossen und Schuppen hat im Wasser, soll euch ein Gräuel sein« (3Mo 11,9-12; vgl. 5Mo 14,9.10). Die Flossen stehen vielleicht für das zielgerichtete, kraftvolle und unermüdliche Schwimmen »gegen den Strom«, während die Schuppen eine eng verzahnte Abwehrfront gegen äußere Einflüsse und Angriffe symbolisieren (vgl. die Beschreibung in Hi 41,7-9). Die jüdischen Kommentatoren sehen den praktischen Nutzen der Reinheitsgebote zuerst darin, dass Gott auch dort Gehorsam einfordert, wo keine rationale Begründung erkennbar ist, im Weiteren aber auch darin, dass die Einhaltung der Reinheitsvorschriften immer auch zur Absonderung von anderen Ethnien führte, wie es Gott für Sein Volk beabsichtigt hatte.

Das Kriterium »Flossen und Schuppen« klingt angesichts der Vielfalt der marinen Fauna nicht besonders eindeutig. In der jüdischen Auslegung des Gesetzes wird darum ergänzt, dass unter den kaskeset sichtbare, echte Fischschuppen zu verstehen sind, die sich mit der Hand oder einem Messer ablösen lassen. Anatomisch gesehen haben auch Haie und Rochen sogenannte Placoidschuppen, aber diese kleinen »Hautzähnchen« fallen nicht mit rein (ebenso wenig wie die kleinen Knochenplatten der Störe). Sie sind deswegen allesamt genauso unrein wie Aale, Welse und Schwertfische (die nur als Jungtiere Schuppen haben). Im Talmud wird außerdem festgehalten: »Jeder Fisch, der Schuppen hat, hat notwendigerweise auch Flossen«. Das wird durch die heutige Taxonomie bestätigt. Flossen können umgebildet oder stark reduziert sein, aber es gibt keinen Fisch, der gar keine Flossen hat. Man kann die Vorschrift also als zweistufiges Kriterium ansehen: 1) Hat es Flossen? – (im Meer leben ja nicht nur Fische, sondern auch Weichtiere, Stachelhäuter, Seeschlangen …) ansonsten ist es tabu. 2) Hat es Schuppen? – nur wenn die besagten, eindeutigen Schuppen zu sehen sind, ist es rein.

Es bleibt noch zu ergänzen, dass der Herr Jesus das ganze Speisegesetz, einschließlich der hinweisenden Funktion, erfüllt und, sofern es praktisch einzuhalten wäre, abgeschafft hat. Für Christen gilt: »Alles, was auf dem Fleischmarkt [oder Fischmarkt] verkauft wird, esst, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen« (1Kor 10,25). Der Autor hat nicht erst, seit er in Portugal lebt, eine große Vorliebe für fast alle Arten von Meeresfrüchten und ist dafür sehr dankbar!

altägypt:fisch

In Ägypten hat der Fischfang (hauptsächlich im Nil und seinen Kanälen) eine uralte Tradition, die durch hunderte von Mosaiken, Gravuren und Wandgemälden in allen Einzelheiten dokumentiert ist. Schon sehr früh begann man Fische auch in regulierten Teichen und Becken zu züchten. Im Strom leben der Nil- oder Viktoriabarsch (Lates niloticus), der bis zu 200 Kilogramm schwer werden kann, und der begehrte Großnilhecht (Gymnarchus niloticus), der allerdings keine richtigen Schuppen hat und daher (zumindest nachdem die Speisegebote gegeben wurden) nicht koscher ist.

triumph:barsch – Der Nil- oder Viktoriabarsch (Lates niloticus) kann enorm groß werden. Dieses Prachtexemplar brachte 435 Pfund (lb) auf die Waage.

Erst im Rückblick kommt heraus, wie sehr auch die Israeliten die ägyptischen Spezialitäten schätzten. Allerdings wird die Vergangenheit dabei stark beschönigt: »Wir erinnern uns an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, an die Gurken und die Melonen und den Lauch und die Zwiebeln und den Knoblauch« (4Mo 11,5). »Die gute alte Zeit ist nichts anderes als eine Mischung aus lückenhafter Erinnerung und lebhafter Fantasie« (W. Wiersbe). Umsonst gab es in Ägypten gar nichts – sie wurden dort ernährt, um härtesten Sklavendienst zu leisten, geschlagen und ihrer Kinder beraubt.

top:gun – Der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) hat eine ganz besondere Methode zur Beutejagd: Er lauert Insekten auf, die sich auf Pflanzen über der Wasseroberfläche seines Reviers niederlassen. Mit einer eingebauten »Wasserpistole«, einer Rinne im Oberkiefer, schießt er sie zielgenau ab und schnappt sie sich, sobald sie auf dem Wasser aufschlagen. In Versuchen traf er noch auf 4 m Entfernung zentimetergroße Ziele. Besonders erstaunlich ist dabei seine Zieloptik, mit der er in der Lage ist, die unterschiedliche Lichtbrechung in Wasser und Luft auszugleichen.

fang:nix

Die Suche nach »Fisch+Gleichnis« führt nicht nur zum Schleppnetz in Matthäus 13, sondern auch zu einer Parabel des englischen Astrophysikers Sir Arthur Eddington, die in Bezug auf Weltanschauungsfragen sehr erhellend sein kann. Darin wird der Naturwissenschaftler mit einem Ichthyologen verglichen, einem Fischkundigen, der das Leben im Meer erforschen will:

»Er wirft dazu sein Netz aus, zieht es an Land und prüft seinen Fang nach der gewohnten Art eines Wissenschaftlers. Nach vielen Fischzügen und gewissenhaften Überprüfungen gelangt er zur Entdeckung von zwei Verallgemeinerungen, die er als »Grundgesetze der Ichthyologie« versteht: 1. Alle Fische sind größer als zwei Zoll / 2. Alle Fische haben Kiemen. Beides trifft auf seine Fänge immer wieder zu, und er nimmt an, dass es auch bei beliebiger Wiederholung seines Versuchs gültig bleiben wird. Ein Beobachter mag einwenden, dass die erste Verallgemeinerung falsch sei. »Es gibt jede Menge Meereslebewesen unter zwei Zoll Länge – nur ist dein Netz nicht dafür geeignet, sie zu fangen.« Der Ichthyologe weist diesen Einwand verächtlich zurück: »Alles, was mit meinem Netz nicht gefangen werden kann, fällt eo ipso außerhalb des Bereichs ichthyologischen Wissens und gehört nicht zu dem Reich der Fische, das als Gegenstand der Ichthyologie definiert ist. Kurz: Was mein Netz nicht fangen kann, ist kein Fisch. Oder – um die Analogie zu übertragen: Wenn du nicht einfach nur rätst, [dass es diese kleineren Fische gibt,] dann beanspruchst du ein Wissen über das physische Universum, das auf anderem Wege gewonnen wurde als durch die Methoden der Naturwissenschaft und das durch diese Methoden offenkundig nicht verifizierbar ist. Du bist ein Metaphysiker. Pfui!«

Diese Netz-Parabel ist eine schöne Illustration dafür, dass Reich weite und Geltungsbereich nicht nur jeder einzelnen wissenschaftlichen Methode, sondern auch der Gesamtheit der wissenschaftlichen Methodik begrenzt sind. Obwohl das alles schon seit mindestens hundert Jahren klar ist, fällt der moderne Naturalismus leider immer wieder dahinter zurück.

Durch das Buch »Das Netz des Physikers« von Hans-Peter Dürr wurde das Gleichnis auch im deutschen Sprachraum populär und es überrascht, dass er hier kein echtes Problem sieht. Dürr lobt den kurzsichtigen Ichthyologen: »Er bescheidet sich mit dem, was er fangen kann, und hat deshalb gegenüber dem Metaphysiker den Vorteil, dass er nirgends vage Spekulationen anstellen muss. Die Schärfe seiner Aussagen beruht wesentlich auf dieser Selbstbeschneidung. Seine Beschränkung auf das Fangbare erscheint darüber hinaus, vom praktischen Standpunkt aus, ohne große nachteilige Konsequenzen. Für die Fischesser ist das Wissen, das der Ichthyologe etabliert, völlig ausreichend, da ein nicht fangbarer Fisch für ihn uninteressant ist.«

In gewisser Weise hat Dürr Recht – für Menschen, die nach dem Motto leben: »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir!« (Jes 22,13; 1Kor 15,32), reichen die Erkenntnisse der Wissenschaften »vom praktischen Standpunkt« völlig aus. Aber der Mensch ist mehr als ein »Fischesser«! Er hat Bedürfnisse, die über Essen und Trinken hinausgehen und Fragen – nach dem Woher? Wohin? Wozu? – auf die die Wissenschaft keine Antwort geben kann.

Anknüpfend an die Parabel ist offensichtlich, dass der Ichthyologe nie verstehen wird, woher die großen Fische kommen, wenn er die ganzen kleinen Fischlarven nicht wahrnimmt, die ihm durch die Maschen schlüpfen. Auch wird er die Grundlage ihrer Ernährung nicht verstehen, solange er das Plankton nicht kennt, mit dem im Meer alle Nahrungsketten beginnen. Genauso ist der Urheber und Erhalter des Lebens nicht mit dem Netz der Wissenschaft zu fangen – aber es kann sehr wohl erkannt werden, dass noch etwas Wesentliches fehlt.

Ein Manko der modernen Geistesgeschichte ist, dass viele einflussreiche Naturwissenschaftler armselige Philosophen sind. So schreibt Stephen Hawking in seinem Welt-Erklärbuch »Der große Entwurf« unter Berufung auf die Alleingültigkeit der Wissenschaft: »Die Philosophie ist tot.« Das ist eine echte Stilblüte, denn es ist eine philosophische Aussage, die er weder aus der Physik ableiten noch mit den Möglichkeiten der Mathematik formulieren kann. (Es gilt sogar andersherum ein mathematischer Beweis dafür, dass im Rahmen der Mathematik prinzipiell nicht alle Aussagen bewiesen werden können – der sogenannte »Gödelsche Unvollständigkeitssatz« – das ist superspannend, aber eher etwas für Freaks und würde den Rahmen hier sprengen …). Jedenfalls zeigt sich, dass diese »Selbstbeschneidung« zwar in den angewandten Wissenschaften wenig problematisch, bei der Suche nach Antworten auf die großen Fragen aber fatal ist.

frei:geist Die Abhandlung »Geheimnisse des Universums« von Stephen Hawking (1942-2018) ist ein intellektuell höchst anregender Genuss. Es bleibt allerdings ein Paradoxon, wenn brillante Gelehrte Vorträge halten und Bücher schreiben, um die Welt an ihren geistigen Einsichten teilhaben zu lassen, aber in ihrem naturalistischen Weltbild dann doch argumentieren, dass es so etwas wie einen »freien Geist« gar nicht geben kann.

gra:fisch

Eine symbolische Bezugnahme dürfen wir nicht unterschlagen: die »eucharistischen Fische« als verbreitetes Bildmotiv der frühchristlichen Kunst und »Erkennungszeichen« der Christen. Hierbei stand ichthys, das griechische Wort für Fisch, als Akronym ΙΧΘΥΣ für Namen und Titel des Herrn: Iesous Christos Theou Hyios Soter – Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter. Graphisch dargestellt wurde es im Altertum als minimalistische Kombination zweier Bögen (und seit es EDV gibt als <>< ).

In der Spätantike geriet der Fisch als christliches Symbol fast in Vergessenheit. Erst in den 70er Jahren tauchte er wieder auf. Der ichthys schwimmt nach links – gegen den Strom. Da überwiegend evangelikale und pietistische Christen dieses Zeichen verwendeten, um sich zu einem gelebten und biblisch begründeten Glauben zu bekennen, wird es anders wahrgenommen als das Kreuz, das im »christlichen Abendland« überall zu sehen ist. Zum evangelikalen Selbstverständnis gehört der Glaube an die absolute Vertrauenswürdigkeit der Bibel (Verbalinspiration, Irrtumslosigkeit). Das bedeutet, dass nicht nur die Existenz und Aktivität unsichtbarer Dinge (Gott, Engel, Satan, Dämonen, Himmel und Hölle), sondern auch die Historizität der biblischen Urgeschichte (Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, Sprachverwirrung), Offenbarung und Ziel Gottes in der Geschichte (Prophetie, Heilsplan), Auferstehung und Wiederkunft des Herrn Jesus und vieles mehr bezeugt werden.

Dadurch wurde der Fisch zu einem angefeindeten Zeichen. Besonders in den USA tobt seit Jahrzehnten ein einfallsreicher »fish-war«, in dem der schlichte Jesus-Fisch auf unterschiedlichste Weisen persifliert wird. Es fing ganz harmlos an: mit einem »Darwin-Fisch«, der andersherum lief – jawohl: »lief«, denn er hat bereits kleine Beinchen evolviert. Dann gab es eine ganze Serie spöttischer Varianten – einen Jesus-Fisch, der an der Angel hängt (mit der Frage »hooked by religion?« – was eigentlich »begeistert von Religion?« bedeutet und in diesem Kontext immerhin clever ist) – einen kopflosen Jesus-Fisch (»der Glaube kommt ohne Verstand aus«) – einen Jesus-Fisch mit Blindenbinde (Glaube ohne Beweise) und einen toten Fisch, der mit dem Strom schwimmt (als Grätengerippe, für die EDV auch >)))+> ). Für mehr Eindeutigkeit kamen immer häufiger Schriftzüge im Fisch dazu: Jesus, ΙΧΘΥΣ, Yeshua, Love, Peace, Truth und Faith hier und Darwin, Science, Evolve und Reality dort. Während diese Anti-Fische auf das Spannungsfeld Schöpfung vs. Evolution abzielen, nimmt ein weiterer Schwarm das Thema »religiöse Vielfalt« aufs Korn. Es gibt Fische, in denen »Thor« oder »Odin« steht, einen (ziemlich runden) Buddha-Fisch und – ganz provokant – gehörnte Fische mit der Inschrift Satan, Devil oder 666. Die zahllosen Varianten, bei denen ein Fisch den anderen schluckt, sind nicht besonders geistreich, aber interessant sind unerwartete Kombinationen. Der Regenbogen-Fisch darf natürlich nicht fehlen, ein Fisch mit Beinchen und der Inschrift Jesus wirbt für die Vereinbarkeit von Schöpfung und Evolution (Theistische Evolution) – mit erklärendem Zusatz: »Dein Gott kann vielleicht nicht auf natürlichem Weg erschaffen – meiner schon!« Ständig kommen weitere Varianten hinzu. Auf Europäer macht dieser US-amerikanische Kulturkampf vielleicht einen etwas kindischen Eindruck, aber der Autor würde sich wünschen, dass der krasse Gegensatz der Weltanschauungen auch hier mehr Menschen bewusst wird und sie zum Nachdenken anregt. In einer bemerkenswerten Variante sind die Vorderbeinchen des Darwin-Fisches eingeknickt. Der Text erklärt dazu »Die Beinchen, die verspotten, haben Knie, die sich beugen werden!« und gibt eine Bibelstelle an: »Denn vor dem Namen Jesus wird einmal jedes Knie gebeugt … Und jeder Mund wird anerkennen: Jesus Christus ist der Herr!« (Phil 2,10.11 NeÜ).

symbol:politik – Anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages am 06. Juni 2007 wurde die Hohenzollernbrücke in Köln so beleuchtet, dass mit ihrem Spiegelbild auf dem Rhein zusammen ein überdimensionaler ICHTHYS erstrahlte.

Quellennachweis:

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Bildnachweis:

Wikipedia: Bodenmosaik mit Fischen / Carole Raddato // der hebr. Buchstabe Nun als Fischsymbol / Romain Butin // Petrusfisch / Bayçelebi E // riesiger Viktoriabarsch / smudger888 // Kölner Hohenzollernbrücke als „Fisch“ beleuchtet / Matthias Zepper

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