Sie jagen bei Nacht und tragen furchterregende Giftstachel im Schwanz, mit denen sie Menschen extrem schmerzhafte Stiche zufügen können – Skorpione (Scorpiones) zählen zu den »Schrecken der Wüste« und sind im ganzen Nahen Osten verbreitet.
Mit dem hebräischen Wort akrab und dem griechischen Wort skorpios wird eindeutig der Skorpion bezeichnet. Allein in Israel gibt es über 20 verschiedene Arten. Einige sind ungefährlich, aber andere, wie der Gelbe Mittelmeerskorpion (Leiurus quinquestriatus) und der Dickschwanzskorpion (Androctonus crassicauda) zählen zu den giftigsten Skorpionen der Welt. Bei den Skorpionen sind gerade die kleineren Arten oft die mit den stärksten und schmerzhaftesten Giften. Sie waren äußerst gefürchtet und werden deshalb in verschiedenen metaphorischen und symbolischen Zusammenhängen einbezogen.
stachel:schwanz
Bei Bedrohung schwingen sie ihren langen Schwanz blitzschnell über den Kopf nach vorne und lassen den großen gebogenen Giftstachel aufwärtsschnappen. Mühelos durchdringt er Haut, Stoff und sogar Leder und injiziert einen Mix aus Skorpiontoxinen in den Körper des Opfers. Über den ma‘ale-akrabbim (Skorpionenpass, 4Mo 34,4; Jos 15,3; Ri 1,36) wollte man sicher nicht im Dunkeln spazieren.

Es verwundert nicht, dass sie in der Bibel ausschließlich mit negativer Bedeutung erwähnt werden und es den Menschen damals vor »der großen und schrecklichen Wüste [graute], wo feurige Schlangen und Skorpione sind, und Dürre« (5Mo 8,15). Besonders herausgefordert werden Menschen, die für Gott unterwegs sind. Der Prophet Hesekiel überbrachte dem Volk eine Botschaft, die nur wenige hören wollten. Gott spricht ihm Mut zu und erinnert ihn daran, dass er, wie alle Menschen, ohnehin in einer gefallenen Schöpfung lebt, die unter dem Sündenfluch steht: »denn Nesseln und Dornen sind bei dir, und bei Skorpionen wohnst du« (Hes 2,6).

qual:quasten
Die qualvollen Auswirkungen einer Begegnung mit dem Skorpion sind ihr Hauptmerkmal. Salomos Erstgeborener, der junge Prinz Rehabeam, wollte sich mit dieser Ansage als starker Mann präsentieren: »mein Vater hat euch mit Geißeln gezüchtigt, ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen« (1Kön 12,11.14; 2Chr 10,11.14). Dabei spricht er nicht wortwörtlich von dem Wüstentier, sondern von einer besonders schmerzhaften Peitsche. Einige Übersetzungen verwenden hier daher auch das Wort »Stachelpeitsche«. Es gibt bisher keine Funde oder Überlieferungen dazu, wie besagtes Folterinstrument im alten Israel aussah. Gut bekannt ist allerdings das römische Flagrum, das vermutlich ähnlich geartet war. Dabei handelte es sich um eine Geißel, also eine Peitsche mit kurzem Stiel, mit mehreren Riemen oder Lederschnüren. Deren untere Enden waren mit jeweils einem oder mehreren Bleistücken beschwert. Ob diese die Form von Kugeln, Nägeln, Hanteln oder Widerhaken hatten oder stattdessen scharfe Knochenstücke eingeflochten wurden – für ihre furchtbare Wirkung machte das wohl kaum einen Unterschied. Diese grausamen Details sind bedeutungsvoll, weil der Herr Jesus sie zu spüren bekam, als Pilatus ihn damit auspeitschen ließ (Mt 27,26; Mk 15,15; Jh 19,1). Damit erfüllte sich das prophetische Bild: »Pflüger haben auf meinem Rücken gepflügt, haben lang gezogen ihre Furchen« (Ps 129,3). Wer das nächste Mal einen Pflug beobachtet, wie er gewaltsam unter der Erdkruste herschießt, sie in Schollen aufbricht, umwendet und zur Seite wirft, der bekommt einen Eindruck davon, was ein Schlag des Flagrum auf der dünnen menschlichen Haut anrichtet.

gottes:gabe
Der Herr Jesus erwähnt einen Skorpion, wenn Er davon spricht, wie wir als Kinder Gottes unseren Vater, den »Geber jeder guten Gabe« (Jak 1,17), vertrauensvoll bitten dürfen: »Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. Wer aber von euch ist ein Vater, den der Sohn um ein Brot bitten wird – er wird ihm doch nicht einen Stein geben? Oder auch um einen Fisch – er wird ihm statt eines Fisches doch nicht eine Schlange geben? Oder auch, wenn er um ein Ei bitten wird – er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!« (Lk 11,10-13). Eine unmissverständliche Gegenüberstellung: Ein Stein, eine Schlange und ein Skorpion sind ungenießbar und gefährlich – ein Brot, ein Fisch und ein Ei dagegen wohlschmeckend und nahrhaft. Der Gegensatz ist so deutlich, dass selbst böse Menschen das Gute wählen – wie viel mehr Gott, der gut ist und am besten weiß, was gut für uns ist.

Als Bild für das Wirken dämonischer Mächte treten Schlangen und Skorpione noch ein weiteres Mal gemeinsam auf: »Siehe, ich gebe euch die Gewalt, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und Gewalt über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie schaden« (Lk 10,19). Satan will vergiften, töten (Jh 8,44) und quälen (2Kor 12,7) – aber die Macht des Herrn Jesus ist größer. Man könnte Bände damit füllen, wie befreiend es ist, auf der Seite des Siegers zu stehen und wie umfassend Sein Sieg über Satan und seine Anhängerschaft ist. Tatsächlich sind Diabolologie und Dämonologie theologische Disziplinen, die (besonders im Mittelalter) Hochkonjunktur hatten. Aber die Antwort des Herrn Jesus lenkt den Fokus auf die wahre Soteriologie – die Lehre von der Erlösung durch Ihn: »freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind« (Lk 10,20) – das ist wirklich ein Grund zum Jubeln!

sting:pain
Auch in der Offenbarung des Johannes wird der Angriff von Skorpionen mit dem Handeln der geistlichen Widermächte verglichen. Die furchtbaren Posaunengerichte, die dort niedergeschrieben sind, beschreiben Wesen, die Merkmale verschiedener Tiere in sich vereinen, unter anderem auch Eigenschaften der Skorpione: »Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken hervor auf die Erde, und ihnen wurde Gewalt gegeben, wie die Skorpione der Erde Gewalt haben. Und ihnen wurde gesagt, dass sie nicht das Gras der Erde noch irgendetwas Grünes noch irgendeinen Baum beschädigen sollten, sondern die Menschen, die nicht das Siegel Gottes an ihren Stirnen haben. Und ihnen wurde gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern dass sie fünf Monate gequält würden; und ihre Qual war wie die Qual eines Skorpions, wenn er einen Menschen sticht. Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen war es wie Kronen gleich Gold, und ihre Angesichter waren wie Angesichter von Menschen; und sie hatten Haare wie Frauenhaare, und ihre Zähne waren wie die von Löwen. Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer, und das Geräusch ihrer Flügel war wie das Geräusch von Wagen mit vielen Pferden, die in den Kampf laufen; und sie haben Schwänze gleich Skorpionen, und Stacheln, und ihre Gewalt ist in ihren Schwänzen, die Menschen fünf Monate zu beschädigen.« (Offb 9,3-10).
In dieser Beschreibung wird die Schmerzhaftigkeit des Skorpionenstichs besonders betont. Anhand des »Schmidt sting pain index« lassen sich Stiche verschiedener Tiere in dieser Hinsicht vergleichen. Tatsächlich landet der Skorpion eindeutig auf Platz eins. Es ist kennzeichnend für das gefürchtete Skorpiongift, dass es heftigste Qualen und körperliche Symptome (Atemnot, Herzrasen, Krämpfe, Fieberschübe) auslöst, aber nur selten zum Tod führt. Die in der Offenbarung angekündigte Zeit der Gerichte wird allerdings so schrecklich sein, dass die Menschen sich wünschen, zu sterben.

Quellennachweis:
Bawaskar, HS; Bawaskar, PH: Scorpion sting: a review of 121 cases. Journal of Wilderness Medicine 1991; 2(3):164-174; doi 10.1580/0953-9859-2.3.164
Neslon, B: 10 Creatures That Deliver the Most Painful Stings and Bites – It might not kill you, but the pain might make you wish it had. Treehugger 15.10.2024. aufgerufen am 08.04.2025: https://www.treehugger.com/creatures-that-deliver-the-most-painful-stings-and-bites-4869305
Schmidt, JO: The Sting of the Wild. Baltimore, Maryland, USA (Johns Hopkins University Press) 2016; ISBN: 978-1-421-41928-2
Touchard, A: The Sting of the Wild. American Entomologist 2016; 62(4):E2-E2; doi: 10.1093/ae/tmw087
Bildnachweis:
Wikipedia: Tierkreis-Mosaik mit Skorpion / Gerd Eichmann // Skorpion im Tageslicht und UV-Licht / Erinacaeus // römische Stachelpeitsche (Flagrum) / basicbuydeals
andere Lizenzen: Skorpione Titel (Parabuthus capensis) /shutterstock_ID_2252175851 / Roger de la Harpe // KI-Bild: Gegenüberstellung_Gutes_und_Schlechtes // Skorpionweibchen mit Nachwuchs auf dem Rücken /shutterstock_ID_1819468448 / Kurit afshen // KI-Bild: Wesen aus Offenbarung 9
Link zum Buch: https://www.daniel-verlag.de/produkt/ wimmelwesen
