Die Schlange ist das erste Tier, das in der Schöpfung mit einer eindeutigen geistlichen Bedeutung und Symbolik verknüpft wird. Hier soll es allerdings vorrangig um ihre Erwähnungen in der weiteren biblischen Geschichte und die Biologie der Schlangen gehen.
Auch in der Kategorie „Tiere des Feldes“ widmet sich ein Beitrag der Schlange. Der Schwerpunkt liegt dort auf der Transformation eines vollkommen geschaffenen Tieres, das durch einen Fluch zu dem Erscheinungsbild von Schlangen degradiert wird, welches wir heute kennen. Die Details dieser Geschichte sind durch vielfältige Verknüpfungen und Bezugnahmen mit der biblischen Heilsgeschichte verwoben. Mit den Worten: »Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe« (Jh 3,14.15) weist der Herr Jesus darauf hin, dass Er den Sündenfluch auf sich genommen und durch Seinen Tod die Befreiung davon bewirkt hat. Diese Aspekte werden hier nicht erneut ausgeführt – beide Beiträge ergänzen einander.

schlangen:abc
In den biblischen Ländern leben heute etwa vierzig Schlangenarten, von denen die wichtigsten im Artverzeichnis aufgeführt sind. Die Unterordnung der Schlangen (Serpentes) umfasst über 4.200 Arten, von denen viele nur ein kleines Verbreitungsgebiet haben. Die allgemeine hebräische Bezeichnung für die Schlange lautet nachasch (28x). Das gleiche Wort bezeichnet auch Wahrsagerei, Beschwörungsmagie und Zauberei, wodurch die geistliche Zuordnung der Schlange zum Wirkungsbereich Satans und seiner Dämonen deutlich wird. Es ist außerdem der Name von Nahas, einem König der Ammoniter (1Sam 11,1 u. a.) und auch der Name Nachschons, eines Schwagers Aarons (2Mo 6,23) und Fürsten in Juda (4Mo 1,7) leitet sich davon ab. Da dieser Mann in der Ahnenreihe des Herrn erscheint, kommt auch die griechische Form seines Namens, Naasson (Mt 1,4; Lk 3,32) vor. Bei den Stäben, die vor dem Pharao zu Schlangen werden, wird das Wort tannin (2Mo 7.9.10.12) verwendet, das sonst nur in zwei poetischen Variationen (5Mo 32,33; Ps 91,13) Schlangen bezeichnet und ansonsten für Schakale oder Seeungeheuer steht. Es bedeutet einfach »langgestreckt«, daher ist es nicht verwunderlich, dass es variabel verwendet wurde.
Dann gibt es noch poetische Umschreibungen wie saraf (7x, brennend, feurig) und sachel (5Mo 32,24; Mi 7,17; kriechend). Neben diesen Wörtern, die Schlangen in allgemeiner Weise bezeichnen, gibt es weitere Ausdrücke, die möglicherweise bestimmte Arten meinen: peten (6x), zefa (5x), schefifon (1Mo 49,17), ef’e (3x) und kippos (Jes 34,15). Im Griechischen lauten die allgemeinen Bezeichnungen ophis (14x) und echidna (5x).

Im biblischen Kontext geht es immer um Giftschlangen, und die lassen sich in den Ländern der Bibel den Giftnattern oder Vipern (von denen die Ottern eine Untergruppe sind) zuordnen. Von der Roten Speikobra (Naja pallida) wird noch die Rede sein, sie ist durch spezielle Merkmale unterscheidbar. Aber ansonsten lässt sich nicht rekonstruieren, ob wir es mit der Schwarzen Wüstenkobra (Walterinnesia aegyptia), Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes, siehe Titelbild), Avicennaviper (Cerastes vipera), Palästinaviper (Daboia palaestinae), Arabischer Sandrasselotter (Echis coloratus), Libanesischen Bergotter (Montivipera bornmuelleri) oder Persischen Trughornviper (Pseudocerastes persicus) zu tun haben. Sie alle kommen und kamen in den Ländern der Bibel vor und sind für den Menschen tödlich giftig. Zur Beleuchtung der einzigen Art, die eindeutig zugeordnet werden kann und um die Gefährlichkeit der Schlangen in Erinnerung zu rufen, folgende Geschichte:
schlangen:bangen
24.08.2014 – Foshan, Provinz Guangdong, Südchina: Gellende Schreie unterbrechen das geschäftige Treiben in der Küche eines noblen Restaurants. Küchenchef Peng Fen umklammert mit schmerzverzerrtem Gesicht seinen linken Arm, schwankt und bricht zusammen. Der Arzt, der sofort geholt wird, kommt zu spät. Nach wenigen Minuten ist der Koch tot – erstickt durch Atemlähmung. Was war geschehen?
Peng Fen war mit der Zubereitung einer Schlangensuppe (She Geng) beschäftigt gewesen, der in den mythischen Vorstellungen der traditionellen chinesischen Naturheilkunde energiespendende, gesundheitsfördernde und potenzsteigernde Wirkungen zugeschrieben werden. Um an das Muskelfleisch zu gelangen, wird die Schlange, in diesem Fall eine Siamesische Speikobra (Naja siamensis), mit einer langen Zange gepackt und geköpft. Gehäutet und zubereitet wird dann nur der Körper. Zwanzig Minuten nachdem Peng Fen der Kobra den Kopf abgeschnitten hatte, wollte der Koch ihn in den Mülleimer werfen, griff danach und löste so den Beißreflex aus. Die Kiefer des Reptils schnappten nach seiner Hand, bohrten die langen Giftzähne hinein und stießen ihr tödliches Sekret aus. Nur eine sofortige Behandlung mit dem passenden Antiserum hätte den Mann jetzt noch retten können.

Dass selbst eine geköpfte Schlange ihr Opfer noch töten kann, ist erstaunlich und der Unfall in Foshan insofern einzigartig. Allerdings werden jedes Jahr weltweit etwa fünf Millionen Menschen von Giftschlangen gebissen, und bei hunderttausend führt es zum Tod. Kaum ein Tier erweckt mehr Abneigung und Furcht. Angeborene, instinktive Schlangenangst (Herpetophobie) ist nicht nur unter Menschen, sondern auch im Tierreich weit verbreitet. Der Autor konnte dies zu Hause an zwei Mitbewohnern, einem Bartagamen-Paar, gut beobachten. Beide Echsen haben ihr ganzes Leben im Terrarium verbracht und keinerlei schlechte Erfahrungen mit tierischen Feinden gemacht, aber auf Seilstücke, dicke Schnüre, Kabel und alles andere, was schlangenähnlich aussieht und auf dem Boden liegt, reagieren sie mit Abwehrhaltung und Drohgebärden, sobald diese bewegt werden.
spei:kobra
Speikobras sind in der Lage, große Volumen flüssigen Giftes zu produzieren, zu speichern und abzugeben. Bei einem Exemplar der Großen Afrikanischen Speikobra (Naja ashei) wurden bei einem einzigen »Melken« auf einer Schlangenfarm 6,2 Milliliter entnommen. Im Gegensatz zu anderen Schlangen können sie ihr Gift nicht nur beim Biss abgeben, sondern es – durch die gleichen Austrittsöffnungen – auch in gezielten Strahlen verspritzen. Bei diesem Chemieangriff attackieren sie die Augen ihres Gegners mit großer Präzision und sind dabei in einer Reichweite von bis zu drei Metern erstaunlich erfolgreich. Sie wenden diese Strategie jedoch nicht zur Jagd auf Beutetiere an, sondern ausschließlich zur Verteidigung, um den Angreifer auf Abstand zu halten. Sie verbrauchen so eine sehr viel geringere Giftmenge als beim Zubeißen und können bis zu 45-mal hintereinander spucken. Vorher versuchen sie allerdings, den Kontrahenten mit kobratypischen Drohgebärden wie Aufspreizen des breiten Nackenschildes, Hin- und Herschwenken des Kopfes und lautem Zischen in die Flucht zu schlagen. Dem auffälligen Nackenschild verdankt die Rote Speikobra (Naja pallida), die in Nordafrika und dem Nahen Osten heimisch ist, ihren griechischen Namen aspis, der sonst den großen, ovalen Schild schwerbewaffneter Fußsoldaten bezeichnet. In der Bibel kommt dieser Begriff in Römer 3,13.14 vor: »Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handelten sie trügerisch. Schlangengift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voller Fluchen und Bitterkeit.« Der Ausdruck für »Schlangengift« (ios aspidon) bezieht sich auf das tödliche Gift der Speikobra. Paulus zitiert aus Psalm 140,4 und wendet dieses Bild auf alles Giftige an, das der Mensch »ausspuckt«: Lügen, Flüche und Lästerungen.

Die Vision in Offenbarung 12, bei der »die alte Schlange« auf die Erde geworfen wird und in der Wüste einen Schwall hinter der Frau her spuckt, die das männliche Kind geboren hat, erinnert an die Speikobra. Das Kind wird »zu Gott und zu seinem Thron« entrückt und die Frau entkommt, während Satan, die Schlange, verliert und am Ende endgültig gerichtet wird. Mit ihrem Untergang erfüllt sich in letzter Konsequenz die älteste Prophezeiung der Bibel, die Gott nach dem Sündenfall über die Schlange ausspricht: »Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen« (1Mo 3,15). Der »Same der Frau«, der entscheidende Nachkomme, ist der Herr Jesus. Er hat Satan am Kreuz von Golgatha besiegt und wird ihn schließlich völlig zertreten (Röm 16,20). In diesem Kampf ließ Er sich beißen – und der Biss einer Giftschlange hat tödliche Folgen. Er starb, damit wir durch den Glauben an seinen Opfertod den Schlangenbiss überleben können – denn gebissen wird jeder. Darauf kommen wir am Ende dieses Beitrags nochmal zurück.

schlangen:fluch
Eva wurde im Garten Eden vom Teufel überredet, Gottes Verbot zu übertreten. Dabei trat er als Schlange auf. Daraufhin wurde die Schlange von Gott dazu verurteilt, auf dem Bauch zu kriechen (1Mo 3,1-19). Auch wenn dem biblischen Bericht heute im Allgemeinen keine wissenschaftliche Aussagekraft zugestanden wird – er stimmt mit der entwicklungsgeschichtlichen Annahme überein, dass sich die Vorfahren der Schlangen vierfüßig fortbewegten.

Dieser erste Auftritt der Schlange legt ihre symbolische Bedeutung für die ganze Bibel fest – als eindeutiger Repräsentant Satans und seiner Dämonen, der »Widermacht« Gottes in der geistlichen Welt. Es scheint in der Antike sogar üblich gewesen zu sein, nicht nur Schlangensymbolik in Abbildungen und Skulpturen, sondern auch lebende Schlangen in okkulten Praktiken einzusetzen. Der »Wahrsagegeist« in Apostelgeschichte 16,16 wird als pneuma Pythona – als Pythons-Geist bezeichnet, was sich möglicherweise darauf bezieht, dass eine Schlange als Medium verwendet wurde, um Kontakt zu Dämonen aufzunehmen. Wie bereits erwähnt, sind auch im Hebräischen die Wörter für Schlange und Beschwörung / Wahrsagerei / Zauberei identisch.
nackt:schrecken
Es hat fast den Anschein, als ob die Schlange durch Gottes Gericht gewissermaßen »entblößt« wird und ihre gefallene Natur sichtbar bleiben soll, während Gott den Menschen fürsorglich bekleidet und bedeckt (1Mo 3,21). Im Gegensatz zu allen »höheren Tieren« sind heutige Schlangen in erstaunlichem Maße »nackt«. Sie tragen fast nichts am Körper – weder Beine noch Schwänze, Flossen, Saugnäpfe oder Flügel, weder Haare noch Federn, Krallen, Stacheln, Hörner, Kämme, Antennen, Wimpern oder Ohrmuscheln.

Im Gegensatz zu einem Wesen von außerordentlicher Klugheit sind heutige Schlangen in ihren Verhaltensweisen und Reaktionen instinktgesteuert und berechenbar, ähnlich wie Maschinen. Außer den Paarungsritualen gibt es kaum soziale Interaktionen. Männchen und Weibchen sind äußerlich selten voneinander zu unterscheiden. Fast alle Arten legen die Eier ab (die bei uns heimischen Kreuzottern und Schlingnattern als lebendgebärende Schlangen gehören zu den Ausnahmen) und überlassen die Nachkommen dann sich selbst. Als ob klargestellt werden sollte, dass die Schlange niemals wieder das Wort ergreifen würde, sind sie allesamt taub und stumm. Außer einem leisen Zischen oder Fauchen bringen sie mit dem Maul nichts hervor. Erstaunlicherweise haben sie keinen Körpergeruch, nicht einmal ihre Ausscheidungen riechen. Sie können sich auf fast jedem Untergrund schnell und nahezu lautlos fortbewegen (Spr 30,18.19), aber auch wochenlang völlig unbeweglich in einer Position verharren. Als wechselwarme Tiere nehmen sie die Umgebungstemperatur an. Sie haben weder Gesichts- noch Augenmuskeln. Deswegen ist ihr Ausdruck starr und die Augen sind unbeweglich. Sie haben keine Lider und können deswegen weder blinzeln noch die Augen schließen. Die Augen stehen also immer offen, was den Eindruck erweckt, als ob sie nie schlafen und uns immer beobachten. Tatsächlich hat man herausgefunden, dass sie auch in Ruhephasen ihre Umgebung weiterhin wahrnehmen. Die meisten Schlangen haben ein gutes Dämmerungssehvermögen, und viele können sogar Infrarotstrahlung detektieren und somit Wärme »sehen«. Da sie sich außerdem ihren Weg ertasten können, sind viele Arten tags wie nachts gleichermaßen aktiv.
Sie alle sind Fleischfresser, die ihrer Beute meist im Hinterhalt auflauern, um sich dann blitzartig auf sie zu stürzen, um sie zu vergiften oder zu erwürgen. Mit ihren flexiblen und oft tarnfarbenen Körpern können sie sich gut verstecken. Sie graben sich in Sand, Laub oder Schlamm ein oder warten im Gesträuch, auf Ästen, in Felsspalten oder Erdhöhlen auf eine günstige Gelegenheit. Obwohl sie unter den Tieren gefürchtet sind, üben sie mitunter eine unerklärliche Faszination auf sie aus, sodass die Opfer manchmal wie versteinert erstarren und ohne Gegenwehr überwältigt werden können. Ewig wachsame, verborgen lauernde, lautlos und schnell gleitende, giftige und umschlingende Jäger, ohne Charakter, ohne Geschlechtsmerkmale, ohne Mimik und Gefühle, ohne Fürsorglichkeit und Zusammenhalt, ohne Stimme, ohne Geruch und ohne Wärme – es wirkt tatsächlich so, als ob Gott den unpersönlichen, langgestreckten, schlichten und schuppigen Kern der ausgezeichneten ursprünglichen Kreatur herausgezogen hätte, um ihn in der Existenzweise heutiger Schlangen weiterleben zu lassen. Kaum verwunderlich, dass viele Menschen eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Schlangen empfinden, zumal ihr Gift jedes Jahr rund 140.000 Todesopfer fordert – viel mehr als bei jedem anderen größeren Tier.

schuppen:dynamik
Durch unsere menschliche Wahrnehmung und Deutung der Schlangeneigenschaften unterstreicht Gott ihre symbolische Bedeutung. Dabei übertragen wir normalerweise unbewusst Kriterien, nach denen wir Menschen als sympathisch oder unsympathisch erleben, auf Tiere. Wenn uns ein Gegenüber beispielsweise unentwegt mit völlig ausdruckslosem und bewegungslosem Gesicht anstarren würde und dabei nicht einmal blinzelte, empfänden wir das als unheimlich und beängstigend.
Eine nüchterne biologische Betrachtung der heutigen Schlangen kommt aber zu einem ganz anderen Ergebnis: Sie sind absolut faszinierende Geschöpfe. Ihre Schuppenhaut, die sich keineswegs feucht, glitschig und kalt, sondern fest, trocken und (je nach Umgebungstemperatur) meistens sogar warm anfühlt, tritt in jeder erdenklichen Farbe auf und trägt in den meisten Fällen wunderschöne geometrische Muster und Zeichnungen. Die Schlichtheit ihres Körperbaus, ihre Anspruchslosigkeit und ihre Anpassungsfähigkeit sind beeindruckend. Als wechselwarme (exotherme) Tiere kommen sie zwar nicht in Polarregionen, den Gipfelzonen der Hochgebirge und dauerhaft kaltem Wasser vor, ansonsten gibt es aber keine Lebensräume, die sie sich nicht erschlossen hätten. Ob Steppen, Wüsten, Dschungel, Sümpfe, Moore, Gebirge, Höhlen, Bäche, Flüsse, Seen, Inseln und warme Meere – man findet sie fast überall. Es gibt keine andere Unterordnung von Tieren, die sich bei gleichem Erscheinungsbild an so unterschiedliche Umwelten anpassen kann. Durch ihre besondere Fortbewegungsweise kommen sie auf praktisch jedem natürlichen Terrain gut voran, oft sogar mit hoher Geschwindigkeit. Die Seitenwinder-Klapperschlange erreicht mit einer besonderen Schlängeltechnik bis zu 29 km/h. Viele Arten können klettern, die meisten gut schwimmen und die Schmuckbaumnattern sogar »fliegen«. Na ja, zumindest können sie sich flachmachen und im Gleitflug von Baum zu Baum segeln – immerhin bis zu 30 Meter weit!

Der Herr Jesus fordert seine Nachfolger auf: »Siehe, ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen; so seid nun klug wie die Schlangen« (Mt 10,16). Da die kognitiven Leistungen heutiger Schlangen nicht im Geringsten auf eine besondere Intelligenz hinweisen, stellt sich die Frage, was hier mit »klug« gemeint ist. Das griechische Wort phronimos bedeutet zwar im Neuen Testament »klug, verständig, vorausschauend« im positiven Sinn, wird aber in der LXX auch in 1. Mose 3,1 verwendet. Die genannten biologischen Eigenschaften könnten hier der Schlüssel sein. Der Herr fordert die Jünger mit diesem Vergleich auf, in einer feindlichen Umgebung wachsam, optimal angepasst, still und unauffällig zu agieren – ein Verhalten, das Gott den Schlangen über ihre Instinkte mitgegeben hat.
stab:ilisierung
Den nächsten Auftritt hat die Schlange in der Bibel, als sie sich aus Moses Stab verwandelt und ihn bedroht. Gott lehrt hier eine äußerst wichtige Lektion: »Da sprach der HERR zu ihm: Was ist das in deiner Hand? Und er sprach: Ein Stab. Und er sprach: Wirf ihn auf die Erde. Da warf er ihn auf die Erde, und er wurde zur Schlange; und Mose floh vor ihr. Und der HERR sprach zu Mose: Strecke deine Hand aus und fasse sie beim Schwanz. Und er streckte seine Hand aus und ergriff sie, und sie wurde zum Stab in seiner Hand« (2Mo 4,2-4).
Als Gott Mose in der Wüste beruft – einen 80-jährigen Schafhirten – ist dieser voller Zweifel, ob das Unterfangen, das Gott ihm hier vorstellt, gelingen kann. Würde sein Volk auf ihn hören? Würde der Pharao auf ihn hören und das Volk ziehen lassen? Gott ermutigt ihn mit diesem Wunder: Er, Gott, ist stärker als der Teufel! Der Teufel mag furchterregend erscheinen und sich wild gebärden (immerhin floh Mose zunächst), aber unter Gottes Regie wird er zum Instrument, zu einem Werkzeug, wie der Stab Moses, mit dem er mächtige Wunder auslöste. Da es sich um eine Doppellektion handelt, muss auch der zweite Teil beleuchtet werden: »Und der HERR sprach weiter zu ihm: Stecke doch deine Hand in deinen Gewandbausch. Und er steckte seine Hand in seinen Gewandbausch; und er zog sie heraus, und siehe, seine Hand war aussätzig wie Schnee. Und er sprach: Tu deine Hand wieder in deinen Gewandbausch. Und er tat seine Hand wieder in seinen Gewandbausch; und er zog sie aus seinem Gewandbausch heraus, und siehe, sie war wieder wie sein Fleisch« (2Mo 4,6.7). Es gab es keine natürliche Heilung für Aussatz – genauso wenig, wie es eine natürliche Lösung für das Problem der Sünde gibt. Aber Gottes Eingreifen zeigt: Wo es keine natürliche Lösung gibt, kann Er doch erlösen und befreien. Diese beiden Voraussetzungen garantieren, dass Gott mit Seinem Plan am Ende ein vollkommenes Ziel erreicht: Er ist stärker als der Feind und Er hat eine Lösung für das grundlegende Problem der Sünde.

kopf:zerbrechen
Gott ist stärker als Satan und hat ihn in Eden bereits durch Seinen Fluch gerichtet. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass der Konflikt mit Satan fortbesteht: »Von nun an setze ich Feindschaft zwischen dir und der Frau und deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen« (1Mo 3,15 NLÜ). Obwohl es viele Schlangenarten gibt, die dem Menschen gefährlich werden können (700 giftige und ca. 100 besonders gefährliche), ist offensichtlich, dass sich auch diese Prophetie nicht auf das Kriechtier bezieht, sondern auf Satan, den Widersacher. Er hatte sich in Eden als Lügner und »Menschenmörder von Anfang an« erwiesen (Jh 8,44). Jeder, der ihm in seiner Rebellion nachfolgt und nicht zu Gott umkehrt, ist Satans geistlicher Nachkomme. Auch wenn das sehr hart klingt, gibt es für den Menschen nur diese beiden Optionen: »die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels« (1Joh 3,10). Dann gibt es in 1. Mose 3 einen unerwarteten grammatikalischen Bruch. In Bezug auf die Frau ist nicht von »den Nachkommen« (Mehrzahl), sondern von »dem Nachkommen« (Einzahl) die Rede. Die gute Nachricht ist, dass der »Schlangenüberwinder« im gleichen Atemzug wie der Fluch über die Schlange angekündigt wird: »Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in seine Ferse beißen« (1Mo 3,15 NLÜ). Dieser ER ist der Nachkomme der Frau. Er ist es, der Satan besiegt hat. Auf diesen ersten Hinweis auf den Erlöser folgen viele weitere. Im Gespräch mit Abraham erinnert Gott an dieses Versprechen: »durch deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde gesegnet sein« (1Mo 22,18 NeÜ). Dabei kann man zunächst an Isaak denken, durch den die »Segenslinie« weitergeführt wurde. Die tiefere Bedeutung wird aber im Neuen Testament enthüllt: »So ist es auch mit Gottes Zusagen an Abraham. Betrachten wir sie genauer, dann stellen wir fest: Gott gab sein Versprechen Abraham und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: »Abraham und seinen Nachkommen«, als ob viele gemeint wären. Gott sagt ausdrücklich: »deinem Nachkommen«, also einem Einzigen. Dieser Eine ist Christus« (Gal 3,16 Hfa).
Obwohl diese Zusage Gottes, so ganz am Anfang der Weltgeschichte, ein Grund zur Freude und Dankbarkeit ist, erfahren wir leider auch, dass es kein leichter Sieg werden würde: Die Schlange würde dem Nachkommen in die Ferse beißen. Die Bedeutung dieser Aussage ist klar: Würgeschlangen beißen ihre Beute eher nicht und harmlose Schlangen zwicken ihren Fänger höchstens in die Hand. Nur die gefährlichen Giftschlangen verhalten sich so – und ihr Biss ist tödlich. Das erfüllte sich, als der Herr Jesus am Kreuz an Fersenbein und Händen von römischen Nägeln durchbohrt Sein Leben gab, um alle Menschen freizukaufen (1Tim 2,6). Er starb, obwohl es keine Verfehlung gab, wegen der Satan Ihn hätte verklagen können: »der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir« (Jh 14,30). »So konnte Er durch den Tod den entmachten, der mit Hilfe des Todes seine Macht ausübt, nämlich den Teufel« (Heb 2,14 NGÜ). Satan ist also ein besiegter Feind, und wir dürfen die vollständige Erfüllung der ältesten Prophetie erwarten: »Es wird nicht lange dauern, bis der Gott des Friedens den Satan unter euren Füßen zermalmt hat« (Röm 16,20 NeÜ).
Aber noch ist der Widersacher sehr aktiv. Die überlegene Macht Gottes erweist sich äußerlich nur zeichenhaft, nicht als allgemeine Erfahrung. Der Herr Jesus sagt Seinen Jüngern zu: »Siehe, ich gebe euch die Gewalt, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und Gewalt über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie schaden« (Lk 10,19). Lukas berichtet später davon, wie er Augenzeuge wurde, dass sich diese Zusage erfüllte: »Als aber Paulus eine Menge Reiser zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand fest. Als aber die Eingeborenen das Tier an seiner Hand hängen sahen, sagten sie zueinander: Jedenfalls ist dieser Mensch ein Mörder, den Dike, obwohl er aus dem Meer gerettet ist, nicht leben lässt. Er nun schüttelte das Tier in das Feuer ab und erlitt nichts Schlimmes. Sie aber erwarteten, dass er anschwellen oder plötzlich tot hinfallen würde. Als sie aber lange warteten und sahen, dass ihm nichts Ungewöhnliches geschah, änderten sie ihre Meinung und sagten, er sei ein Gott« (Apg 28,3-6). Die Eingeborenen kennen offensichtlich diese Schlangenart und die unabwendbare Folge ihres Bisses. Dass sie ausbleibt, ist ein göttliches Wunder. Die Bildersprache der Bibel illustriert, dass jeder Mensch seit Adam von der Schlange gebissen wurde und mit dem tödlichen Gift der Sünde infiziert ist. Jeder ist todgeweiht und geht dem Gericht über seine eigene aufgehäufte Schuld entgegen.

er:rettet
»Wie wenn jemand vor dem Löwen flieht, und es begegnet ihm ein Bär; und er kommt nach Hause und stützt seine Hand an die Mauer, und es beißt ihn eine Schlange« (Am 5,19). Dieser Vers beschreibt eine tragische Situation. Ein Mensch konnte dem Tod mehrfach »von der Schippe springen«. Er entkam sowohl dem Löwen als auch dem Bären und erreicht sein Zuhause. Atemlos stützt er sich an die starken Mauern seines Heims und wähnt sich in Sicherheit, nur um kurz darauf von einer Schlange erwischt zu werden. In unserer Gegend zitiert man oft einen Artikel aus dem »Kölschen Jrundjesetz«: »Et hätt noch emmer joot jejange« (Es ist noch immer gut gegangen). Das ist die Lebenserfahrung vieler Menschen (es muss so sein, denn sonst würden sie schon nicht mehr leben). Leider besteht die große Gefahr, sich von der Hoffnung einlullen zu lassen, dass auch weiterhin alles irgendwie gutgehen wird. Aber jeder Mensch ist ein Sünder und wird von seinen Sünden eingeholt und von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Am Ende wartet die Schlange und erwischt jeden, wirklich jeden, der nicht unter dem Schutz von Jesus Christus steht, der sich stellvertretend für uns hat beißen lassen.
Die Heilige Schrift deutet aber auch an, wie einfach die Rettung aussieht: »Und der HERR sprach zu Mose: Mache dir eine feurige Schlange und tu sie auf eine Stange; und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben« (4Mo 21,8). Wer den Worten Gottes glaubte und das erhöhte kupferne Abbild seiner Todesursache, der Giftschlange, ansah, blieb am Leben. Der Herr Jesus bezieht diese Geschichte auf sich selbst und erklärt, wie wir heute gerettet werden können: »Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn errettet werde« (Jh 3,15-17). Gott »will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1Tim 2,4) – und wer bis jetzt noch nicht an Seinen Sohn Jesus Christus glaubt, kann das HEUTE noch ändern.

Quellennachweis:
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Brauer, M: 140.000 Tote durch Schlangenbisse. Stuttgarter Nachrichten, 07.05.2019; https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.schlangen-fast-140-000-tote-jaehrlich-durch-schlangenbis se.c4b94a04-6d26-4c1e-9525-96f41b6f34b7.html
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Bildnachweis:
Wikipedia: Karte mit Verbreitungsgebiet der Palästinaviper / rbrausse // Siamesische Speikobra auf Straße / Tontanthailand // Schlangeninsel Queimada Grande / Nayeryouakim // Insel-Bambusotter in leuchtendem Blau / Rsutedja90 // Denkmal für Paulus mit der Schlange am Feuer / Jaakko.kulta
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