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Spinnen

Obwohl die Echten Webspinnen (Araneomorphae) mit über 36.000 Arten zu den formenreichsten Unterordnungen im gesamten Tierreich zählen, werden sie kaum beachtet. In der Bibel werden sie nur im Zusammenhang mit ihrem auffälligsten Merkmal erwähnt.

Die hebräische Bezeichnung akkabisch kann eindeutig der Spinne zugeordnet werden und taucht in den Kombinationen bet-akkabisch (Haus der Spinne, Hi 8,14) und kur-akkabisch (Netz der Spinne, Jes 59,5) auf. Spinnengewebe werden aus sehr wenig Material konstruiert und sind somit ein treffendes Symbol für ein »Nichts«. Wie alles in der Schöpfung sind sie, bei genauer Betrachtung, genial und dienen meist als Insektenfalle.

halt:los

Aber auch wenn einige tropische Arten, wie zum Beispiel die Seidenspinnen (Nephila sp.), mit ihnen sogar kleine Vögel und Fledermäuse fangen, ist es keine Frage, dass sie einen Menschen nicht halten können. Deswegen gebraucht Hiobs Freund Bildad dieses Bild: »So geht es allen, die nach Gott nicht fragen. Wer ohne Gott lebt, dem bleibt keine Hoffnung! Denn seine Sicherheit gleicht einem Faden und sein Vertrauen einem Spinnennetz: Wenn du dich darauf stützt, dann gibt es nach; hältst du dich daran fest, so hält es nicht« (Hi 8,13-15 GN). Wie zur Bekräftigung dieser Aussage ereignete sich folgender tragischer Unfall …

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20.07.1974 – Los Angeles, Kalifornien: Ein Fassadenkletterer setzt vor tausenden Schaulustigen seine Ankündigung in die Tat um, die glatte Fassade der Sears, Roebuck & Co. Shopping Mall ohne technische Hilfsmittel zu erklimmen. Zu einer Zeit, in der Freeclimbing, Free Solo und Bouldern noch weitgehend unbekannte Sportarten sind, können sich die meisten Menschen kaum vorstellen, dass so ein Unterfangen überhaupt gelingen könnte. Und doch arbeitet sich der junge Rooftopper hochkonzentriert von Etage zu Etage nach oben. Knapp unterhalb des Dachs muss er einen Gebäudevorsprung überwinden. Die Zuschauer sehen, wie er nach einem Halt sucht, entschlossen zugreift, im nächsten Moment ins Leere stürzt und auf dem Gebäudevorplatz zerschellt. In seiner Hand findet man ein verkleistertes Spinngewebe. Er hatte es anscheinend für eine Betonkante gehalten, aber es war in Wirklichkeit ein hauchzartes, vertrocknetes Nichts.

Das biblische Gegenstück zu diesem trügerischen Gespinst ist der unerschütterliche und verlässliche Fels, mit dem Gott sich selbst vergleicht: »Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!« (5Mo 32,4), »Denn wer ist Gott, außer dem Herrn, und wer ein Fels, außer unserem Gott?« (2Sam 22,32).

netz:stecker – Eine riesige Seidenspinne (Nephila pilipes) hat in ihrem robusten Netz einen Vogel gefangen. Von so einer großen Beute ist sie wochenlang satt. Ihr Faden ist so stark, dass er sich zur Stoffproduktion nutzen lässt, wie das »Goldene Cape« auf der nächsten Seite zeigt.

faden:werk

Die Spinnenseide wird von den Spinndrüsen erzeugt, und wird, besonders bei den Echten Radnetzspinnen (Araneidae), zu auffälligen Netzen versponnen. Für die in Israel lebenden Arten trifft zu, was der Prophet Jesaja schreibt: »Was ihr tut, gleicht dem Gewebe der Spinnen: Kleider und Decken kann man daraus nicht machen; aber lebende Beute wird darin gefangen und umgebracht« (Jes 59,5.6 GN). Im Gegensatz zu herkömmlicher Seide, die auf Hebräisch meschi (Hes 16,10.13) und auf Griechisch serikos (Offb 18,12) genannt und aus den Raupen des Seidenspinners (Bombyx mori) gewonnen wird, eignen sich die Fäden mediterraner und nahöstlicher Spinnen entweder nicht zur Herstellung von Textilien oder lassen sich nicht in ausreichendem Maß gewinnen.

web:design – Das Radnetz der gewöhnlichen Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus), ist ein Beispiel für strukturelle und funktionale Perfektion. Verschiedene Fadenstärken und -beschaffenheiten werden zu einer tödlichen Falle verbunden. Der mittlere Bereich enthält die »Fangspirale« aus Klebefäden, an denen die Beute haften bleibt. Die Spinne selbst vermeidet den Kontakt damit, obwohl sie natürlich in der Lage ist, sich schnell wieder davon zu befreien.

Es gibt allerdings tropische Arten, wie die Madagaskar-Seidenspinne (Trichonephila inaurata), die eine verwertbare Seide liefern, auch wenn es sehr mühsam ist, größere Mengen zu produzieren. Um zu demonstrieren, dass es möglich ist, hielten der Textilkünstler Simon Peer und der Unternehmer Nicholas Godley in Madagaskar mehr als eine Million Seidenspinnen, um ihre Spinnenseide zu ernten. Nach acht Jahren hatten sie genug zusammen, um einen 1,5 Kilogramm schweren goldfarbenen Umhang daraus zu weben, den sie im Jahr 2012 einer staunenden Öffentlichkeit präsentierten.

luxus:spinnerei – Das Golden Spider Silk Cape, wurde mit großem Aufwand aus den Fäden der Seidenspinne gewebt und wird als Kuriosität im Victoria and Albert Museum in London ausgestellt.

Spinnen müssen mit lebenden Insekten gefüttert werden und fressen sich bei gemeinsamer Haltung gegenseitig auf. Das erschwert ihre wirtschaftliche Nutzung sehr. Da also eine direkte Seidenernte aus den Spinnen zwar möglich, aber extrem aufwändig ist, wird heute an biochemischen und biotechnologischen Verfahren zur künstlichen Herstellung von Spinnenseide gearbeitet. Man will nämlich trotz aller Widrigkeiten nicht auf diesen Naturstoff verzichten.

faser:funktionen

Warum dieser Hype um Spinnenseide? – Aus Sicht der Biomechanik handelt es sich um ein unfassbar belastbares, hochelastisches und multifunktionales Material, sodass einige Spinnenseidenarten zu den zähesten Biomaterialien überhaupt zählen und eine höhere Zugfestigkeit, Bruchdehnung und Korrosionsbeständigkeit aufweisen als ein entsprechender Strang aus Kevlar oder Stahl.

Es gibt eine Reihe von Anwendungen, in denen »spidersilk« schon lange Zeit zum Einsatz kommt. Die Jungtiere einiger sehr kleiner Spinnenarten liefern eine »Babyspinnenseide« mit einem Durchmesser von nur 0,05 Mikrometern – die kleinste verwertbare Naturfaser überhaupt! Vor der Entwicklung synthetischer Produkte wurden sie in optischen Präzisionsinstrumenten verbaut, zum Beispiel als Fadenkreuz in Zielfernrohren und Teleskopen. In der Medizin verwendet man Fäden aus Spinnenseide für Wundnähte und zur Beschichtung von Implantaten.

Wenn es erst einmal gelänge, eine vergleichbare Qualität synthetisch und im großen Maßstab zu gewinnen, wäre eine Fülle von Anwendungen denkbar. Von kugelsicherer Bekleidung, reißfesten Fallschirmen, Wandverstärkungen für Autoreifen, Verbandsmaterial, Kleidungsstücken, Schuhen und so weiter – das Marktpotenzial für textile, militärische, medizinische und kosmetische Produkte aus Spinnenseide wird auf fünfzig Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

spinn:spektrum

Kommen wir von den Aspekten menschlicher Nutzung zurück zur natürlichen Bedeutung der Spinnenseide. Es würde den Rahmen sprengen, ausführlich darauf einzugehen, was die Spinnen damit alles anstellen. Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) baut Taucherglocken daraus, die ihren Luftvorrat festhalten, Kescherspinnen (Deinopidae) weben sich ein kleines Wurfnetz, das sie mit den Vorderbeinen auf ihre Beute schleudern, Bolaspinnen (Mastophoreae) lassen einen klebrigen Tropfen an einem Faden kreisen und fangen damit sogar Insekten aus der Luft, Wolfsspinnen (Lycosidae) lassen immer einen Faden mitlaufen, um wieder nach Hause zu finden, Baldachinspinnen (Linyphiidae) klettern auf eine Erhöhung, spinnen ihren Faden in den Wind und lassen sich von ihm im »Spinnenflug« davontragen – mitunter hunderte Kilometer weit, Tapezierspinnen (Atypidae) und Röhrenspinnen (Eresidae) bauen seidene Tunnel und Kammern, und bei der Speispinne (Scytodes thoracica) kommen die Fäden aus Drüsen am Kopfende herausgeschossen und werden im Zickzackmuster auf die Beute gespuckt, um sie so zu fesseln. Das sind nur einige Highlights – die meisten Spinnen verpacken ihren Nachwuchs in seidene Kokons, nutzen den Faden, um sich daran abzuseilen oder entlangzuhangeln, und wickeln ihre Opfer darin ein.

meister:after – Ein Arsenal von Spinndrüsen, die sich auf 6 Spinnwarzen verteilen, produziert den Spinnfaden. Die einzelnen Drüsensekrete können variabel kombiniert werden, so dass die Eigenschaften des Fadens je nach Zweck unterschiedlich sind.

Die Spezialität der Radnetzspinnen ist die Konstruktion ausgefeilter Fangnetze. Hierbei werden oft verschiedene Seidenarten nach einem komplizierten Plan kombiniert. Obwohl die Spinne ein angeborenes Programm ausführt, benötigt sie dafür »volle Konzentration«. Im Experiment ließ sich zeigen, dass schon geringe Dosierungen von Drogen Chaos verursachen.

kaffee:kränzchen – Drogeneinfluss führt dazu, dass die Spinne »den Faden verliert«. Schon geringe Konzentrationen von chemischen Verbindungen, die auf das Zentralnervensystem wirken, verursachen Chaos. Zu sehen ist das Ergebnis einer Verabreichung von Coffein. Bei Marihuana, Amphetamin, Chloralhydrat und LSD gibt es ebenfalls ein wirres Durcheinander.

Eine besondere Eigenschaft mancher Fäden würde man sich gerne auch technisch zunutze machen: Durch Oberflächenspannung und Van-der-Waals-Kräfte bewirken kleine Tröpfchen, dass sich darin eine »Seilreserve« einspult. So bleibt das Netz immer unter einer genau definierten Spannung und kann sich in jede Richtung weit ausdehnen.

spannungs:kurve – Ob gedehnt oder entspannt, der typische Fangfaden einer Radnetzspinne (hier Nephila edulis) bleibt straff. Kraftmessungen zeigen, dass sich die Faser bei großer Spannung (T = Tension) wie eine Feder verhält. Durch diesen genialen Mechanismus können die Fäden ihre Länge (L) stark verändern. Das Netz kann sich in jede Richtung ausweiten und behält dennoch seine Struktur und Spannung.

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Bildnachweis:

Wikipedia: Umhang aus Spinnenseide / Cmglee // Spinnwarzen / Jason7825

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Link zum Buch: https://www.daniel-verlag.de/produkt/ wimmelwesen

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