Neben den Mücken gibt es in der Ordnung der Zweiflügler (Diptera) auch noch die Fliegen (Brachycera). Die Unterscheidung ist allerdings etwas für Experten, und in vielen Sprachen werden sie einfach zusammengefasst. Auch bei den Fliegen gibt es blutsaugende und gefährliche Arten, meistens sind sie aber einfach nur lästig und immer irgendwo in der Nähe.
In manchen Gegenden im Nahen und Mittleren Osten sind heute noch ähnliche Bedingungen anzutreffen, wie sie dort schon im Altertum vorherrschten: herumliegender Unrat (Mist, Nahrungsreste, Fleischabfälle), offene Abwasserführung, Tierhaltung in unmittelbarer Nähe der Behausungen oder sogar unter dem gleichen Dach und ein warmes, nicht zu trockenes Klima. Dort kann man sich einen guten Eindruck davon verschaffen, in welchen Massen Fliegen unter diesen Umständen auftreten können. In diesem Fall ist es zwecklos, sich ihrer erwehren zu wollen und man kann froh sein, wenn es mithilfe von Fenstergittern, Türvorhängen und Lockfallen gelingt, ihre Zahl zumindest innerhalb geschlossener Räume in erträglichem Maß zu halten.
flieg:zeug
Es handelt sich meistens um die üblichen Verdächtigen: Stubenfliegen (Musca domestica) und Blaue Schmeißfliegen (Calliphora sp.) zum Beispiel sind weltweit verbreitet und als treue Kulturfolger immer da zu finden, wo Menschen siedeln. Abgesehen davon, dass sie (unsachgemäß gelagerte) Lebensmittel verderben und (unter insgesamt schlechten Hygienebedingungen) Krankheiten übertragen können, richten sie keinen Schaden an und gelten deswegen nicht als Schädlinge, sondern nur als »Lästlinge«.

luft:hoheit
Das gängige hebräische Wort für Fliege ist sebub (Pred 10,1; Jes 7,18). Es wurde wahrscheinlich eher »zevuv« ausgesprochen und ahmt das Fliegensurren lautmalerisch nach. Es begegnet uns auch in dem Namen ba‘al-sebub (2Kön 1,2.3.6.16), mit der Bedeutung »Herr der Fliegen«. Man nimmt an, dass der Götze der Philisterstadt Ekron mit diesem Namen verspottet werden sollte. Der eigentliche Name, den die Philister ihm gaben, war wohl ba‘al-sebul mit der Bedeutung »Herr des erhabenen Hauses«. In diesem Sinn begegnet uns das Wort zum Beispiel in dem Vers: »So habe ich nun ein erhabenes Haus [sebul] gebaut …« (1Kön 8,13 Lu). Im Neuen Testament wird später die griechische Form Beelzebul (Mt 10,25; 12,24.27; Mk 3,22; Lk 11,15.18.19) verwendet, um den »Fürsten der Dämonen« oder sogar Satan selbst zu bezeichnen. Den Juden erschien das als passende Metapher, denn die »umherschwirrenden« Dämonen, die mit Unreinheit, Krankheit und Tod in Verbindung stehen, teilen diese Eigenschaften mit den verhassten Fliegen.
Wir sollten uns nicht mehr als nötig mit dem Teufel beschäftigen, lesen aber, dass Satan »im Machtbereich der Luft regiert« (Eph 2,2 NLÜ). Wer zu Jesus Christus gehört, braucht sich davon nicht erschrecken zu lassen. Denn obwohl die Luft als Herrschaftsbereich Satans deklariert wird, ist Er stärker und Seine Überlegenheit wird sich genau dort manifestieren: »Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen in Wolken fortgerissen werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft. Und dann werden wir für immer bei ihm sein« (1Thes 4,17 NeÜ). Der »Fürst, der in der Luft herrscht« (SB) wird das nicht verhindern können.

waden:beißer
Ihren prominentesten Auftritt haben Fliegen, als sie als vierte Plage über die Ägypter herfallen. Sie werden mit dem hebräischen Wort arob (2Mo 8,17.18.20.25.27; Ps 78,45; 105,31) bezeichnet. Die meisten deutschen Übersetzungen wählen hier einen allgemeinen Begriff wie Ungeziefer, Fliegen oder Stechfliegen. In der LXX steht das griechische Wort kynomyia, das wörtlich übersetzt »Hunde-Fliege« bedeutet. Dadurch geriet der Ausdruck »Hundsfliege« in die theologische Literatur und wird bis heute in einigen (meist älteren) Bibelübersetzungen verwendet. Es gibt und gab allerdings in der deutschsprachigen Insektenkunde und Taxonomie keine »Hundsfliegen«.
Es gibt zwar die Linsenfliege (Thyreophora cynophila), für die teilweise der Trivialname »Hundefliege« verwendet wurde, sie ist aber keine Stechfliege, bevorzugt dunkle, kühle Orte, ernährt sich von Aas, meidet andere Lebewesen, kommt nur in sehr geringer Zahl vor und war nie im Nahen Osten oder Ägypten beheimatet. Sie ist nur wenigen Spezialisten bekannt und galt 160 Jahre lang als ausgestorben, bis sie 2009 wiederentdeckt wurde. Als Kandidat für die Zuordnung zu den biblischen Quälgeistern scheidet sie also aus mehreren Gründen aus.

Der mittelalterliche Universalgelehrte Albertus Magnus unternahm in seinem Werk De animalibus den Versuch, alle bekannten Tiere zu erfassen und zu beschreiben. Darin erwähnt er blutsaugende Stechfliegen, die er »Cinomia« nennt und als bösartige Doppelgänger der Stubenfliege beschreibt. Es gab zwar noch keine optischen Instrumente wie Lupen oder Mikroskope für eingehendere Untersuchungen, aber er beobachtete beide Formen genau und beschrieb die Unterschiede: Die einen wohnen in den Häusern und laben sich an Früchten und Speisen (offensichtlich die Stubenfliegen), die anderen leben auf Feldern, Wäldern und an Gewässern, durchbohren mit ihrem spitzen Rüssel die Haut des Menschen und saugen sein Blut. Sie kämen allerdings in die Häuser, um die Menschen zu stechen. Hier ist mit großer Wahrscheinlichkeit von der Gemeinen Stechfliege (Stomoxys calcitrans) die Rede. Albertus bemerkte außerdem, dass sich diese Fliegen während der Paarung miteinander verhaken, sehr lange miteinander verbunden bleiben und währenddessen sogar gemeinsam herumfliegen. Das ist ebenfalls ein großer Unterschied zu den Stubenfliegen, bei denen der Paarungsakt nur wenige Sekunden dauert. Er vermutete, dass die Griechen sie deshalb »Hundsfliegen« nannten, weil auch Hunde während der Kopulation für 15-30 Minuten fest miteinander verhakt bleiben. Obwohl später eine Gattung der Schmeißfliegen den besagten Namen Cynomia erhielt, zu der zum Beispiel die Toten- oder Friedhofsfliege (Cynomya mortuorum) zählt, spricht alles dafür, dass der große Gelehrte uns mit der Gemeinen Stechfliege auf die richtige Spur führt. Sie ist weltweit verbreitet und kann in großen Massen auftreten. Im Deutschen ist sie auch unter den Namen Wadenstecher oder -beißer, Stallfliege oder Brennfliege bekannt.

sss:sieg
Nicht nur Menschen leiden unter blutsaugenden Fliegen, wie dieser Vers illustriert: »Ägypten ist wie eine prächtige junge Kuh – aber sie wird von Norden her von einer großen Viehbremse angegriffen« (Jer 46,20 NLÜ). Das hebräische Wort kerez bezeichnet wahrscheinlich die Gemeine Viehbremse (Tabanus bromius), wie hier auch korrekt übersetzt wurde. Sie tritt in fast ganz Europa, Nordafrika und im Orient bis nach Zentralasien überall dort auf, wo es Weidevieh gibt. Wie bei vielen Zweiflüglern ist die Blutmahlzeit der Booster für die Eiproduktion, den allein die Weibchen benötigen. Die Männchen sehen ihnen sehr ähnlich, saugen aber mit ihrem Stechrüssel nur Pflanzensäfte und Nektar. Die Armen haben keine Ahnung, warum Menschen ständig versuchen, sie umzubringen.
Die biologische Zuordnung zur Viehbremse gilt als ziemlich sicher. Die meisten anderen Bremsenarten bevorzugen kühlere und feuchtere Regionen. Auch die Rinderbremse (Tabanus bovinus), die noch etwas größer und gefährlicher ist, wurde weder in Israel noch in Ägypten (wovon ja hier die Rede ist) nachgewiesen. Da sich diese Prophetie Jeremias bereits erfüllt hat, fällt auch die historische Zuordnung nicht schwer – die Bremse, ein unterschätzter Gegner, der aber sehr zielsicher und »blutdurstig« angeschossen kam, war das babylonische Heer unter Nebukadnezar. Auch in anderen Prophezeiungen wird sein überraschend schnelles Voranstürmen beschrieben: »Und schneller als Leoparden sind seine Pferde und rascher als Abendwölfe; und seine Reiter sprengen daher, und seine Reiter kommen von fern, fliegen herbei wie ein Adler, der zum Fraß eilt« (Hab 1,8). Das fruchtbare, stolze und selbstsichere Ägypten wurde in der Schlacht bei Karkemisch 605 v. Chr. vernichtend geschlagen.

öl:krise
Es gibt unter den Fliegen einige Arten, die Kulturpflanzen befallen und deshalb in der Landwirtschaft als Schädlinge gelten. Obwohl die Fliegen in der Bibel nicht direkt in Verbindung mit diesem Problem erwähnt werden, lassen sich Zusammenhänge vermuten. Besonders die Larven der Bohrfliegen (Tephritidae) ernähren sich fast ausschließlich von lebenden Pflanzen und können mitunter ganze Ernten vernichten. Die Olivenfruchtfliege (Bactrocera oleae) ist der Schrecken jedes Ölbauern. Das Weibchen legt ihre Eier in die jungen Oliven, die schlüpfenden Larven ernähren sich davon und der Baum wirft die zerfressenen Früchte schon vor der Erntezeit ab. Genau das wird in der Bibel beschrieben: »Olivenbäume wirst du haben in allen deinen Grenzen; aber mit Öl wirst du dich nicht salben, denn dein Olivenbaum wird die Frucht abwerfen« (5Mo 28,40). Vielleicht nimmt auch dieser Vers Bezug darauf »… es trügt die Frucht des Olivenbaumes« (Hab 3,17), denn den befallenen Oliven ist zunächst von außen nichts anzusehen. Außerdem wird auch der Ernteverlust durch das Abwerfen der Olivenblüten beschrieben (Hi 15,33). Diesmal ist aber nicht die Olivenfruchtfliege schuld, sondern meistens eine extreme Dürreperiode.

Da keine der regional verbreiteten Fliegenarten als Schädlinge im Weinanbau auftreten, liegt es nahe, dass in diesem Vers nicht von einer Fliegenlarve die Rede ist: »Weinberge wirst du pflanzen und bebauen; aber Wein wirst du weder trinken noch einsammeln, denn der Wurm [tola] wird ihn fressen« (5Mo 28,39). Vielmehr spricht einiges dafür, dass es sich hier um die Wollige Rebschildlaus (Pulvinaria vitis) handelt. Der, ebenfalls als tola bezeichnete Wurm, der den Wunderbaum des Propheten Jona verdorren ließ (Jona 4,6.7), wird in dem Beitrag über Schmetterlinge und Motten näher beleuchtet.
fliegen:fallen
In besonders großer Zahl treten die kleinen Taufliegen (Drosophilidae sp.) auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Hefen und Bakterien, die sie in großen Mengen überall dort finden, wo Fäulnis und Gärung von Früchten und anderen Nahrungsmitteln Duftstoffe freisetzen, die sie anlocken. Besonders wenn es sich um Flüssigkeiten (Obstsäfte, Most, Wein, Essig, Öl) handelt, bleiben sie häufig kleben und landen in den Behältnissen. Dabei verbreiten sie die anhaftenden Fäulniserreger (zum Beispiel Essigsäurebakterien). Es ist daher naheliegend, dass dieses Problem in folgender Stelle anklingt: »Tote Fliegen machen das Öl des Salbenmischers stinkend und gärend …« (Pred 10,1). Salomo führt im zweiten Teil des Verses aus, was er mit dieser Beobachtung illustriert: »Ein wenig Torheit hat mehr Gewicht als Weisheit und Ehre«. Winzige Ursachen, wie die unscheinbaren, zwei bis drei Millimeter kurzen Taufliegen, die in einen großen Salbenkessel (oder ein Weinfass) fallen, können den ganzen Inhalt verderben. So machen Menschen oft große Errungenschaften, Erkenntnisse und Taten durch eine kleine Dummheit zunichte..

Aus den gleichen Gründen wird auch in diesem Vers die Taufliege gemeint sein: »Ihr wollt die Menschen führen und seid selbst blind. Die winzigste Mücke fischt ihr aus dem Becher, aber Kamele schluckt ihr unbesehen hinunter« (Mt 23,24 GN, zur Bedeutung dieses Vergleichs siehe den Beitrag über Mücken). Jedenfalls landen Taufliegen ständig in offenstehenden Getränken, während das Mücken so gut wie nie passiert. Das hier verwendete griechische Wort konops bezeichnet zwar üblicherweise tatsächlich die Stechmücke, aber vielleicht wurde manchmal nicht so genau unterschieden. Interessant ist jedenfalls, dass auch in Österreich heute die Taufliegen als »Mücken« bezeichnet werden (während man die Mücken »Gelsen« nennt) und im Fränkischen die Bedeutung von Fliege und Mücke sogar vertauscht ist.

staub:stumm
In ihrer Eigenschaft als Abfallverwerter und Aasfresser werden in einigen Versen Maden oder Würmer er wähnt, bei denen es sich mit ziemlicher Sicherheit um Fliegenlarven handelt. Eine exakte Zuordnung der hebräischen Wörter rimma und tola ist nicht möglich, wie sich an folgendem Sprachgebrauch erkennen lässt: Als einige Israeliten das Manna, entgegen der ausdrücklichen Anordnung, auf Vorrat sammelten, wuchsen über Nacht Würmer (tolaim) darin und es stank (2Mo 16,20). Wundersamerweise geschah das aber nicht, wenn man es am Freitag auflas und bis zum Sabbat aufbewahrte – dann war kein Wurm (rimma) darin (2Mo 16,24). Hier werden offensichtlich beide Begriffe für den gleichen Schädling verwendet. Auch in diesen poetischen Formulierungen bilden sie einen »synthetischen Parallelismus«: »wie viel weniger der Mensch, der Wurm [rimma], und das Menschenkind, die Made [tola]!« (Hi 25,6) und »Maden [rimma] sind unter dir gebettet, und Würmer [tolea] sind deine Decke« (Jes 14,11).
Wenn überhaupt Bedeutungsschwerpunkte festgemacht werden können, dann insofern, als dass tola in einigen Versen für die Geringachtung des »Gewürms« steht, wie in der angeführten Stelle aus dem Buch Hiob und auch in diesen Stellen: »Ich aber bin ein Wurm und kein Mann, der Menschen Hohn und der vom Volk Verachtete« (Ps 22,7) und: »Fürchte dich nicht, du Wurm Jakob, du Häuflein Israel; ich helfe dir, spricht der Herr, und dein Erlöser ist der Heilige Israels« (Jes 41,14). Umso erstaunlicher ist es, dass dieses negativ belegte Wort als Name des Sippenoberhauptes Tola (1Mo 46,13; 4Mo 26,23; Ri 10,1; 1Chr 7,1.2) und seiner Nachkommenschaft, der Tolaiter (4Mo 26,23) vorkommt.

eben:erdig
Es ist kein sehr appetitliches Thema, über die Würmer als Konsumenten kranken oder toten menschlichen Gewebes zu reden, aber die Bibel geht damit sehr nüchtern um. Seit seiner bewussten Auflehnung gegen Gott gilt für den Menschen grundsätzlich: »… am Ende wirst du wieder zur Erde zurückkehren, aus der du gemacht wurdest. Denn Staub bist du, und zu Staub sollst du wieder werden!« (1Mo 3,19 NGÜ) – und die Larven verschiedener Fliegenarten haben an dieser »Rückverwandlung« bedeutenden Anteil. Hiob drückt seine Todessehnsucht folgendermaßen aus: »Zur Grube rufe ich: Du bist mein Vater!, zum Gewürm: Meine Mutter und meine Schwester!« (Hi 17,14) und beschreibt den Tod als den großen Gleichmacher von Arm und Reich: »Zum Schluss werden beide im gleichen Staub begraben und von den gleichen Würmern gefressen« (Hi 21,26 NLÜ).

Ein ganzes Fachgebiet beschäftigt sich gründlich mit allen Details des Verwesungsprozesses: Die Forensische Entomologie ist eine Disziplin der Kriminalistik. Bei der Aufklärung von Tötungsdelikten ist es hilfreich, Todeszeitpunkt und Begleitumstände möglichst verlässlich rekonstruieren zu können. Vor diesem Hintergrund werden die beteiligten Insekten erforscht. Eine genaue Kenntnis ihrer Lebensgewohnheiten, Generationszeiten und Fraßbilder in Abhängigkeit aller relevanter Umweltfaktoren ist dabei eine große Hilfe. Das soll hier nicht weiter erörtert werden, aber wer sich für »Wissenschaft mit Gruselfaktor« begeistern kann, mag recherchieren, wie die entsprechenden Daten auf einer »Body farm« gewonnen werden …

Im Grunde genommen ist das alles ein sehr natürlicher Prozess und es braucht niemanden zu kümmern, wie die »sterbliche Hülle« wieder zu Staub wird – ausgenommen eben die besagten Gerichtsmediziner. Viel gruseliger ist es, was Fliegenlarven anrichten können, wenn sie sich in lebenden Menschen tummeln – man spricht dann von der Fliegenmadenkrankheit (Myasis), die in ganz unterschiedlichen Formen auftreten kann. Der Autor bekam als Kind während eines Diavortrags eines Missionars entsprechend besiedelte Hautwunden afrikanischer Patienten zu sehen – Bilder, die ihm bis heute präsent sind, ein traumatisches Erlebnis … Deswegen werden hier im Buch keine Abbildungen gezeigt, aber ganz vorbei kommen wir an dieser Angelegenheit nicht. Hiob, der durch unfassbares Leid erprobt wurde, klagte: »Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und Schorf; meine Haut verkrustet und eitert« (Hi 7,5 SB). Es gibt viele Fliegenarten up:grade (selbst die harmlose Stubenfliege zählt dazu), die durch übelriechende Wunden angelockt werden und ihre Eier dort ablegen. Sie scheinen zu wissen, dass ein derart geschwächter Patient sich kaum noch wehren kann. Bei König Herodes Agrippa I. dagegen, der »von Würmern zerfressen« starb, sind wahrscheinlich nicht Fliegenlarven, sondern tatsächlich (Band-) Würmer die Ausführenden des göttlichen Gerichts.
brand:loch
Das Tal Hinnom (auch »Tal des Sohnes o. der Söhne Hinnoms« genannt) war ein Ort, an dem es lange Zeit von Maden nur so wimmelte. Es lag vor den Mauern der Stadt Jerusalem und wird zum ersten Mal bei der Grenzziehung der Stammesgebiete erwähnt (Jos 15,8; 18,16). In diesem Tal wurde eine Kultstätte des Moloch (oder Molech) errichtet, das sogenannte Tophet (Jer 7,31). Zum abscheulichen kanaanitischen Götzenkult gehörte es, hier Kinder zu opfern, indem man sie lebendig verbrannte. Schon bevor die Israeliten mit dieser heidnischen Praxis in Berührung kamen, hatte Gott sie davor gewarnt und jede Teilhabe daran zum todeswürdigen Vergehen erklärt (3Mo 18,21; 5Mo 18,10). Trotzdem gab es in der späteren Geschichte sogar judäische Könige, wie den gottlosen Ahas (2Kön 16,3) oder Manasse (2Kön 21,6; 2Chr 33,6), die ihre eigenen Kinder hier grauenhaft ums Leben brachten.

Um diese Gräuel zu beenden, zerstörte der gottesfürchtige König Josia die Opferstätte und machte das Tal zur Müllhalde (2Kön 23,10). Wer alle Arten von Unrat, Nahrungsabfälle oder tote Tierkörper loswerden wollte, konnte damit zum Misttor (Neh 2,13) kommen und alles einfach rechts neben dem Tor den steilen Hang hinunterkippen. In den Kommentaren von Rabbi David Kimhi (Radak) ist mehrfach zu lesen, dass die Rabbiner den Scheol (ein hebräischer Ausdruck für das Totenreich), soweit es die Gottlosen betrifft, mit diesem Ort der Fäulnis und Verwesung gleichsetzen (zum Beispiel in seinen Anmerkungen zu Ps 30,4; Jes 30,33; 66,24). Er beschreibt dieses Tal in seinem Kommentar (zu Ps 27,13) wie folgt: »Gehenna ist ein widerwärtiger Ort, an den Schmutz und Leichen geworfen werden und an dem ständig Feuer brennen, um den Schmutz und die Knochen zu verbrennen; aus diesem Grund wird das Gericht über die Bösen analog dazu ´Gehenna` genannt.« Offene Müllverbrennung an geeigneten Plätzen (Senken, Gruben, Steilhängen), an denen das Feuer gut kontrolliert werden kann, entspricht den Gepflogenheiten des Altertums und ist heute noch im Nahen Osten zu beobachten. Daher gilt die Beschreibung des Rabbis vielen als glaubwürdig, auch wenn sie bisher archäologisch nicht eindeutig zu belegen ist. Ob hier nun tatsächlich »thermisch entsorgt« wurde, können Historiker also nicht sicher sagen. Es würde jedenfalls sehr gut zu einer Rede des Herrn Jesus passen, in der Er Seine Zuhörer dreimal mit diesen Worten warnt: »Es ist besser … als dass du … in die Hölle [geenna] geworfen wirst, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm [skolex] nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt« (Mk 9,44.46.48). Das griechische Wort für Hölle ist also identisch mit der Ortsbezeichnung für das Hinnomtal. Auch bei der Beschreibung des ewigen Zustands wird auf dieses Bild Bezug genommen. Es gibt erlöste Menschen, die »ein Recht haben, an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen«, und es gibt den Ort vor dem Tor, an dem die Gottlosen »abperlen«, das »Draußen« (Offb 22,14.15).
Wie lässt sich das Bild von Gehenna auf Menschen übertragen? – Stehen die wühlenden Maden und das Feuer für bohrenden körperlichen Schmerz oder eher für innere Qualen? Beschreibt es das Schuldempfinden, die Einsamkeit oder die Selbstvorwürfe …? Die Beispiele, die der Herr nennt, zeigen jedenfalls, dass ALLES besser ist als die Ewigkeit an diesem Ort zu verbringen. Die reale Hölle ist der »Ort der Qual« (Lk 16,28), der »Feuer- und Schwefelsee«, in dem man »Tag und Nacht gepeinigt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit« (Offb 20,10). Die gute Nachricht ist, »dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten« (1Tim 1,15). Die Hölle ist »das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist« (Mt 25,41) – sie war ursprünglich gar nicht für Menschen vorgesehen und heute gilt: Wer an Jesus glaubt »hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen« (Jh 5,24).
Die Fliege ist tot
Manfred Siebald, 1978
Die Fliege ist tot – ich hab sie erschlagen;
jetzt habe ich Ruhe, sie reizt mich nicht mehr.
Warum musste sie auch um die Lampe jagen,
als wenn sie nicht richtig im Kopfe wär?
Doch während ich siegesbewusst den Rest
der Jagd im Papierkorb beerdigen will,
setzt sich eine Frage in mir fest,
und plötzlich wird es in mir ganz still.
Wie wäre es, wenn Gott so wär wie ich
und gleich erschlüg, was Ihm missfällt –
wer könnte dann dem tod entfliehn?
Er hätte Christus nicht gesandt für mich,
für meine Schuld und die der Welt,
damit ich leben kann durch Ihn.

Quellennachweis:
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Bildnachweis:
Wikipedia: Dämonenfürst Beelzebub / Fred Barnard // Gemeine Stechfliege / Pavel Krok, Fir0002 // Kopf mit Stechrüssel / Jana Bulantová // Verwesungsstudie mit Wasserbüffel / Anil1956
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Link zum Buch: https://www.daniel-verlag.de/produkt/ wimmelwesen
